Bilddarmreizung – ein kleines Anhängsel macht Ärger

Er ist nicht groß, doch bereitet durchaus Probleme: Die Rede ist vom Blinddarm, in der Medizin auch Caecum genannt. Es handelt sich um eine scheinbar „blind“ endende Erweiterung am Anfang des Dickdarms. Dabei ist es in Wahrheit ein kleiner vom Caecum abgehender Wurmfortsatz (Appendix), der besonders anfällig für Irritationen ist. Woran das liegt, wie sich eine Blinddarmreizung äußert und wo der Unterschied zu einer Blinddarmentzündung liegt, erfahren Sie hier.

Eine Blinddarmreizung verursacht Schmerzen bei einer Frau, weswegen sie sich mit beiden Händen an den unteren Bauch fasst.

Eine Bilddarmreizung erkennen – die Symptome

Zunächst einmal ist herauszustellen, dass eine Blinddarmreizung nicht gleichzusetzen ist mit einer Blinddarmentzündung. Doch in beiden Fällen ist eigentlich nicht der gesamte Caecum betroffen, sondern nur der kleine Wurmfortsatz. Aus einer Irritation und Reizung des Anhängsels kann sich allerdings auch eine Entzündung entwickeln.

In der Bevölkerung sind die Anzeichen für eine Entzündung geläufiger und tatsächlich weist eine Blinddarmreizung ähnliche Symptome auf:

  • (starke) Schmerzen im rechten Unterbauch
  • Krämpfe, um den Bauchnabel beginnend und nach rechts unten strahlend
  • Überempfindlichkeit der Bauchdecke
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
  • Fieber, Schüttelfrost sowie erhöhter Puls

Besteht der Verdacht, dass der Betroffene an einer Blinddarmreizung leidet, überprüft der behandelnde Arzt zunächst, wann genau die Symptome besonders stark werden. Typisch für eine Reizung ist der sogenannte Los-Lass-Schmerz: So entsteht der Schmerz nicht im Moment des Draufdrückens, sondern dann, wenn der Arzt den linken Unterbauchraum entlastet – ja, richtig gelesen: die linke Seite. Dieser irritierende Sachverhalt hängt mit einer Art Flüssigkeitskissen im Bauchraum zusammen. Mit Druck auf der linken Bauchhälfte vergrößert sich dieses Kissen rechts; der betroffene Darmabschnitt schwimmt angenehm und kontaktlos. Lässt der Druck nach und geht das Flüssigkeitspolster um den Wurmfortsatz zurück, nimmt der Schmerz zu, weil die anderen Organe wieder den in Mitleidenschaft gezogenen Wurmfortsatz berühren.

Um mit vollkommener Sicherheit und in Abgrenzung zu einer Entzündung eine Blinddarmreizung diagnostizieren zu können, führt der Mediziner in der Regel noch eine Blut- und eine Ultraschalluntersuchung durch. Sind die Werte weißer Blutkörperchen und C-reaktiven Proteins (CRP) erhöht, spricht dies für eine Entzündung. Der Körper versucht über die Bildung dieser Teilchen das angeschlagene Immunsystem zu unterstützen. Mit Ultraschall lässt sich eine genaue Lokalisierung des Blinddarms beziehungsweise des Wurmfortsatzes vornehmen.

Hätten Sie es gewusst?

Der Appendix ist nicht immer an der gleichen Stelle zu lokalisieren. Es gibt durchaus Menschen, bei denen der Wurmfortsatz eine ungewöhnliche Lage aufweist. Bei Reizungen können die Beschwerden dementsprechend an einer anderen Stelle auftreten. Bedingt durch eine Schwangerschaft rutscht der Appendix auch mal weiter nach oben.

