Wie eine Blinddarmentzündung entsteht: Ursachen und Verlauf

Starke Bauchschmerzen, Erbrechen und Fieber sind typische Anzeichen einer Blinddarmentzündung. Doch wie entsteht diese überhaupt? Und was passiert, wenn der Blinddarm geplatzt ist? Lesen Sie hier, welche Ursachen es für eine Blinddarmentzündung gibt und wann es im Verlauf zu einem gefährlichen Blinddarmdurchbruch kommt.

Ursachen – wie entsteht eine Blinddarmentzündung?

Junge Frau hält sich vor Schmerzen den Bauch wegen einer Blinddarmentzündung

Eine Appendizitis entwickelt sich meist, wenn der kurze Verbindungsabschnitt zwischen Blinddarm und Wurmfortsatz blockiert ist. Grund für die Verstopfung sind häufig festhängende Kotstücke oder eher seltener Fremdkörper wie Obst- oder Gemüsekerne. Es gibt aber auch noch andere Ursachen. Dazu gehören:

  • Abknicken des Wurmfortsatzes, wenn dieser zuvor (zum Beispiel durch eine rasche Bewegung) eine anatomisch ungünstige Lage eingenommen hat
  • Folgereaktion einer anderen Entzündung im Bauchraum (zum Beispiel einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung)
  • Parasitenbefall im Darm, wodurch der Darmübergang verstopft ist
  • Tumor im Darm, wenn das auch zum Glück nur selten der Fall ist

Da die Blinddarmentzündung durchaus ernste Ursachen haben kann, ist es wichtig, dass der Arzt nicht nur die Appendizitis behandelt, sondern auch deren Auslöser auf den Grund geht.

Kann ich eine Wurmfortsatzentzündung verhindern?

Wenn Sie wissen, wie eine Blinddarmentzündung entsteht, fragen Sie sich vermutlich, ob Sie dieser vorbeugen können. Leider geht das nicht. Selbst wenn Sie die Aufnahme von Fremdkörpern wie Kernen oder Samen vermeiden, mindern Sie das Risiko hierdurch nur in geringster Weise. Eine gesunde Verdauung ist zwar generell förderlich, da sie Verstopfungen entgegenwirkt und die Wahrscheinlichkeit, dass sich harte Stuhlreste im Darm festhängen, verringert. Auszuschließen ist eine Appendizitis dadurch aber trotzdem nicht.

Blinddarmdurchbruch – der geplatzte Blinddarm

Bleibt eine Wurmfortsatzentzündung unbehandelt, führt das früher oder später zu einem Blinddarmdurchbruch. Dabei platzt der Wurmfortsatz – Eiter und Bakterien gelangen ungehindert in den Bauchraum. Typisch für einen Blinddarmdurchbruch: Die vorherigen Bauchschmerzen lassen kurzzeitig nach, da kein Druck mehr auf dem Darmanhang lastet. Anschließend nehmen sie wieder zu, während sich Bakterien ungehindert im Bauchraum vermehren und eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung auslösen. Diese führt zur Bewusstlosigkeit des Patienten, der Bauch ist gleichzeitig hart wie ein Brett. Wird jetzt nicht gehandelt, kann die Bauchfellentzündung einen Kreislaufzusammenbruch und tödliches Organversagen verursachen.

Wenn Sie einen Blinddarmdurchbruch vermuten, sollten Sie daher unverzüglich den Notarzt rufen. Dieser bringt Sie ins Krankenhaus, wo nach erfolgter Diagnose in der Regel sofort eine Operation eingeleitet wird. Dabei entfernt der Chirurg den geplatzten Anhang des Blinddarms sowie eventuelle Fremdkörper und Eiteransammlungen. Außerdem spült er den Bauchraum durch. Nach erfolgreicher OP verabreicht der Arzt dem Patienten Antibiotika, um eine erneute Bakterienvermehrung im Bauch auszuschließen.

Weitere Komplikationen bei einer Wurmfortsatzentzündung

Der Blinddarmdurchbruch ist nicht die einzige Komplikation, die bei einer Appendizitis auftreten kann. Weitere mögliche Folgen einer Blinddarmentzündung sind:

  • Fistelbildung (röhrenförmige Gänge zwischen Darm und Hautoberfläche)
  • Darmverschluss (der Darm verstopft vollständig; Stuhl wird nicht abtransportiert)
  • Darmlähmung (Form des Darmverschlusses, bei der ein Darmabschnitt in seiner Bewegung gehemmt ist)

Um die Entstehung solcher Erkrankungen bei einer Blinddarmentzündung zu vermeiden, sollten Sie frühzeitig auf Anzeichen achten und beim Verdacht auf eine Wurmfortsatzentzündung den Arzt aufsuchen. Wird die Krankheit im Anfangsstadium erkannt, lässt sie sich in der Regel gut behandeln und der Patient ist bald wieder beschwerdefrei.

Wie erkenne ich eine Blinddarmentzündung?

Betroffene mit Blinddarmentzündung klagen über akute Symptome, die sich meist rasch innerhalb von 12 bis 24 Stunden entwickeln.1 Dazu gehören:

  • Schmerzen im rechten Unterbauch
  • angespannte Bauchdecke
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber
  • starkes Schwitzen

Bei schwangeren Frauen oder Senioren können die Beschwerden einer Appendizitis stark von den typischen Merkmalen abweichen. Das erschwert die Diagnose und erhöht die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen wie einen Blinddarmdurchbruch. Deshalb sollten diese Risikogruppen besonders auf Veränderungen des Körpers achten.

Was eine Blinddarmentzündung (Wurmfortsatzentzündung) ausmacht

Jährlich tritt bei etwa 100 von 100.000 Menschen eine Blinddarmentzündung auf.2 Dabei sprechen Experten von einer Entzündung des Wurmfortsatzes, der am Blinddarm dranhängt. Beim Verdacht auf eine Blinddarmentzündung sollten Sie möglichst bald den Arzt aufsuchen. Dieser überprüft spezielle Druckpunkte am Bauch, die auf eine Appendizitis hinweisen. Auch Ultraschallbilder und Blutuntersuchungen geben Auskunft über den Zustand des Darmanhangs. Nach der Diagnose wird die Entzündung bei einer Operation behandelt (ein Chirurg entfernt den Wurmfortsatz). Nur in seltenen Fällen ist eine Therapie mit Antibiotikagabe ausreichend.

1Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung e.V.: Blinddarm und Blinddarmentzündung. URL: https://www.gastro-liga.de/download/blinddarm-0907-web.pdf (12.12.2018).
2Landesärztekammer Hessen: Akute Appendizitis: Moderne Diagnostik und Therapie. URL: https://www.laekh.de/images/Hessisches_Aerzteblatt/2016/01_2016/CME_Beitrag_Akute_Appendizitis_01_2016.pdf (12.12.2018).