Diagnose Blinddarmentzündung: Selbsttest, Druckpunkte und Co.

Eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) tritt jährlich bei etwa 100 von 100.000 Menschen auf.1 Doch gibt es die Möglichkeit, den Verdacht auf Blinddarmentzündung durch einen Selbsttest einzugrenzen? Und wie geht der Arzt bei der Diagnose vor? Was bedeuten McBurney-Punkt und Blumberg-Zeichen? Lesen Sie hier die Antworten dazu.

Lage des Blinddarms – rechts oder links?

Arzt bewegt Bein einer Frau zur Brust, da so die Diagnose Blinddarmentzündung gestellt werden kann

Genau genommen ist der Begriff Blinddarmentzündung nicht ganz korrekt, denn er beschreibt nicht eine Entzündung des Blinddarms, sondern vielmehr die Entzündung des daran hängenden Wurmfortsatzes. Oft sind Patienten unsicher, ob rechts oder links auftretende Schmerzen im Bauchraum auf eine Entzündung des Blinddarms hinweisen. Der Blinddarm und somit auch der Wurmfortsatz sind Teil des Dickdarms. Sie liegen (aus Sicht des Patienten) im rechten Unterbauch am Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm. Daher sind rechtsseitige Bauchschmerzen typisch für eine Appendizitis. Nur in seltenen Fällen strahlen die Schmerzen in die linke Seite.

Selbsttest gibt bei Blinddarmentzündung erste Hinweise

Sind Ihre Bauchschmerzen das Anzeichen einer Appendizitis oder liegt doch nur eine kurzzeitige Magenverstimmung vor? Um den Verdacht auf Blinddarmentzündung zu bestärken, kann ein kurzer Selbsttest helfen. Legen Sie sich dafür auf den Rücken. Ziehen Sie dann das rechte Knie in Richtung Kinn. Nimmt der Schmerz dabei zu, ist das ein Hinweis auf eine Blinddarmentzündung. Beim Selbsttest sollten Sie außerdem ein paar Schritte gehen und für einen Moment auf und ab hüpfen. Ein entzündeter Blinddarm reagiert häufig empfindlich bei Erschütterung. Zwar liefern die Ergebnisse aus dem beschriebenen Selbsttest bei einer Blinddarmentzündung erste Anhaltspunkte, eine gründliche Diagnose durch einen Arzt ersetzen sie jedoch nicht.

Wann zum Arzt?

Treten sehr starke Bauchschmerzen auf, kommen diese in Kombination mit Erbrechen und Fieber vor oder weist ein Selbsttest auf eine Blinddarmentzündung hin, ist es ratsam, möglichst bald einen Mediziner aufzusuchen. Der Hausarzt ist ein guter erster Ansprechpartner. Er ordnet die Symptome sowie deren Schweregrad ein und verweist gegebenenfalls an ein Krankenhaus.

Die Diagnose beim Arzt mit McBurney-Punkt und Blumberg-Zeichen

Vermutet er eine Blinddarmentzündung, tastet der Arzt den Bauch vorsichtig ab und testet dabei spezielle Druckpunkte. Diese Stellen sind bei einer Entzündung des Blinddarms besonders empfindlich und können daher Aufschluss über eine Appendizitis geben.

Der McBurney-Punkt

Die Stelle in der Mitte der Verbindungslinie zwischen dem rechten Hüftknochen und dem Bauchnabel bezeichnen Experten als McBurney-Punkt. Benannt wurde er nach dem amerikanischen Chirurgen Charles McBurney. Liegt eine Appendizitis vor, tritt beim Drücken auf den Punkt typischerweise ein unangenehmer, stechender Schmerz auf. Damit der Arzt den McBurney-Punkt ertasten kann, legt sich der Patient am besten auf den Rücken, sodass die Hüftknochen möglichst deutlich heraustreten. Das erleichtert dem Mediziner die Vorstellung der Verbindungslinie.

Das Blumberg-Zeichen

Der Blumberg-Punkt oder das Blumberg-Zeichen (benannt nach dem deutschen Chirurgen Moritz Blumberg) wird von Medizinern verwendet, wenn sie den sogenannten Loslass-Schmerz provozieren möchten. Dabei legen sie die flachen Hände auf den linken Unterbauch und üben dann für einige Sekunden einen für den Betroffenen erträglichen Druck aus. Nimmt der Arzt die Hände weg, verspürt der Patient im Fall einer Appendizitis auf der gegenüberliegenden, rechten Seite einen starken Schmerz. Grund dafür ist, dass der Darm bei der geänderten Druckausübung im Rahmen des Blumberg-Zeichens seine Lage verändert, was zu einer Reizung des entzündeten Wurmfortsatzes führt. Tritt beim Loslassen kein Schmerz auf, kann eine Blinddarmentzündung nur deswegen aber noch nicht ausgeschlossen werden.

