Blinddarm-OP: Das sollten Sie wissen

Eine akute Blinddarmentzündung bedarf einer schnellen Therapie. Doch welche Möglichkeiten gibt es, um den Blinddarm zu entfernen? Kann eine Blinddarm-OP auch ambulant durchgeführt werden? Die Antworten auf diese Fragen und was Patienten bei einer Blinddarm-OP in Bezug auf Krankschreibung und Nachsorge wissen sollten, lesen Sie hier.

Blinddarm entfernen: OP-Methoden im Überblick

Arzt klärt Patienten über die Behandlung einer Blinddarmentzündung auf

In leichten Fällen kann es sein, dass der Mediziner dem Patienten zunächst Antibiotika verschreibt und den Krankheitsverlauf beobachtet. Meistens muss eine akute Blinddarmentzündung aber innerhalb der nächsten Stunden operiert werden, um mögliche Komplikation zu vermeiden. Chirurgen führen dabei entweder eine offene Appendektomie oder eine Laparoskopie des Blinddarms durch.

Offene Appendektomie

Bei einer offenen Appendektomie handelt es sich um eine klassische Blinddarm-OP. Der Operateur setzt einen etwa sechs Zentimeter langen Schnitt am Unterbauch, um diesen zu öffnen.1 Dabei muss er mehrere Muskel- und Gewebeschichten durchtrennen. Den entzündeten Wurmfortsatz entfernt der Mediziner direkt am Übergang zum Dickdarm. Übrig bleibt dann nur noch ein kleiner Rest des Wurmfortsatzes, der mit einem Faden abgebunden wird. Zum Schluss des Eingriffes näht der Facharzt die Bauchdecke wieder zusammen.

Blinddarm-Laparoskopie

Bei einer Laparoskopie des Blinddarms öffnet der Operateur die Bauchdecke nicht direkt. Er setzt lediglich drei kleine Schnitte am Nabel und am Unterbauch2. Durch diese führt der Mediziner dann eine kleine Kamera (Laparoskop) und die Operationsinstrumente ein. Über das Kamerabild erhält der Arzt einen direkten Blick auf den entzündeten Wurmfortsatz. Diesen entfernt er bei einer Blinddarm-Laparoskopie entweder mit Hilfe eines Klammernahtgerätes oder einer speziellen, resorbierbaren Schlinge, deren Faden sich im Gewebe zersetzt. Die kleinen Wunden werden mit selbstauflösenden Fäden verschlossen. Die Laparoskopie des Blinddarms hat größtenteils die offene Appendektomie abgelöst, da sie ihr gegenüber verschiedene Vorteile mit sich bringt. Dazu gehören:

  • geringe Wahrscheinlichkeit der Wundinfektion
  • geringere Schmerzen nach Entfernen des Blinddarms
  • kaum sichtbare Narbenbildung
  • häufig kürzerer Krankenhausaufenthalt
  • unkompliziertere Nachsorge

Obwohl diese Punkte für eine Laparoskopie des Blinddarms sprechen, muss der Mediziner immer im Einzelfall entscheiden, welche Methode der Blinddarm-OP sich für den Patienten am besten eignet. Bei einer Appendizitis in der Schwangerschaft ist zum Beispiel meist die offene Appendektomie das Mittel der Wahl, da hierbei das Risiko einer Frühgeburt etwas geringer ist.

Ist eine Blinddarm-OP ambulant möglich?

Vor allem in den USA werden Blinddarm-OPs oft ambulant durchgeführt. Der Vorteil für den Patienten dabei: Er darf schon wenige Stunden nach dem Eingriff das Krankenhaus verlassen und sich Zuhause erholen. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile in manchen Kliniken die Möglichkeit, den entzündeten Wurmfortsatz bei einer Blinddarm-OP ambulant entfernen zu lassen. Diese Art der Behandlung ist ausschließlich für gesundheitlich stabile Patienten geeignet, bei denen keine Komplikation vorliegen und für die eine Laparoskopie als OP-Methode gewählt wurde.

