Colitis ulcerosa: Die häufigsten Fragen zur Erkrankung

Im Restaurant essen, verreisen, ausgehen – das alles sind Dinge, die für gesunde Menschen zum normalen Alltag gehören. Für Patienten mit Colitis ulcerosa hingegen können genau diese Dinge zur Herausforderung werden. Das Leitsymptom der Erkrankung ist schmerzhafter, oft blutiger Durchfall. Wer an Colitis ulcerosa leidet, muss deswegen in schweren Fällen mehr als acht Mal täglich die Toilette aufsuchen1. Schuld ist eine chronische Entzündung im Dickdarm, deren Ursachen noch heute nicht gänzlich erforscht sind.

Was ist Colitis ulcerosa?

Eine Frau leidet unter der chronischen Darmentzündung Colitis ulcerosa.

Colitis ulcerosa ist eine chronische Darmerkrankung, die erstmals 1859 von dem britischen Arzt Sir Samuel Wilkins beschrieben wurde.2 Hierbei kommt es zu Entzündungen der oberen Schleimhautschichten im Dickdarm und infolgedessen zur Bildung von Geschwüren. Tiefere Gewebeschichten und andere Darmabschnitte sind in der Regel nicht von der Erkrankung betroffen. Das unterscheidet die Colitis ulcerosa von Morbus Crohn, der zweiten wichtigen Art von chronischen Darmentzündungen, welche sich im gesamten Verdauungstrakt (vom Mund bis zum Anus) ausbreiten kann. Nur in seltenen Fällen entzündet sich im Rahmen der Colitis ulcerosa auch der letzte Dünndarmabschnitt (terminales Ileum). Die medizinische Bezeichnung für diese Sonderform ist Backwash Ileitis.

Colitis ulcerosa in Zahlen:
In Deutschland liegt die Wahrscheinlichkeit für Colitis ulcerosa bei etwa 1 zu 200.3 Dabei trifft es Männer ebenso oft wie Frauen und auch das Alter der Patienten variiert sehr stark – selbst Kinder gehören zur Gruppe der Betroffenen. Am häufigsten bricht die Krankheit allerdings im jungen Erwachsenenalter aus.

Was sind die typischen Symptome von Colitis ulcerosa?

Die ständig andauernde Entzündung im Darm von Patienten mit Colitis ulcerosa ruft vor allem Symptome wie schmerzhafte, oft blutige Durchfälle und krampfartige Bauchschmerzen hervor. Neben den charakteristischen Beschwerden, die direkt mit dem Darm in Verbindung stehen, können Patienten mit Colitis ulcerosa aber auch Symptome in anderen Bereichen des Körpers aufweisen. Man spricht in diesem Zusammenhang von sogenannten extraintestinalen Manifestationen. Dazu gehören beispielsweise Entzündungen an

  • den Augen,
  • den Gelenken
  • oder der Haut.

Manchmal können diese untypischen Symptome sogar die ersten Anzeichen für Colitis ulcerosa sein und vor dem Einsetzen der Darmbeschwerden auftreten.

Gut zu wissen:
Typisch für Colitis ulcerosa ist außerdem, dass die Symptome in Schüben kommen. Demnach wechseln sich aktive Krankheitsphasen und beschwerdefreie oder zumindest beschwerdearme Phasen miteinander ab. Wie lange die Ruhezeiten andauern, ist von Patient zu Patient verschieden. In einigen Fällen können Monate oder sogar Jahre zwischen zwei Krankheitsschüben liegen.

Wovon hängt der Schweregrad von Colitis ulcerosa ab?

Der Dickdarm ist der letzte Abschnitt des menschlichen Verdauungstraktes. Er besitzt eine Länge von etwa einem Meter und kann in mehrere Bereiche unterteilt werden. Dazu gehören: der Blinddarm mit dem Wurmfortsatz, das Kolon (Grimmdarm), das wiederum aus einem aufsteigenden, einem querverlaufenden und einem absteigenden Teil besteht, das Kolon sigmoideum (Krummdarm) und das Rektum (Mastdarm). Je nachdem, in welchem Abschnitt des Dickdarms sich die geschwürige Entzündung befindet, werden mehrere Formen von Colitis ulcerosa unterschieden:

  • Proktitis ulcerosa (Proktitis): ausschließlich Rektum betroffen
  • Proktosigmoiditis: entzündeter Bereich umfasst Rektum und Krummdarm
  • Linksseitenkolitis: erkrankter Bereich erstreckt sich über gesamte linke Seite des Dickdarms, einschließlich Rektum und der Krümmung zum querverlaufenden Colon
  • Pankolitis: gesamter Dickdarm betroffen
  • Backwash Ileitis: seltene Sonderform der Colitis ulcerosa – neben dem Dickdarm ist auch der letzte Teil des Dünndarms (Ileum terminale) erkrankt

Wie die Erkrankung verläuft, also wie schwer die Symptome ausfallen und wie häufig sie sich zeigen, hängt von der Stärke der Entzündung ab und davon, wie weit sich der betroffene Bereich im Darm ausdehnt. Demnach fällt der Krankheitsverlauf bei Patienten mit einer Proktitis ulcerosa meist deutlich milder aus als bei denjenigen, die an Pankolitis oder Backwash Ileitis leiden. Im Laufe des Lebens eines Colitis ulcerosa Patienten kann sich die Entzündung im Darm weiter ausbreiten.

Colitis ulcerosa: Eine Zivilisationskrankheit?