Weitere Druckpunkte und Diagnosemöglichkeiten

McBurney-Punkt und Blumberg-Zeichen sind nicht die einzigen Möglichkeiten für den Arzt, um Rückschlüsse auf eine Blinddarmentzündung zu ziehen. Folgende weitere Anhaltspunkte gibt es:

  • Lanz-Punkt: schmerzempfindliche Stelle im rechten Drittel der Verbindungslinie zwischen beiden Hüftknochen
  • Douglas-Schmerz: bei Blinddarmentzündung auslösbarer Schmerz während einer digital-rektalen Untersuchung (das Rektum wird mit dem Finger abgetastet)
  • Rovsing-Zeichen: Schmerz im rechten Unterbauch, der bei einer Massage gegen den Uhrzeigersinn im Bereich des Dickdarms entsteht
  • Psoas-Zeichen: auftretender Schmerz bei einer Blinddarmentzündung, wenn das rechte Bein bei Beugung Widerstand beziehungsweise Kraft ausüben muss

Neben dem Abtasten kann der Mediziner auch eine Blutuntersuchung anordnen. Dabei wird die Anzahl der weißen Blutkörperchen betrachtet. Ist diese erhöht, weist das auf eine Entzündungsreaktion im Körper hin. Zudem besteht die Möglichkeit, dass der Arzt die Körpertemperatur misst. Häufig kommt es bei einer Blinddarmentzündung zu einem Temperaturunterschied von einem Grad Celsius zwischen Achselhöhle und After. Ausschlaggebend für die weitere Behandlung ist zudem meist ein Ultraschallbild, auf dem der Wurmfortsatz abgebildet wird.

Differentialdiagnose bei Blinddarmentzündung

Übelkeit, Verstopfung, und rechts oder links auftretende Schmerzen im Bauchraum können neben einer Entzündung des Blinddarms auch auf viele andere Krankheiten hindeuten. Um die Diagnose Blinddarmentzündung zu bestätigen, gilt es daher unter anderem, folgende Erkrankungen auszuschließen:

  • Morbus Crohn (chronische Entzündung des Darms)
  • Magen-Darm-Entzündung (umgangssprachlich Magen-Darm-Grippe)
  • Divertikulitis (Entzündung kleiner Ausstülpungen im Darm)
  • Harnwegsinfektion

Vor allem bei Frauen kommt es oft zu Fehldiagnosen, da die Symptome einer Blinddarmentzündung auch auf viele gynäkologische Auslöser (zum Beispiel Eileiterentzündung oder Eileiterschwangerschaft) hinweisen können. Im Zweifel sollten Sie hier einen Facharzt aufsuchen.

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Lange Zeit galt der bei einer Appendizitis entzündete Wurmfortsatz als nutzlos. Heute gehen Experten aber davon aus, dass der Darmanhang einen wichtigen Beitrag zur Immunabwehr leistet. In dem kurzen Übergang zwischen Blinddarm und Wurmfortsatz können allerdings Fremdkörper oder Kotreste hängen bleiben und ihn verstopfen. Diese kann wiederum eine Entzündung auslösen. Typische Symptome sind dann:

Wird eine Appendizitis erkannt, entfernt der behandelnde Arzt den entzündeten Wurmfortsatz meist bei einer Operation. In seltenen Fällen reicht eine Therapie mit Antibiotika aus. Bleibt eine Blinddarmentzündung länger unbehandelt, führt dies im schlimmsten Fall zu einem lebensgefährlichen Darmdurchbruch. Dabei reißt der Darm auf – Bakterien und Kot gelangen ungehindert in den Bauchraum. Daher ist es wichtig, die Symptome einer Blinddarmentzündung frühzeitig zu erkennen.

1Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.: Blinddarm und Blinddarmentzündung. URL: https://www.gastro-liga.de/download/blinddarm-0907-web.pdf (30.11.2018).
2Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.: Blinddarm und Blinddarmentzündung. URL: https://www.gastro-liga.de/download/blinddarm-0907-web.pdf (30.11.2018).