Risiken einer Blinddarm-OP

Eine Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes gilt in Deutschland als Routineeingriff mit geringem Risiko für den Patienten. Wie bei jeder Operation im Bauchraum kann es bei einer Blinddarm-OP in seltenen Fällen aber zur Beschädigung von anderen Organen kommen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass folgende Komplikationen auftreten:

  • Blutungen
  • Infektionen der Wunde
  • Vernarbungen des Gewebes (die eventuell den Stuhl blockieren und zu einem Darmverschluss führen können)
  • Abszessbildungen (Eiteransammlungen) im Bauch

Manchmal stellt sich erst während eines chirurgischen Eingriffs heraus, dass tatsächlich keine Appendizitis vorliegt. In diesem Fall muss der Arzt eine andere Ursache für die Symptome suchen.

Blinddarm-OP: Nachsorge und Krankschreibung

Die Aufnahme von flüssigen Nahrungsmitteln (zum Beispiel Suppen) ist schon kurze Zeit, nachdem der Blinddarm entfernt wurde, möglich. In den Folgetagen können Betroffene langsam wieder normale Kost zu sich nehmen. Bei erfolgreicher Blinddarm-OP dürfen Patienten meist innerhalb kurzer Zeit wie gewohnt Duschen. Auf ein Bad (in der Badewanne oder im Schwimmbad) sollten Sie jedoch noch für zwei Wochen verzichten. Experten empfehlen darüber hinaus, bei einer offenen Appendektomie die ersten vier Wochen und bei einer Laparoskopie des Blinddarms die ersten zwei Wochen danach keine schweren Gegenstände mit einem Gewicht von über zehn Kilogramm zu heben.3 Beim schweren Tragen spannt der Betroffene die Bauchdecke stark an, wodurch die Wunden aufreißen könnten.

Auch was sportliche Betätigung angeht, müssen Patienten, wenn ihr Blinddarm entfernt wurde, etwas Geduld haben. Leichtere Sportarten (wie Wandern oder Walken) können bei einer Blinddarm-Laparoskopie ab zwei Wochen und bei einer offenen Appendektomie ab drei Wochen nach der Operation ausgeführt werden.3 Wann Sie als Patient wieder voll körperlich belastbar sind, entscheidet der behandelnde Arzt. Sie sollten ab dem Zeitpunkt der Blinddarm-OP etwa drei Monate warten, bis Sie Ihren Bauch direkter UV-Einstrahlung aussetzen, da dies die Narbenbildung negativ beeinflussen kann. Die Schmerzen, ausgelöst durch das Entfernen des Blinddarms, sollten spätestens nach drei Wochen vollständig abgeklungen sein.3 Geschieht das nicht, ist es ratsam, den Arzt aufzusuchen.

Blinddarm-OP – die Krankschreibung

Abhängig vom Grad der Entzündung und der OP-Methode bleiben Patienten nach dem Eingriff in der Regel für zwei bis fünf Tage im Krankenhaus.4 Die gesamte Dauer der Krankschreibung bei einer Blinddarm-OP variiert stark, da der Verlauf und die körperlichen Anstrengung, welcher der Patient im Beruf ausgesetzt ist, häufig sehr unterschiedlich sind. So kann es zum Beispiel nach einer klassischen, offenen Blinddarm-OP passieren, dass ein Patient eine Krankschreibung von insgesamt vier Wochen erhält, wenn seine Arbeit körperliche Belastbarkeit voraussetzt.1


1Chirurgie Portal: Wie lange beträgt die Heilungsdauer bei einer Blinddarm-OP mittels Bauchspiegelung? URL: https://www.chirurgie-portal.de/allgemeinchirurgie/untersuchung-bauchorgane/heilungsdauer-blinddarm-op-bauchspiegelung.html (05.12.2018).
2Landesärztekammer Hessen: Akute Appendizitis: Moderne Diagnostik und Therapie. URL: https://www.laekh.de/images/Hessisches_Aerzteblatt/2016/01_2016/CME_Beitrag_Akute_Appendizitis_01_2016.pdf (05.12.2018).
3Krankenhaus Martha-Maria Nürnberg: Merkblatt Blinddarm. URL: https://www.martha-maria.de/fileadmin/MP_KH_NUE_Chirurgie/PDF/Merkblatt_Blinddarm.pdf (03.12.2018).
4Klinik Hallerwiese / Cnopfsche Kinderklinik: Die Blinddarm-OP bei Blinddarmentzündung (Appendizitis). URL: https://www.klinik-hallerwiese.de/de/klinik-hallerwiese/allgemein-und viszeralchirurgie/operationsspektrum/blinddarm-op.html#!Aufenthaltsdauer (03.12.2018).