Durchfall – Ein Symptom, viele Ursachen

Der Durchfall (Diarrhoe) gehört zu den zehn häufigsten Erkrankungen, die Allgemeinmediziner in ihrer Praxis sehen. Fast ein Drittel der Deutschen leidet mindestens einmal im Jahr darunter.1 Erfahren Sie jetzt mehr über Ursachen, Behandlung und Vorbeugung.

Ist das schon Durchfall?

Ein Mann sitzt wegen Durchfalls auf der Toilette fest.

Wer vom WC kaum noch herunter kommt, stellt sich diese Frage wohl kaum. Medizinisch ist die Diarrhö aber weiter definiert.

  • Als Durchfall gilt in Fachkreisen weicher bis flüssiger Stuhl, der mehr als 80 Prozent Wasser enthält.
  • Auch wer mehr als dreimal täglich Stuhlgang hat, hat nach medizinischem Konsens eine Diarrhö.
  • Statistiken erfassen außerdem, welche Menge an Stuhl pro Tag ausgeschieden wird. Sind es mehr als 200 Gramm, handelt es sich ebenfalls um Durchfall.

Diese drei Merkmale können auch beliebig kombiniert auftreten.2 Ob die Ursachen eher im Dünndarm oder im Dickdarm zu suchen sind, lässt sich ein wenig an der Beschaffenheit des Stuhls abschätzen. Eine sehr flüssige Konsistenz, Schaumbildung oder unverdaute Nahrungsreste weisen eher auf den Dünndarm hin. Liegt die Ursache dagegen wahrscheinlich im Dickdarm, kommt der Stuhl öfter, dafür in kleinen Mengen und mit aufgelagertem Blut oder Schleim. Sie haben dabei das Gefühl, ständig auf die Toilette zu müssen.

Den Ursachen von Durchfall auf die Schliche kommen

Eine Diarrhö kann zahlreiche Ursachen haben, besonders häufig liegt allerdings eine gestörte Bakterienflora vor. Durch Medikamente wie Antibiotika kann die Balance der natürlich im Darm vorkommenden Darmbakterien aus dem Gleichgewicht geraten. Eine häufige Folge: Durchfall.

Eine ausgeglichene Darmflora ist nämlich ein hervorragender Schutz gegen schädliche Keime. Unter anderem verhindert sie mit ausgeschiedenen Stoffen wie Schwefelwasserstoff oder Wasserstoffperoxid die Ansiedlung schädlicher Keime im Darm. Und von diesen gibt es in Deutschland schon eine respektable Anzahl. Auf Reisen kommen noch weitere hinzu. So werden Durchfälle beispielsweise ausgelöst von:

  • Noro- und Rotaviren
  • Salmonellen
  • EHEC (Enterohämorrhagischer Escherichia coli)
  • Campylobacter
  • Clostridium
  • Shigellen

Auch einzellige Parasiten wie Amöben, Giardien oder Kryptosporidien und Pilze können eine Diarrhoe verursachen. Einfach gemacht wird es schädlichen Keimen durch eine geschwächte Immunabwehr im Darm.

Neben diesem Ursachenkomplex sind noch zahlreiche weitere Faktoren für Durchfall verantwortlich. Ganz oben auf der Liste stehen Nahrungsmittelintoleranzen, seltener auch Nahrungsmittelallergien. Außerdem:

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  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen (zum Beispiel Morbus Crohn)
  • das Reizdarmsyndrom
  • psychische Faktoren wie Stress
  • Vergiftungen
  • übermäßiger Konsum künstlicher Süßstoffe
  • Entzündungen von Bauchspeicheldrüse oder Galle
  • Tumore

Da die Ursachen für Durchfall sehr vielfältig sein können, ist das Auffinden des tatsächlichen Auslösers oft nicht ganz einfach. Ihr Hausarzt steht Ihnen jedoch mit Sicherheit gerne beratend zur Seite.

Diagnose Durchfall: Ab drei Tagen zum Arzt

Die Behandlung von Durchfall richtet sich zum einen nach der Ursache, zum anderen kann aber auch symptomatisch behandelt werden. Wichtig ist deshalb, dass Sie einen Arzt aufsuchen, wenn Sie länger als drei Tage an Durchfall leiden. Kommen weitere Beschwerden wie

  • Fieber,
  • Blut im Stuhl oder
  • ein schlechtes Allgemeinbefinden hinzu, ist ein sofortiger Arztbesuch angeraten.

Der Mediziner befragt Sie nach der Ausprägung des Durchfalls, eingenommenen Medikamenten oder nach Auslandsreisen. Legt eine erste Anamnese nicht die Infektion mit Noroviren nahe, lässt er eventuell noch eine Stuhlprobe untersuchen, um Durchfallkeime zu finden. Auch mit einer Darmspiegelung, der sogenannten Koloskopie, oder mit Röntgenaufnahmen wird mitunter die Ursache einer Diarrhö ermittelt. Stehen Nahrungsmittel im Verdacht, den Durchfall auszulösen, kann der Arzt eine Diät anordnen.

Diarrhoe behandeln: Hausmittel bei Durchfall

Akute Durchfälle werden meist nur symptomatisch behandelt. Am wichtigsten ist es, die Verluste an Elektrolyten und Wasser auszugleichen. Die eigentliche Ursache – oft ein Ungleichgewicht der Darmflora oder ein Virus – heilt in der Regel von selbst ab.

Unterstützen können Sie einen angeschlagenen Darm, indem Sie seine natürliche Bakterienschicht schützen. Probiotika und spezielle Präparate mit Bakterienkulturen sollen der Darmflora wieder auf die Sprünge helfen. Ergänzend können Hausmittel wie ein milder, geriebener Apfel, Möhrensuppe, Schwarz- und Kräutertees dem Darm guttun.

Wussten Sie schon, dass Cola und Salzstangen keine probaten Hausmittel bei Durchfall sind?
Der Körper verliert bei Diarrhö vor allem Kalium. Salzstangen liefern dagegen Natrium. Das Defizit in den Elektrolyten bleibt also erhalten. Der Zucker der Cola kann Durchfall sogar noch verstärken. Besser sind kaliumreiche Bananen und schwarzer Tee.

Schafft der Körper es nicht alleine, den Durchfall zu besiegen, oder reicht eine symptomatische Behandlung nicht aus, wird die Ursache behandelt. Je nach Diagnose kann das zum Beispiel eine spezielle Diät sein, um unverträgliche Lebensmittel zu meiden, oder die Behandlung von Entzündungen oder anderen Auslösern.

Durchfall vorbeugen – den Darm stärken

Wer seinem Darm etwas Gutes tun will, kann das vor allem mit einer gesunden, abwechslungsreichen und möglichst frischen Ernährung tun. Viel Obst und Gemüse, Vollkorn und mageres Fleisch und Fisch statt Fertiggerichte und fettige, schwere Speisen helfen dem Darm, in Balance zu bleiben.

Wer Antibiotika verschrieben bekommt, kann die angegriffene Darmflora unterstützen, indem er Probiotika zu sich nimmt, um dem Bakterienteppich Nachschub für entstandene Lücken zu liefern. So bleibt die Abwehr im Darm gestärkt und das Risiko für Durchfall sinkt.

1 Ärzteblatt: Leitsymptom Diarrhö. URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/50066/Zertifizierte-medizinische-Fortbildung-Leitsymptom-Diarrhoe (07.02.2018).
2 Ebd.