Die Aufgaben und der Aufbau der Darmflora

„Flora und Fauna“ – eigentlich Begriffe aus der Biologie, welche die Pflanzen und Tierwelt eines Erdteils beschreiben. Wir alle haben in unserem Darm jedoch eine ebenso artenreiche Welt an Mikroorganismen, die gemeinsam die Darmflora bilden. Die Darmflora sorgt unter anderem für die Abwehr von Krankheitserregern und ist daher für das Immunsystem von großer Bedeutung.

Was ist die Darmflora?

Eine gesunde Ernährung mit Obst, Gemüse und Ballaststoffen unterstützt den gesunden Aufbau der Darmflora

Die Darmflora umfasst alle Mikroorganismen, die im Dünn- und Dickdarm leben. Einige Forscher verwenden den Begriff der Darmflora synonym zu den Darmbakterien, da diese den größten Anteil an der Darmflora bilden. Andere Wissenschaftler beziehen noch Pilze und andere Kleinstlebewesen mit ein.1

Die Tatsache, dass unser Darm von 100 Billionen Darmbakterien besiedelt ist,2 ist jedoch keineswegs eklig oder gesundheitsschädigend. Im Gegenteil: Ohne eine intakte Darmflora wären wir regelmäßig krank und auch die normalen Abläufe der Verdauung wären gestört.

Mikroorganismen – derzeit heiß diskutiert
Wie sich die kleinen Helfer zusammensetzen, wo sie leben und woher sie stammen, wird unter Forschern derzeit heiß diskutiert. Seit einigen Jahren sprechen Wissenschaftler daher statt von Darmflora auch genauer von der intestinalen Mikrobiota. Damit sind alle Mikroorganismen gemeint, die auf gesundem Darmgewebe leben. Der Begriff Darmflora ist auch deshalb umstritten, weil Bakterien und Pilze nicht zum Pflanzenreich („flora“) gehören.

Fakten zu Zusammensetzung und Aufbau der Darmflora

Sitz der Darmflora ist die Darmschleimhaut, also das Gewebe im Darm, welches unter anderem für die Aufnahme der Nährstoffe aus der Nahrung in unseren Körper verantwortlich ist. Die meisten Darmbakterien befinden sich im Dickdarm. Die Zusammensetzung und der Aufbau der Darmflora sind wissenschaftlich noch nicht vollständig untersucht. Dies liegt unter anderem daran, dass sich viele Bakterien zwar mittels einer Stuhlprobe entnehmen, jedoch nicht so einfach anzüchten und bestimmen lassen.

Die Erkenntnisse zur Darmflora wachsen allerdings von Tag zu Tag. Diese Fakten zum Aufbau der Darmflora gelten beispielsweise als gesichert:

  • Die Darm-Mikrobiota setzt sich zu circa einem Drittel individuell zusammen.3 Sie ist damit zwar nicht ganz so verschieden wie ein Fingerabdruck, variiert aber stark von Mensch zu Mensch.
  • „Klassiker“ unter den Darmbakterien sind Laktobazillen, Enterokokken und Bifidobakterien.
Wenn Sie mehr zu den „guten“ und „schlechten“ Mikroorganismen im Darm lesen möchten, klicken Sie auf unseren Beitrag zu den Darmbakterien.

Was leistet die Darmflora?

Grund für die unermüdliche Forschung rund um das Thema Darmflora sind die zahlreichen positiven Effekte, die ihr zugeschrieben werden. Die Darmflora ist einer der wichtigsten Bestandteile des Immunsystems. Ihre Wirkung für das Immunsystem im Überblick:

  • Sie schützt den Körper vor Krankheitserregern, die wir mit der Nahrung aufnehmen. Dies schafft die Darmflora unter anderem dadurch, dass sie mit der Darmschleimhaut eine Barriere gegen Keime bildet. So gelangen weniger Krankheitserreger in unseren Körper, die beispielsweise Durchfall und andere Beschwerden auslösen könnten.
  • Sie trainiert das darmassoziierte Immunsystem. Die Mikroorganismen der Darmflora stehen in ständigem Austausch mit speziellen Zellen des Immunsystems, die in der Darmschleimhaut leben. Dadurch fällt es den Immunzellen im Darm leichter, zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien zu unterscheiden.

