Das Grummeln im Bauch – was Darmgeräusche bedeuten

Wohl jeder kennt das: In einem ruhigen Moment meldet sich der mitteilungsfreudige Bauch zu Wort und alle um uns herum hören unsere Darmgeräusche als uneindeutige Laute aus dem Bauchraum. Wie unangenehm! Dabei ist es vollkommen normal, dass der Darm Geräusche hervorbringt. Im Gegenteil, würde er keine verursachen, gäbe es Grund zur Beunruhigung.

Arzt hört mittels Stethoskop den Bauch auf Darmgeräusche ab.


Überblick:

Häufige gestellte Fragen zu Darmgeräuschen

Wie hören sich Darmgeräusche an?
Ein Gluckern im Bauch, ein Knurren, Grummeln oder ein Glucksen sind typische Darmgeräusche. Die Laute kommen aus dem Verdauungstrakt. Auch Blähungen können begleitend auftreten und zu unliebsamen Geräuschen und Gerüchen führen.

Wie viele Darmgeräusche sind normal?
Darmgeräusche gehören zu einer gesunden Verdauung. Sie sind im Regelfall kein Grund zur Besorgnis. Es ist schwer, hier eine klare Grenze zu ziehen, ab wann eine Erkrankung dahinterstecken könnte. 5-10 Darmgeräusche pro Minute gelten beim ärztlichen Abhören des Bauchraums mittels Stethoskop aber durchaus als normal.1

Kann ich Darmgeräusche bewusst steuern?
Die physiologischen Darmgeräusche müssen wir für eine gute und regelmäßige Verdauung akzeptieren. Bei einer aktiven Verdauung sind Darmgeräusche unvermeidlich. Der Darm steuert dies eigenständig – weder Verdauung noch Geräuschentwicklung sind willentlich durch uns kontrollierbar.

Weisen Darmgeräusche auf Krankheiten hin?
Darmgeräusche können begleitend mit weiteren Symptomen wie Bauchschmerzen oder Durchfall auch bei Erkrankungen auftreten. Bei Magen-Darm-Grippe nehmen wir zum Beispiel häufig vermehrte Darmgeräusche wahr – zusätzlich zu weiteren Beschwerden wie Übelkeit.

Wann empfiehlt es sich, zur Abklärung der Darmgeräusche einen Arzt aufzusuchen?
Wenn weitere Krankheitszeichen zu den Darmgeräuschen hinzukommen, gar keine Geräusche vernehmbar sind beziehungsweise diese metallisch oder zischend klingen, sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen. Bei starken Beschwerden und hohem Leidensdruck ist der Gang zum Arzt ebenfalls ratsam.

Was hilft gegen Darmgeräusche und Blähungen?
Essen – vor allem in Ruhe und ohne Hast – kann Darmgeräusche minimieren. Des Weiteren entspannt Wärme den Darm. Wenn Sie bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen, verzichten Sie auf diese oder nehmen Sie sie nur in kleinen Mengen zu sich. Grün-, Rot-, Weiß- und Rosenkohl, Wirsing, Sauerkraut, Lauch sowie Zwiebeln sind stark blähende Gemüsesorten und gehören daher zu den häufig schwer verdaulichen Lebensmitteln.


Was sind Darmgeräusche?

Am bekanntesten unter den Bauchgeräuschen ist das Magenknurren, doch auch der Darm verursacht Geräusche. In der Fachsprache werden die Darmgeräusche als Borborygmus bezeichnet. Sogar ohne Stethoskop hören Sie beim Auflegen des Ohres auf den Bauch eines anderen die Darmgeräusche ganz deutlich, selbst dann, wenn dieser sie nicht wahrnimmt.

Gut zu wissen

Darmgeräusche sind meistens harmlos. Sie weisen auf eine gesunde Darmaktivität und Verdauungsleistung hin. Sie können jedoch ebenfalls begleitendes Symptom einer Darmerkrankung sein.

Lesen Sie hier mehr zu Darmerkrankungen

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Welche Begleiterscheinungen treten bei Darmgeräuschen auf?

Das Gluckern im Bauch ist nicht gleichzusetzen mit Blähungen. Da die Darmgeräusche mit vermehrter Gasbildung zusammenhängen können, gehen sie aber oft mit Blähungen und einem aufgeblähten Bauch (Meteorismus) einher. Auch das Entweichen der Gase über den Darm (Flatulenz) kann auftreten, wenn die Gase nicht vom Darm in die Blutbahn aufgenommen und über die Lunge abgeatmet werden.

Mehr zu Blähungen finden Sie hier

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Was sind Ursachen für Darmgeräusche?

Darmgeräusche entstehen durch die Verdauungstätigkeit des Darms. Der Nahrungsbrei wird mit Verdauungssekreten angereichert. Zudem bilden die im Darm lebenden Darmbakterien Gase. Die Verdauung verursacht dann Laute, wenn Nahrungsbrei, Verdauungssäfte, Gase und verschluckte Luft vermischt und vorwärts geschoben werden.

