Divertikulitis: Antibiotika sind nicht immer notwendig

Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme sind oftmals die ersten Anzeichen einer Divertikulitis. Kommt es zur Entzündung des Dickdarms, muss gehandelt werden. Doch sind hierfür Antibiotika notwendig oder können auch alternative Methoden zum Einsatz kommen?

Medikamente können bei einer Divertikulitis hilfreich sein.

Wann sind Antibiotika bei der Divertikulitis angezeigt?

Der Auslöser für eine Divertikulitis sind Bakterien, die sich in den mit Kot verstopften Darmschlingen vermehren und dort eine Entzündung verursachen. Diese kann entweder auf die Darmausstülpung beschränkt bleiben oder sich über die ganze Darmwand ausbreiten. Ob bei einer Divertikulitis Antibiotika und andere Medikamente eingesetzt werden oder eine Operation notwendig ist, hängt davon ab, wie heftig die Beschwerden sind und ob Komplikationen wie eine Bauchfellentzündung, ein Darmverschluss oder eine Blutvergiftung drohen.

Handelt es sich um eine unkomplizierte Form der Divertikulitis, bei der kaum Fieber und auch sonst keine Risikofaktoren vorliegen, genügt es, den Körper im Kampf gegen die Entzündung zu unterstützen. Bei einer komplizierten akuten Divertikulitis sind dagegen Antibiotika notwendig: oral oder in Form einer Infusion.

Antibiotika können Leben retten – aber auch zu Komplikationen führen

Noch vor einigen Jahren wurde eine Divertikulitis grundsätzlich mit Antibiotika behandelt. Heute sind Mediziner vorsichtiger mit der Gabe dieser Medikamente, unter anderem, weil sich Resistenzen bilden können.

Wissenswertes zu Antibiotika und Resistenzen:

Antibiotika hindern gefährliche Bakterien daran, sich zu vermehren oder töten sie. Aber: Da Antibiotika zu häufig und oft fehlerhaft eingesetzt werden, nimmt die Widerstandskraft der Bakterien zu, sie werden resistent und die Medikamente im Notfall wirkungslos.

Ob eine Antibiotikagabe wirklich Sinn macht und ob dann ein Breitbandantibiotikum – also eines, das verschiedenen Bakterienarten gleichzeitig angreift – zum Einsatz kommen muss, sollte im Rahmen der Behandlung einer Divertikulitis gut abgewogen werden. Bei bestimmten Patientengruppen ist die Gabe von Antibiotika allerdings sinnvoll, da es bei ihnen eher zu Komplikationen kommen kann. Dazu gehören Menschen mit Bluthochdruck, einer starken Allergieneigung, einem schwachen Immunsystem oder einer weiteren Organerkrankung.

Gängige schmerzstillende Medikamente sind ungeeignet bei Divertikulitis

Solange das Fieber nicht über 39 Grad steigt und keine weiteren Risikofaktoren dazukommen, kann eine Divertikulitis mit krampflösenden Medikamenten (Spasmolytika) und schmerzstillenden Mitteln (Analgetika), viel Flüssigkeit sowie einer leichtverdaulichen Schonkost behandelt werden. Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) – also gängige Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac – sind bei einer Divertikulitis allerdings nicht geeignet, da es durch sie zu Komplikationen wie einer Darmperforation (lokaler Durchbruch der Darmwand) kommen kann.

Breitbandantibiotika: Bei akuter Divertikulitis oft Mittel der Wahl

Gegen das Leben – so die wortwörtliche Übersetzung von Antibiotikum. Für den Einsatz der Medikamente bei Divertikulitis bedeutet das, sie mit Vorsicht und nur nach ausführlicher Risiko-Nutzen-Abwägung einzusetzen. Dennoch: Da eine akute komplizierte Divertikulitis lebensbedrohend werden kann, sind die ein großes Bakterien-Spektrum abdeckenden Breitbandantibiotika oft trotzdem die beste Wahl.

Wird das Antibiotikum oral verabreicht, hat das den Vorteil, dass eine ambulante Behandlung des Patienten möglich ist. Nachteilig ist hingegen: Da der Wirkstoff des Antibiotikums erst über den Verdauungsstrakt ins Blut gelangt, gibt dies der Entzündung mehr Zeit, sich auszubreiten. Ob die Medikamente – und wenn ja, welche Darreichungsform – angewandt werden, ist daher im Einzelfall der Divertikulitis zu entscheiden.