Die Darmflora ist somit nicht nur Leibwächter der Darmgesundheit, sondern spielt auch eine wichtige Rolle bei der Ausbildung und Entwicklung des Immunsystems. Dies ist der Grund dafür, wieso eine gesunde Darmflora insbesondere bei der Vorsorge und Behandlung von Erkrankungen des Immunsystems bedeutsam ist. Ein Beispiel wäre die Neurodermitis, die durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems entsteht. Einige Mikrobiota-Forscher gehen daher davon aus, dass die Zufuhr nützlicher Darmbakterien das Auftreten und die Symptome derartiger Erkrankungen reduziert.

Interessant: Unverzichtbar ist die Darmflora auch für eine reibungslose Verdauung. Die Mikroorganismen zerkleinern unverdauliche Nahrungsbestandteile, die in Magen und Dünndarm bislang nicht verwertet werden konnten.

Wie die Darmflora beeinflusst werden kann

Im Idealfall bilden Darmbakterien und Mensch eine Gemeinschaft zu beider Nutzen: Die Darmbakterien finden Lebensraum und Nahrung, der Mensch profitiert durch die Abwehrfunktion der Mikroorganismen. Wissenschaftler bezeichnen die nützlichen Kleinstlebewesen im Darm daher oft auch als Darmsymbionten.

Bestimmte Einflüsse können das Gleichgewicht dieser Beziehung jedoch durcheinanderbringen. Als Störfaktoren der Darmflora identifizierten Wissenschaftler bisher beispielsweise

  • ungesunde Essgewohnheiten mit wenig Ballaststoffen,
  • Stress,
  • Umweltgifte und
  • bestimmte Medikamente (wie Antibiotika).4

Die genannten Punkte können zu Abweichungen in der gewohnten Balance der Darmbakterien führen (Dysbiose). Eine Rolle spielt hierbei zum Beispiel, dass Stress die Darmbewegungen durcheinanderbringen kann. Die Muskeln, welche den Nahrungsbrei durch unser Verdauungsorgan transportieren, ziehen sich bei Stress entweder zu stark oder zu schwach zusammen. Durch diese Fehlfunktion kann es passieren, dass sich krankmachende Bakterien aus dem Dickdarm im Dünndarm ansiedeln.

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Medikamente unterscheiden zudem oft nicht zwischen „guten“ und „krankmachenden“ Darmbakterien und sollten daher nur im Notfall eingenommen werden. Die Frage, inwiefern die Ernährung die Darmflora ungünstig beeinflusst, kann folgendermaßen beantwortet werden: Leicht verdauliche Nahrungsmittel werden normalerweise schon im Dünndarm zerlegt und resorbiert und schaffen es daher gar nicht erst bis in den Dickdarm. Ist die Nahrung allerdings stark zuckerhaltig, gelangt auch Zucker in den Dickdarm, wo er die Darmbakterien mit zusätzlicher Nahrung versorgt und damit eine unverhältnismäßige Ausbreitung verursachen kann. Eine ungesunde Ernährung gilt daher als Feind einer intakten Darmflora.

Auch bei der Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa könnte eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora eine Rolle spielen. Bisher ist jedoch noch ungeklärt, ob das Ungleichgewicht der Darmbakterien für die Krankheit verantwortlich ist oder ob die Darmentzündung zur Störung der intestinalen Mikrobiota führt.5

Um die Darmflora wieder zurück ins Gleichgewicht zu bringen, hilft eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen. Auch über die Einnahme gesunder Darmbakterien können gute Erfolge erzielt werden.

 

1 Spektrum der Wissenschaft: Lexikon der Biologie. URL: http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/darmflora/16824 (01.02.18)
2 Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH (HZI): Zweiter Teil der HZI-Vortragsreihe „KrankheitsErregend“ mit Expeditionen ins Immunsystem am 18. November. URL: https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/unser_immunsystem_und_die_darmflora/ (01.02.18).
3 Darmmikrobiota – Was ist das? Ein Ratgeber der Deutschen Gesellschaft für Mukosale Immunologie und Mikrobiom e.V. URL: http://www.dgmim.de/fileadmin/CONTENT/DGMIM_Flyer_Darmmikrobiota.pdf(02.02.18).
4 Darmmikrobiota – Was ist das? Ein Ratgeber der Deutschen Gesellschaft für Mukosale Immunologie und Mikrobiom e.V. URL: http://www.dgmim.de/fileadmin/CONTENT/DGMIM_Flyer_Darmmikrobiota.pdf (08.02.18)
5 Allgemeinarzt online: Darm und Immunsystem: Abwehr aus dem Bauch heraus. URL: https://www.allgemeinarzt-online.de/a/abwehr-aus-dem-bauch-heraus-1574780 (08.02.18).