Insbesondere in den Ruhephasen zwischen den Mahlzeiten führt der Verdauungstrakt eine vom Magen bis zum Beginn des Dickdarms gehende Bewegung durch. Das Zusammenziehen der Muskeln des Verdauungstrakts und die dadurch entstehende Fortbewegung nennen Experten Peristaltik. Dabei wird der Nahrungsbrei im Darm weitertransportiert und mit Verdauungssäften durchmischt. Die peristaltischen Wellen im Dünndarm werden wissenschaftlich als wandernder myoelektrischer Motorkomplex oder auch als Housekeeper (englisch Haushälter) Effekt bezeichnet.

Wie Haushälter sorgen die wellenartigen Bewegungen für die Reinigung des Darms. Der Darm säubert sich so selbst nach den Mahlzeiten von Nahrungs- und Bakterienresten. Dieser Prozess findet alle 90 bis 120 Minuten statt, solange bis die nächste Nahrungsaufnahme ihn unterbricht.2

Der Housekeeper Effekt beginnt etwas 1,5 Stunden nach dem Essen.3 Daher treten zu diesem Zeitpunkt häufig laute Geräusche auf.

Darmgeräusche – ein Zeichen von Hunger?

Darmgeräusche sind sowohl vor als auch nach der Mahlzeit hörbar. Sie sind vom Magenknurren zu unterscheiden. Dieses tritt meist auf, wenn der Magen leer ist, sich also viel Luft im Magen befindet, die weiter Richtung Magenausgang gedrückt wird.4

Generell sagen Darmgeräusche wenig über Hunger oder Sättigung des grummelnden Bauchbesitzers aus. Sie sind vielmehr ein Indikator, wie aktiv Magen und Darm gerade sind. Ist der Darm gut gefüllt mit Nahrung, werden Geräusche und Hall lediglich mehr gedämpft als in einem geleerten Zustand.

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Erkrankungen als Auslöser für Darmgeräusche

Bei einigen Erkrankungen kommen Darmgeräusche begleitend zu anderen Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen vor. Folgende Krankheiten können hinter (vermehrten) Darmgeräuschen stecken:

Verstärkte Darmgeräusche können weiterhin in selteneren Fällen bei Hernien (Eingeweidebruch) und Darmkrebs auftreten. Darmgeräusche allein sind jedoch kein Grund zur Beunruhigung. Bei den letztgenannten Krankheiten sind in der Regel weitere Symptome auffällig, beispielsweise Blut im Stuhl bei Darmkrebs oder Vorwölbungen der Bauchdecke bei Hernien.

Aha!

Grund für vermehrte Darmgeräusche kann auch die Einnahme bestimmter Medikamente sein (zum Beispiel Serotonin-Rezeptoragonisten bei Verstopfung).5

Welche Lebensmittel führen zu vermehrten Darmgeräuschen?

Schwer verdauliche und blähende Lebensmittel stellen einen häufigen, wenn auch harmlosen, Auslöser für Darmgeräusche dar. Oft unverträgliche Speisen, die Darmgeräusche verursachen können, sind:

  • fette und geräucherte Fleisch-, Wurst- und Fischwaren
  • stark angebratene, geröstete oder frittierte Lebensmittel
  • fette Eierspeisen, Mayonnaise, hartgekochte Eier
  • vollfette Milchprodukte (zum Beispiel Sahneprodukte, vollfetter Käse)
  • fette Brühen und Soßen
  • große Mengen Streichfett
  • frisches Brot oder sehr grobes Vollkornbrot,
  • sehr fette Backwaren
  • schwer verdauliche oder blähende Gemüsesorten (viele Rosenkohl, Blumenkohl, Grünkohl)
  • unreifes Obst, Steinobst, Nüsse, Mandeln, Pistazien, Avocados
  • fette Süßigkeiten
  • Alkohol
  • kohlensäurehaltiges Mineralwasser sowie Limonaden und eisgekühlte Getränke
  • große Mengen an scharfen Gewürzen, Zwiebel- oder Knoblauchpulver.

Die Liste dient zur Orientierung! Die individuelle Verträglichkeit von Lebensmitteln ist entscheidend. Prüfen Sie daher, welche Lebensmittel Sie persönlich vertragen.

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Darmgeräusche – wie untersucht der Arzt?

Wenn weitere Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit oder Appetitlosigkeit zu Darmgeräuschen hinzukommen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Plötzlich auftretende Veränderungen der Darmgeräusche, die unabhängig von neuen Essgewohnheiten auftreten, können ebenso ein Signal sein und bedürfen eines Arztbesuchs.

Zur Abklärung der Ursache von auffälligen (beispielsweise länger andauernden) Darmgeräuschen hört der Arzt den Bauchraum mittels Stethoskop ab.

