Die Divertikelkrankheit: was Sie über Darmausstülpungen wissen müssen

Als Divertikel werden Ausstülpungen in der Wand des Darms bezeichnet. Häufig kommen Darmausstülpungen zwar in großer Zahl vor, verursachen jedoch weder Schmerzen noch Komplikationen. Sobald Beschwerden auftreten, wird von einer Divertikelkrankheit gesprochen, die im schlimmsten Fall zu einer Entzündung der Divertikel führt. Lesen Sie mehr zur Entstehung und zum Verlauf dieser Erkrankung.

Wichtige Begriffe!
Folgende Bezeichnungen werden oft verwechselt und daher im Folgenden kurz erklärt:

  • Divertikel: Schleimhautausstülpungen in Hohlorganen (zum Beispiel Darm oder Blase).
  • Divertikulose: Befall des Darms mit mehreren Divertikeln, die jedoch keine spürbaren Symptome verursachen.
  • Divertikelkrankheit: Das Krankheitsstadium, in welchem die Divertikel beginnen, Beschwerden zu bereiten (zum Beispiel Blähungen).
  • Divertikulitis: Eine Form der Divertikelkrankheit. Die Divertikel (Darmausstülpungen) haben sich entzündet und führen zu zusätzlichen Symptomen wie beispielsweise Fieber.
Die Beurteilung, welche Art der Erkrankung vorliegt, erfolgt immer durch einen Arzt.

So entstehen die Darmausstülpungen

Ein älterer Mann mit Divertikelkrankheit isst eine Schüssel Obst.

Das Aussehen der Divertikel entspricht sackförmigen Gebilden, die mehrere Zentimeter groß werden können. Im Darm entstehen sie, indem sich die Schleimhaut durch Lücken im Muskel nach außen stülpt – in den meisten Fällen aufgrund von zu hohem Druck im Darminneren, verlangsamter Darmtätigkeit oder einer Bindegewebsschwäche. Ursachen für die Beeinflussung des Darms können sein:

  • Verstopfung: Als eine der Hauptursachen der Divertikelkrankheit sorgt sie im Darm für die Entstehung eines hohen Innendrucks. Zum einen durch die harte Konsistenz des Stuhls und zum anderen durch das Pressen beim Stuhlgang – beides kann die Bildung von Darmausstülpungen begünstigen.
  • Alter: Mit steigendem Lebensalter wird das Bindegewebe schwächer. Dies gilt auch für die Darmwand. Je weniger Spannung vorhanden ist, desto eher entstehen Divertikel.
  • Ernährung: Ballaststoffarme Kost sorgt für kleine Mengen an hartem Stuhl, die nur mit großem Druck befördert werden können. Durch die erschwerte Darmtätigkeit steigt das Risiko für die Entstehung der Ausstülpungen.
  • Mangelnde Bewegung: Der Darm sportlicher Menschen arbeitet aktiver. Bei Bewegungsmangel erlahmt die Darmtätigkeit und begünstigt die Divertikelbildung.
  • Erbanlagen: In einigen Familien treten Darmausstülpungen besonders häufig auf, daher wird in medizinischen Fachkreisen davon ausgegangen, dass eine erbliche Veranlagung für die Divertikelkrankheit besteht.1

Für gewöhnlich sind Darmausstülpungen im Bereich des Dickdarms zu finden, sehr selten auch im Dünndarm. Grundsätzlich können sie jedoch auch an anderen Organen auftreten (beispielsweise in der Speiseröhre oder Harnblase). Sind die Divertikel erst einmal entstanden, bilden sie sich nicht mehr zurück.

Hätten Sie es gedacht?
Bei etwa 70 Prozent der über 70-Jährigen werden Darmausstülpungen gefunden. Jedoch leidet nur etwa ein Drittel davon an Beschwerden und bei gerade einmal fünf Prozent kommt es zu ernsteren Komplikationen, wie einer Entzündung der Divertikel oder Blutungen.2

Das Beschwerdebild der Divertikelkrankheit

Ab dem Zeitpunkt, an dem die Darmausstülpungen körperliche Beschwerden verursachen, wird der Befall als Divertikelkrankheit bezeichnet. Folgende Symptome können auf die Erkrankung hindeuten:

  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Verstopfung im Wechsel mit Durchfall
  • Blähungen
  • schmerzhafter Stuhldrang
  • mäßige bis starke Schmerzen im Bauch

Da diese Symptome auch auf viele weitere Krankheiten hinweisen können, ist es immer ratsam, einen Arzt hinzuzuziehen.

Gut zu wissen:
Eine akute Entzündung der Darmausstülpungen und der umliegenden Strukturen wird Divertikulitis genannt. Im schlimmsten Fall kann es hierbei zu einem Durchbruch der Darmwand (Perforation) kommen, bei dem Darminhalt in den Bauchraum austritt. Dieses Ereignis verursacht starke Schmerzen und bedarf der unmittelbaren Behandlung durch einen Arzt, um schwere Folgeschäden zu vermeiden.