Generell ist Colitis ulcerosa die Folge von unangemessenen Immunantworten gegenüber nützlichen oder zumindest unschädlichen Darmbakterien sowie anderen Bestandteilen des Darminhalts. Die Gründe für die Fehlfunktion unseres körpereigenen Abwehrsystems sind vielfältig und noch immer nicht völlig aufgeklärt. Bekannt ist, dass die zahlreichen Ursachen meist erst in Kombination zum Krankheitsausbruch führen. Die folgenden Faktoren gehören dazu:

  • genetisch vererbte Anfälligkeit
  • Störung der Schleimschicht auf der Darmoberfläche (Darmbarriere)
  • Zusammensetzung der Darmflora (Mikroorganismen, die unseren Darm bewohnen)
  • Umwelteinflüsse

Der Punkt Umwelteinflüsse umfasst dabei beispielsweise Ernährungsgewohnheiten oder hygienische Umstände. Einige Studien deuten etwa darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, an chronischer Darmentzündung zu erkranken, steigt, wenn im Kindesalter der Kontakt mit Fremdstoffen aus der Umwelt sehr gering war2. Solche Beobachtungen haben zu der Hypothese geführt, dass Colitis ulcerosa durch eine moderne Lebensweise begünstigt wird. Diese These wird durch mehrere Forschungsarbeiten unterstützt.

Zusammenhang von Colitis ulcerosa und dem Wohnort

Die meisten Patienten mit Colitis ulcerosa leben in den Industrienationen von Nordeuropa und Nordamerika. Deutlich niedriger ist die Häufigkeit chronischer Darmentzündungen hingegen in den Entwicklungsländern von Südamerika, Südostasien sowie Afrika. Hinzu kommt, dass der prozentuale Anteil der Erkrankten in Ländern, die sich gerade im Prozess der Industrialisierung befinden (Schwellenländer), stetig ansteigt. Weitere Studien verglichen die Krankheitshäufigkeit in urbanen Zentren von Europa und Nordamerika mit den ländlichen Gegenden derselben Staaten – und tatsächlich zeigte sich, dass Menschen aus Großstädten mit größerer Wahrscheinlichkeit an Colitis ulcerosa erkranken als die Landbevölkerung2.

Müssen Patienten mit Colitis ulcerosa Diät halten?

Patienten, die an Colitis ulcerosa leiden, haben häufig mit Lebensmittelunverträglichkeiten zu kämpfen. Welche Nahrungsmittel schlecht vertragen werden, ist allerdings von Patient zu Patient verschieden. Einige können keine Zitrusfrüchte zu sich nehmen, andere haben Probleme nach dem Verzehr von rohem Gemüse oder Milchprodukten. Einen festen Diätplan gibt es für Patienten mit Colitis ulcerosa deshalb nicht. Mediziner raten den Betroffenen jedoch bei Ihrer Ernährung auf einige Dinge zu achten – insbesondere während der aktiven Krankheitsphase:

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  • lieber viele kleine, statt drei große Mahlzeiten am Tag
  • möglichst wenig tierisches Fett und Fleisch
  • leichte, vollwertige Kost
  • viel trinken, um die durch Durchfall verlorene Flüssigkeit wiederaufzunehmen
  • Alkoholkonsum begrenzen (Alkohol fördert das Einsetzen eines Krankheitsschubs )

Auch sportliche Aktivität kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Empfehlenswert ist außerdem das Führen eines Ernährungstagebuchs, in dem die Mahlzeiten und eventuell auftretende Symptome wie Bauchschmerzen oder Blähungen festgehalten werden.

Welche Folgen können bei Colitis ulcerosa auftreten?

Besonders in schweren Fällen von Colitis ulcerosa können Komplikationen auftreten. Dazu gehören:

  • Blutarmut (Anämie): Diese ist häufig die Folge des Blutverlusts aufgrund der blutigen Durchfälle bei Patienten mit Colitis ulcerosa. Wichtigstes Merkmal ist ein Mangel an Hämoglobin (Blutfarbstoff, der für den Sauerstofftransport verantwortlich ist) und somit eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff.
  • Toxisches Megakolon: Ein besonders schwerer Entzündungsschub kann zu einer starken Dehnung des Dickdarms führen, die oft nur durch eine Operation zu beheben ist.
  • Darmdurchbruch: Dabei handelt es sich um ein Loch oder einen Riss im Darm, durch den der Darminhalt in die Bauchhöhle gelangt. Es handelt sich um einen klinischen Notfall, der zu einer schweren Infektion im Körper, der sogenannten Blutvergiftung oder Sepsis führen kann.

Schließlich kann Colitis ulcerosa auch das Risiko für die Entstehung von Darmkrebs (Kolonkarzinom) erhöhen. Der Grund dafür ist die über viele Jahre hinweg bestehende Entzündung der Darmschleimhaut. Durch frühzeitiges Einleiten therapeutischer Maßnahmen und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt (Gastroenterologe) kann die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs eingegrenzt werden.

 

1 Internisten im Netz: Colitis ulcerosa Symptome. URL: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/colitis-ulcerosa/erste-anzeichen-symptome/ (20.02.2018).
2 Baumgart, Daniel: „Diagnostik und Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa“ in: Deutsches Ärzteblatt (2009) Nr. 8. S. 123.
3 Wehkamp, Jan + u.a. Götz, Martin: „Chronisch entzündliche Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa“ in: Deutsches Ärzteblatt (2016) Nr. 5. S. 72.