Antibiotika: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

Normalerweise werden Antibiotika – abgesehen von geringeren Nebenwirkungen – gut vertragen. Doch speziell dann, wenn Breitbandantibiotika zum Einsatz kommen, Kombinationen notwendig sind oder die Dosis stark erhöht werden muss, kann es zu Nebenwirkungen kommen.

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Für Patienten mit Divertikulitis ist es wichtig zu wissen, dass es durch die Einnahme von Antibiotika zu starken Durchfällen oder einer Störung der Darmflora kommen kann. Da dies beim Krankheitsbild der Divertikulitis kontraproduktiv ist, sollte mit einem anderen Medikament gegengesteuert werden. Der behandelnde Arzt wird hier entsprechende Maßnahmen einleiten. Weitere Nebenwirkungen von Antibiotika, die bei Divertikulitis möglich sind:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • Herzrasen
  • Schwindel
  • Muskel-, Gelenk- und Sehnenschmerzen
  • Pilzinfektionen

Dazu kommen zum Teil starke Nebenwirkungen auf die Psyche wie Halluzinationen, Angstzustände Verwirrtheit und Depressionen. Sollten Sie Nebenwirkungen bei sich bemerken, ist es anzuraten, einen Arzt aufzusuchen. Ein Arztbesuch empfiehlt sich ebenfalls, wenn sich der Gesundheitszustand nicht in den ersten Tagen bessert – dann sollten die Medikamente abgesetzt beziehungsweise ausgetauscht werden. Die Behandlung einer akuten Divertikulitis mit Antibiotika dauert bis zu zwei Wochen.1

Eine schwere Divertikulitis ist ein Fall für intravenöse Antibiotikagabe

Bei einer schweren und komplizierten Divertikulitis mit hohem Fieber und stark erhöhten Entzündungswerten im Blut ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Dort werden die Antibiotika in Form einer Infusion direkt über eine Vene verabreicht, wodurch sich schnell ein hoher Gewebespiegel des Medikaments erreichen lässt. Mit einer intravenösen Antibiotika-Therapie ist es möglich, die Dosierung genau auf den Zustand des Divertikulitis-Patienten abzustimmen.

Gelegentlich wird eine stationäre Divertikulitis-Behandlung ambulant fortgesetzt. Um den ohnehin schon geplagten Darm zu schonen und die Gefahr von erneuten Entzündungen aufgrund von im Darm verbliebenen Nahrungsresten zu vermeiden, wird der Patient zu Beginn der Behandlung künstlich ernährt.

Alternative Mesalazin?

Immer häufiger im Gespräch im Zusammenhang mit Divertikulitis ist Mesalazin, ein entzündungshemmender und antioxidativer Wirkstoff aus der Gruppe der Aminosalicylate. Mesalazin wird bisher hauptsächlich bei chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten wie Morbus Crohn eingesetzt, zeigt aber bei längerer Einnahme auch bei Divertikulitis Erfolge. Wie wirksam das Medikament Mesalazin bei Divertikulitis wirklich ist, müssen weitere Studien zeigen.

Darmsanierung nach Divertikulitis kann weiteren Schüben vorbeugen

Ist es gelungen, die Divertikulitis zu bekämpfen, ist trotzdem immer mit einem erneuten Schub zu rechnen. Daher sollte der Patient vor allem im Anschluss an eine Antibiotikagabe seine Darmschleimhaut sanieren. Bei einem gesunden Menschen leben im Darm Billionen von Bakterien, deren Zusammenspiel für unsere Gesundheit entscheidend ist. Bei Menschen mit Divertikulitis ist die Darmflora negativ verändert. Probiotika können dabei helfen, sie wieder aufzubauen und so einem erneuten Divertikulitis-Schub vorbeugen.

1Woolliscroft, James (Hrsg.), Tarillion, P. (Hrsg.): Diagnose- und Therapielexikon für den Hausarzt: Die wichtigsten Erkrankungen von A ― Z. Berlin: Springer 1999. S. 109.