Divertikelkrankheit – so wird die Diagnose gestellt

Da das Beschwerdebild der Divertikelkrankheit auch auf viele andere Erkrankungen zutrifft, ist die Diagnosestellung für den Arzt oft eine Herausforderung. Gängige Vorgehensweisen sind:

  • Blutuntersuchung: Mit ihrer Hilfe stellt der Mediziner fest, ob irgendwo im Körper eine Entzündung vorliegt. Ist dies bei einer Divertikelkrankheit der Fall, findet sich im Blut ein erhöhter Wert des C-reaktiven Proteins (CRP) vor. Dieses Eiweiß wird bei Entzündungen vermehrt gebildet.
  • Ultraschall: Hierbei erhält der Arzt durch den Einsatz von Schallwellen einen Überblick über das Gewebe und die Organe im Bauchraum. In einigen Fällen lassen sich die Darmausstülpungen so erkennen.
  • CT und MRT: Sowohl bei einer Computertomographie (CT) als auch bei einer Magnetresonanztomographie (MRT) ist die Divertikelkrankheit gut sichtbar. Im CT werden Details besser dargestellt, das MRT kommt dafür jedoch ohne Röntgenstrahlung aus.
  • Darmspiegelung: Durch das Einführen einer Kamera über den After in den Darm, ist der Arzt in der Lage, die Darmausstülpungen und ihre Verbreitung direkt zu betrachten. Bei Bedarf entnimmt er mit einer kleinen Zange auch direkt Gewebeproben zur weiteren Untersuchung.

Ist die Diagnose gesichert, entscheidet der betreuende Arzt zusammen mit dem Patienten über die notwendigen Behandlungsmöglichkeiten.

Wissenswert: Was CT und MRT unterscheidet!

Bei der Computertomographie (CT) wird der Körper mithilfe von Röntgenstrahlung in Querschnittsbildern dargestellt. Das CT hat eine relativ hohe Strahlenbelastung, arbeitet dafür jedoch sehr schnell (innerhalb weniger Sekunden) und liefert präzise Aufnahmen.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) kommt dank des starken Magnetfeldes ganz ohne schädliche Strahlung aus. Auch hier werden detailgetreue Querschnittbilder aufgenommen — die Untersuchung dauert in der Regel jedoch 15 bis 30 Minuten.3

Divertikelkrankheit: Behandlung und Vorbeugung

So lange nur eine Divertikelkrankheit und keine Symptome einer Divertikulitis bestehen, ist kein chirurgischer Eingriff nötig. Jedoch gibt es einige Maßnahmen, die Beschwerden lindern und auch vorbeugend wirken können. An erster Stelle steht hierbei die Ernährung. Je ballaststoffreicher diese ist, desto größer ist der Nutzen für den Darm. Ballaststoffreich bedeutet, dass die Mahlzeiten zu einem überwiegenden Teil aus Gemüse und Getreideprodukten bestehen. Diese sind in der Lage, Wasser zu binden und so die Stuhlmasse weich und locker zu machen. Spannung und Druck lassen durch die Erleichterung der Darmpassage nach. Die bestehenden Divertikel werden nicht weiter gereizt, wie es beispielsweise bei zu hartem Stuhlgang der Fall ist.
Auch die Zufuhr von ausreichend Flüssigkeit ist wichtig: Versuchen Sie täglich mindestens 1,5 Liter Wasser oder ungesüßten Tee zu trinken — so wird Verstopfungen vorgebeugt. Des Weiteren kann es helfen,

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  • sich regelmäßig zu bewegen, um Darmtätigkeit und Durchblutung in Schwung zu bringen,
  • bei Übergewicht für eine Gewichtsabnahme zu sorgen, da diese den Darm entlastet,
  • Probiotika in Form von probiotischen Lebens- oder Nahrungsergänzungsmitteln zur Unterstützung der Verdauung zu sich zu nehmen,
  • für ausreichend Entspannung und Erholung zu sorgen, da Stress das Verdauungssystem negativ belasten kann.

Treten im Rahmen der Divertikelkrankheit nur leichte Beschwerden oder Entzündungen auf, ist der Körper für gewöhnlich in der Lage, sich selbst zu regenerieren. Die genannten Maßnahmen können das Nachlassen der Symptome beschleunigen. Bei schwereren Entzündungen mit Bakterienbefall verordnet der behandelnde Arzt in der Regel Antibiotika.


1 Iburg, Anne/Allescher, Hans-Dieter: Divertikel – Für immer beschwerdefrei. Stuttgart: Thieme Verlag 2010. S.13.
2 Gastro-Liga e.V. URL: https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Divertikel_des_Dickdarms-132-06-17.pdf (11.05.2018).
3 Radiologicum München: MRT. URL: http://www.radiologicum-muenchen.de/Kernspintomographie-MRT/Untersuchungsablauf (16.05.2018).