Verstopfung – wenn der Stuhlgang stoppt

Verstopfungen können Menschen jeden Alters und Geschlechts betreffen und die Bandbreite zieht sich von harmlosen bis hin zu schweren Leiden. Doch welche Symptome bei Verstopfung gibt es genau und was ist eine chronische Verstopfung? Hier finden Sie neben den Antworten auf diese Fragen auch einen Überblick, welche Schmerzen eine Verstopfung auslöst.

Frau sitzt auf der Toilette und leidet unter Verstopfung.

Was sind die Symptome bei einer Verstopfung

Eine Verstopfung, auch Obstipation genannt, liegt dann vor, wenn die Darmentleerung über Monate hinweg unter dreimal wöchentlich liegt.1 Dabei handelt es sich nicht um eine eigentliche Krankheit, sondern um ein Symptom. Merkmale einer Verstopfung sind ein starkes Pressen beim Toilettengang, Appetitlosigkeit und Völlegefühl. Zudem leiden viele Betroffene auch unter Blähungen. Die Schmerzen bei einer Verstopfung sind nicht zu verachten. Viele Leidtragende erdulden starke, teils krampfartige Bauchschmerzen. Nach endlich erfolgter Abgabe des Stuhls, besteht oft ein Gefühl der unvollständigen Darmausscheidung.

Obstipation: Definition

Der Begriff Obstipation steht für Darmträgheit und Verstopfung. Das Hauptaugenmerk zur Feststellung einer Verstopfung liegt einerseits auf der Stuhlfrequenz – also der Häufigkeit des Toilettengangs. Schon bei gesunden Menschen existieren große Schwankungen. Verschiedene Umstände, wie Ernährungsumstellung, psychische Befindlichkeiten, Änderungen der sportlichen Aktivität oder Medikamenteneinnahme wirken auf die Verdauung ein.

Andererseits ist die Stuhlbeschaffenheit ausschlaggebend. Allgemein beruht die Obstipation auf einer verlangsamten Darmpassage – also, wenn der Weg der Nahrung durch den Darm schleppend verläuft. Die längere Verweildauer führt zu einer Verminderung des Wassergehalts im Stuhl, wodurch dieser härter wird und zur Verstopfung führt.

Verschiedene Arten der Verstopfung

Es gibt mehrere Verstopfungsarten. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Formen: akute Verstopfung (akute Obstipation) und chronische Verstopfung (chronische Obstipation). Die akute Obstipation tritt kurzzeitig auf. Wenn der Zustand über einen längeren Zeitraum anhält, wird er als chronische Opstipation bezeichnet.

Häufig entstehen die Darmbeschwerden durch zu wenig Bewegung, Flüssigkeitsmangel und einer Fehlernährung (ballaststoffarmes Essen) oder werden dadurch gefördert. Darüber hinaus sind jedoch noch weitere Ursachen zu nennen.

Akute Verstopfung

Eine akute Obstipation wird durch verschiedene Faktoren verursacht — die typischsten sind hier aufgezählt:

  • plötzliche Veränderung der Lebensumstände und Ernährungsgewohnheiten (zum Beispiel eine Urlaubsreise)
  • akute mechanische Behinderung der Darmpassage (beispielsweise durch Gewebewucherungen)
  • Peritonitis (Bauchfellentzündung)

Wenn eine Verstopfung aus unerklärlichen Gründen vorkommt, also nicht durch beispielsweise eine Änderung der Essgewohnheiten im Urlaub, sollten Sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Chronische Verstopfung

Unter chronischer Verstopfung leiden 8.000.000 Menschen in Deutschland.2 Es betrifft also einen erheblichen Teil der Bevölkerung und die Ursachen, die zur Verstopfung führen sind sehr variabel. Während der Schwangerschaft kann es beispielsweise vermehrt zu Verstopfungen kommen oder bei dem sogenannten Reizdarmsyndrom. Aber natürlich gibt es noch etliche andere Gründe:

Organische Ursachen:

  • Morbus Crohn (eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung)
  • Briden (Verwachsungen/Verklebungen in der Bauchhöhle)
  • Kolonstrikturen (narbige Verengungen im Dickdarm)
  • Karzinom (bösartige Geschwulst; Tumor)

Funktionsstörung des Kolons (Dickdarms) bei anderen Grunderkrankungen:

  • endokrine und Stoffwechselerkrankungen, wie Polypen und Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
  • neurologische Erkrankungen, wie Rückenmarkserkrankungen

Egal, um welche Form der Verstopfung es sich handelt: Ein Arztbesuch ist ratsam, um schlimmere Erkrankungen auszuschließen.

Was tun bei Verstopfung?

Bei Nichtbehandlung kann es zu Komplikationen wie Darmverschluss und Darmrissen kommen, welche lebensgefährlich sind. Dies ist ein Notfall und muss umgehend durch einen Mediziner behandelt werden. Insbesondere wenn noch weitere Begleiterscheinungen, wie Blut im Stuhl oder Erbrechen dazukommen. Wenn die Gründe für eine Verstopfung in der Ernährung oder etwas anderem harmlosen liegen, können Hausmittel und einfache Tricks helfen.

Hausmittel und Vorbeugung bei Verstopfung

Ein bewährtes Hausmittel, welches bei einer Verstopfung helfen kann, sind feuchtwarme Bauchwickel. Diese beruhigen und fördern mitunter die Darmtätigkeit. Außerdem muss dem Körper genügend Flüssigkeit zugeführt werden. Im Idealfall mindestens eineinhalb Liter täglich.3 Zusätzlich kann eine Bauchmassage wohltuend sein.

Allgemein unterstützt Bewegung die Darmfunktion, weshalb Sie auf regelmäßige Aktivität achten sollten. Nahrungsmittel, die bekanntermaßen die Verdauung abführend beeinflussen, sind unter anderem: Feigen, Pflaumen, Sauerkraut Vollkornprodukte.

Medikamentöse Behandlung bei Verstopfung

Wenn die Verstopfung und deren Symptome nicht durch die oben genannten Methoden besser werden, sollten Betroffene nach Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker eine medikamentöse Behandlung in Betracht ziehen. Da aber nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Babys an Verstopfungen leiden, muss darauf geachtet werden, ab welchem Alter die Arzneimittel zugelassen sind. Zäpfchen oder Klysmen (Einläufe) eignen sich für diese junge Patientengruppe am besten, da sie so keine Tabletten schlucken müssen Um die richtige Darreichung und Dosierung zu finden, ist besonders bei Kleinkindern ein Arztbesuch vor der Medikamenteneinnahme empfehlenswert.

Es gibt eine ganze Reihe an Abführmitteln, auch Laxanzien genannt, die oftmals wirkungsvoll gegen Verstopfung sind. Meistens reicht eine begrenzte Einnahmedauer aus. Von einer Dosierung über einen längeren Zeitraum ist ohne ärztlichen Rat abzusehen, da Abführmittel dem Körper wichtige Mineralstoffe wie Kalium entziehen können. Bei gewissen Krankheitsursachen der Verstopfung, wie beispielsweise eine Verengung im Darm, sind Abführmittel tabu, da in diesem Fall sogar ein lebensgefährlicher Darmverschluss möglich ist. Am besten einfach zum Arzt gehen, um alle Eventualitäten abzuklären und sich ein passendes Medikament verschreiben lassen.

1Flemmer, Andrea: Magen- und Darmerkrankungen natürlich behandeln. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. 2011. S. 99.
2Schulte, Adrian: Alles Scheiße? – Wenn der Darm zum Problem wird. München: Scorpio Verlag GmbH & Co. KG
32016. S. 124.
4Hartmann, Lieselotte: Beratungskompetenz Magen und Darm in der Apotheke. Heidelberg: Springer-Verlag GmbH 2012. S. 124.