Bitte lassen Sie sich, wenn Sie an den oben beschriebenen Beschwerden leiden, umgehend von einem Arzt untersuchen. Denn die Symptome weisen auch auf eine Blinddarmentzündung hin, welche schnelles Handeln erfordert. Ansonsten kann es zu lebensgefährlichen Komplikationen wie einem Darmdurchbruch kommen. Eine Differenzierung zwischen Blinddarmreizung und -entzündung kann nur ein Mediziner durchführen.

Wie entsteht eine Blinddarmreizung?

Aufgrund der abseits vom Verdauungsgang liegenden Position und der sackartigen Form des Wurmfortsatzes erfolgt kein regelmäßiges Forttragen von Erregern mit der verdauten Masse, wodurch sich diese besonders leicht ansiedeln. Bei der Untersuchung ziehen Mediziner für eine Blinddarmreizung drei mögliche Ursachen in Betracht:

  • Infektion
  • Fremdkörper
  • Abknicken des Wurmfortsatzes

Der Wurmfortsatz ist mit einer Schleimhautfalte vom Blinddarm getrennt und damit anfällig für Ablagerungen und Verstopfungen. Häufig blockieren kleine Fremdkörper, wie zum Beispiel versehentlich geschluckte Obstkerne oder Würmer, den Zugang des Appendix. Genauso können Vorerkrankungen des Darms dazu führen, dass die für die Immunabwehr verantwortlichen und im Wurmfortsatz sitzenden Lymphknötchen eine Reaktion in der Darmflora auslösen. Seltener knickt das Anhängsel des Blinddarms bei sportlicher Betätigung oder bei ungeschickten Bewegungen um, wodurch er sich verschließt.

Eine Blinddarmreizung dauert normalerweise nur wenige Tage an, doch manchmal kann sich aus ihr auch eine Entzündung entwickeln, die ärztlich behandelt werden muss. Wird eine solche früh genug erkannt, reicht eine Antibiotika-Therapie vielleicht schon aus. Ist die Blinddarmentzündung schon zu weit fortgeschritten, hilft nur noch die rasche Entfernung des Entzündungsherdes. Betroffene müssen sich jedoch keine Sorgen wegen des Eingriffs machen, die OP ist mittlerweile Standard und dauert nicht lange. Wird der entzündete Wurmfortsatz nicht herausoperiert, droht durch das Anschwellen ein lebensgefährlicher Darmdurchbruch, bei dem Darminhalt in die Bauchhöhle gelangt. Bitte suchen Sie daher bei Verdacht auf eine Blinddarmerkrankung unbedingt einen Arzt auf, um schnellstmöglich reagieren zu können.

Wohltuende Schonung bei Blinddarmreizung – auch über die Ernährung

Nach der vom Arzt geklärten Diagnose gilt es, weitere Reizungen des Blinddarms möglichst zu vermeiden. Das Schlüsselwort lautet Schonung. Betroffene empfinden die Embryonalhaltung als sehr wohltuend. Die Person liegt hierfür meist bequem auf der Seite, hat die Beine gebeugt und die Knie nah zum Körper herangezogen. Gönnen Sie sich Ruhe und legen Sie sich zum Beispiel eine nicht allzu heiße Wärmflasche gegen die Verspannungen und Krämpfe auf den Bauch. Ein warmes Vollbad ist genauso schmerzlindernd.

Im Hinblick auf die Ernährung kann einiges unternommen werden, um bei einer Blinddarmreizung den Darm zu entlasten. Essen Sie überwiegend fett- und säurereduzierte Schonkost. Die Speisen sollten dafür nicht zu scharf angebraten und gewürzt sein. Kochen oder dünsten Sie nach Möglichkeit, denn weiche Lebensmittel wie Gemüse und eingekochtes Obst sind leichter zu verdauen. Klassiker wie Zwieback und ungesüßte Kräutertees, zum Beispiel Anis-Fenchel-Kümmel, haben sich bei Magen-Darm-Beschwerden besonders bewährt und können auch bei einer Blinddarmreizung für Linderung sorgen.