Aufgrund unterschiedlicher Geräuschintensitäten oder Tonlagen erhalten Mediziner beim Abhören mit dem Stethoskop erste Hinweise auf mögliche Ursachen. Hohe, metallisch klingende Töne oder zischende Geräusche zeigen eine verengte Stelle im Darm an, zum Beispiel bei einem mechanischen Ileus.

Hören Mediziner bei der Untersuchung mit dem Stethoskop keinerlei Darmgeräusche über mehrere Minuten, kann darauf geschlossen werden, dass die Darmperistaltik zum Erliegen gekommen ist, wie es bei einer Darmlähmung (paralytischer Ileus) vorkommt.

Darmverschluss und Darmlähmung sind medizinische Notfälle, die dringend behandelt gehören.

Neben dem Abhören ist zudem ein Abtasten des Bauchs und eine ausführliche Anamnese (Erfassung der Krankengeschichte und Symptomatik) im Gespräch hilfreich. Informieren Sie Ihren Arzt, wann und ob Sie nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel oder bei belastenden Situationen und Stress vermehrt Symptome aufweisen. Dies ist wichtig für die Diagnosestellung. Stress kann die Beschwerden verstärken.

Reichen diese einfachen Diagnosemethoden nicht aus, können auch weitere Untersuchungen, wie eine Darmspiegelung, angeordnet werden.

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Wie mindere ich Darmgeräusche?

Auch wenn sie selten gefährlich sind, empfinden viele Betroffene die Darmgeräusche als lästig und unangenehm. Insbesondere im Theater, bei Lesungen, Besprechungen, Entspannungskursen oder anderen Zusammenkünften mit vielen Menschen in Stille möchten wir vermeiden, dass andere unseren mitteilsamen Bauch hören.

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Manche Experten empfehlen zur Linderung der Darmgeräusche ein auf den ersten Blick ungewöhnliches Gegenmittel: Essen. Denn so ist der Verdauungstrakt gefüllt und kommt nicht auf die Idee, seinen Putztrupp mit den entsprechenden Geräuschen loszuschicken. Alternativ können Sie auch warmes Wasser oder Tee trinken, da Wärme die Verdauungsorgane beruhigt. Fencheltee wirkt doppelt: Die Inhaltsstoffe entspannen die Muskulatur im Darm und können so die Bewegungen im Verdauungstrakt bremsen, was die Darmgeräusche reduziert. Nach dem Prinzip „Wärme“ funktioniert zur Abhilfe ebenso eine Wärmflasche auf dem Bauch.

Nehmen Sie sich Zeit für die Mahlzeiten und zum Essen. Entspanntes Essen führt zu einer guten Verdauung.

Tipps für eine optimale Verdauung:

  • Essen Sie nur, wenn Sie hungrig sind, um Völlegefühl zu vermeiden.
  • Genießen Sie die Mahlzeiten in Ruhe.
  • Kauen Sie gut, denn das erleichtert dem Darm die Verdauungsarbeit.
  • Bevorzugen Sie mehrere kleine Mahlzeiten statt einer großen üppigen Mahlzeit.
  • Nehmen Sie gut temperierte (nicht zu heiße und nicht zu kalte) Speisen zu sich.
  • Garen Sie schonend und bevorzugen Sie hochwertige Öle (zum Beispiel Rapsöl, Olivenöl) beim Kochen.
  • Testen Sie Vollkorn fein gemahlen oder geschrotet, so wird er oft besser vertragen als in der Ganzkornvariante und ist gleichermaßen wertvoll.
  • Berücksichtigen Sie individuelle Unverträglichkeiten.

Bewegung regt die Darmaktivität an. Der Nahrungsbrei im Verdauungstrakt wird so leichter weiter transportiert, Luft und Gase können entweichen und dadurch Darmgeräusche gemindert werden. Nach einer kleinen Mahlzeit ist ein Spaziergang ideal. Sportlich anstrengende Aktivitäten sind erst nach einer mindestens einstündigen Ruhephase ratsam, damit Magen und Darm die notwendige Entspannung zum Verdauen finden.

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1 Flake, Frank/Runggaldier Klaus: Arbeitstechniken A-Z für den Rettungsdienst. München/Jena: Urban & Fischer Verlag 2011. S. 16.
2 Siegenthaler, Walter/Blum, Hubert Erich: Klinische Pathophysiologie. Stuttgart: Thieme 92006. S. 818.
3 Schmidt, Robert F./ Lang, Florian; Heckmann, Manfred: Physiologie des Menschen mit Pathophysiologie.
4 Deutsches Grünes Kreuz e.V.: Pressedienst: Wie entsteht Magenknurren? URL: https://dgk.de/presse/archivpressedienste/2004-jahrgang-45/dgk-jg-45-9-2004.html (23.04.2021).
5 Deutsche Apothekerzeitung: Serotonin-Rezeptoragonist Prucaloprid aktiviert den Darm. URL: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2010/daz-6-2010/serotonin-rezeptoragonist-prucaloprid-aktiviert-den-darm (26.04.2021).