Immer mehr Menschen betroffen – doch was ist Morbus Crohn eigentlich?

Morbus Crohn, auch Ileitis terminalis genannt, gehört zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Von 100.000 Menschen erkranken jährlich im Durchschnitt sechs Personen neu daran – Tendenz steigend.1 Morbus Crohn zieht alle Darmabschnitte in Mitleidenschaft und beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit des gesamten Magen-Darm-Traktes. Lesen Sie hier die detaillierten Antworten auf die Fragen „Was ist Morbus Crohn?“, „Wie äußert sich die anhaltende Darmentzündung?“ und „Was sind die Ursachen von Morbus Crohn?“.

An Morbus Crohn leidende Frau krümmt sich vor Schmerzen auf der Couch.

Symptome: Was ist typisch für Morbus Crohn?

Klassische Anzeichen für Morbus Crohn sind länger anhaltende wässrige oder breiige Durchfälle sowie krampfartige Bauchschmerzen. Doch es gibt auch andere Symptome, die nicht ganz spezifisch sind und dennoch bei der Diagnosestellung beachtet werden sollten. Daher finden Sie hier eine Auflistung der Beschwerden, die auf Morbus Crohn hinweisen können:

  • Diarrhö (Durchfall)
  • Blutbeimengungen im Stuhl
  • Schmerzen
  • Gewichtsverlust
  • Nährstoffmangel
  • Gelenkschmerzen
  • Fieber
  • Hautveränderungen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Abszesse
  • Fisteln

Die Symptome sind allerdings abhängig davon, welche Darmabschnitte von Entzündungen betroffen sind und fallen damit individuell anders aus.

Doch was ist noch typisch für Morbus Crohn? Charakteristisch verläuft die Darmerkrankung in Schüben. Das heißt, es bestehen durchaus auch Zeiträume, in denen Patienten beschwerdefrei leben. Diese ruhigen Zeiten werden Remissionsphasen genannt. Zeitpunkt und Dauer der akuten Phasen, in welchen die Entzündung regelrecht wieder aufflammt, sind nicht vorhersehbar.

Was ist der Unterschied zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören beide zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und weisen ähnliche Symptome auf. Doch gibt es auch einige Charakteristika, die eine Differenzialdiagnose ermöglichen:

  • Die Bezeichnung Colitis ulcerosa zeigt an, dass hier in erster Linie eine Entzündung des Colons, also des Dickdarms vorliegt. Morbus Crohn tritt im gesamten Verdauungstrakt auf – von der Mundhöhle bis zum After.
  • Bei Colitis ulcerosa ist vor allem die innerste Schicht, die Darmschleimhaut (Mukosa) betroffen. Hier bilden sich die Geschwüre. Bei Morbus Crohn entzünden sich alle Wandschichten (von der Mukosa bis zur Muskelschicht), was auch zu Fisteln (krankhafte Verbindungsgänge) und Stenosen (Verengungen) führen kann.
  • Die Entzündung bei Colitis ulcerosa entwickelt sich vom Rektum ausgehend gleichmäßig über den Dickdarm aus. Dem gegenüber ist die Entstehung der Entzündungsherde bei Morbus Crohn nicht gleichmäßig. Es finden sich immer wieder Abschnitte im Darm, die gesund sind.

Was ist die klassische Behandlung von Morbus Crohn?

Morbus Crohn ist eine ernstzunehmende Krankheit und erfordert auf jeden Fall eine ärztliche Therapie. Da die Entstehungsgründe noch nicht wissenschaftlich belegt sind, liegt keine Behandlung vor, die eine Heilung der Erkrankung bringt. Doch können die Symptome zumindest gelindert und Schübe, in denen die Krankheit „aktiv“ ist, möglicherweise hinausgezögert oder verhindert werden.

Patienten sollten bei akuten Schüben umgehend ihren behandelnden Arzt aufsuchen. Dieser wird in der Regel mit Steroiden (auch Kortikoide oder Kortikosteroide genannt) und Aminosalicylaten (Entzündungshemmer) behandeln. Bei Kortikosteroiden handelt es sich um Hormone, welche Entzündungen im Körper recht schnell abklingen lassen. Der anfänglich positive Effekt hält jedoch bei einer längeren Therapie nicht an, weswegen sich dieses Hormon nur zur Akuttherapie eignet.

Im Rahmen der Langzeittherapie reicht der Arzt meist Immunsuppressiva. Das sind Medikamente, die bei hoher Entzündungsaktivität zum Einsatz kommen und eine übermäßige Reaktion des Immunsystems unterdrücken. Leider haben diese Mittel den Nachteil, dass sie beim Patienten die Infektionsanfälligkeit erhöhen.

In der Remissionsphase, in welcher die Betroffenen ohne Beschwerden leben, werden meist Aminosalicylate und Probiotika verordnet. Erstere besitzen eine entzündungshemmende Wirkung, während Probiotika mit nützlichen Darmbakterien einen positiven Einfluss auf die Darmflora (intestinale Mikrobiota) nehmen.

Das sind die Ursachen von Morbus Crohn

Es ist noch nicht zweifelsfrei geklärt, was die Ursachen von Morbus Crohn sind. Einige Faktoren erhöhen jedoch das Risiko, an dieser chronischen Darmentzündung zu erkranken. Daher zählt Morbus Crohn auch zu den multifaktoriellen Krankheiten.

Risikofaktoren auf einen Blick:

  • Umweltbelastung
  • Zigarettenrauch
  • genetische Veranlagung
  • Funktionsstörung der Darmschleimhaut
  • psychische Belastung

So kommt Morbus Crohn zum Beispiel überwiegend in Industrieländern vor. Dies ist wohl auf die stärkere Umweltbelastung wie die Luftverschmutzung zurückzuführen. Der zunehmende Einsatz von synthetisch hergestellten Arzneimitteln und Zusatzstoffen sowie übertriebene Hygiene stehen ebenfalls im Verdacht, Morbus Crohn hervorzurufen.

Rauchen – sowohl aktiv als auch passiv – gehört zu den gefährlichen Faktoren, die laut Experten Morbus Crohn auslösen können. Des Weiteren kann es zu einem komplizierteren Verlauf der Krankheit kommen beziehungsweise ein Wiederauftreten der Krankheitsaktivität nach einer Remission bewirken. Begründen lässt sich das damit, dass Zigarettenrauch die Entwicklung von Entzündungen fördert.

Zudem kann innerhalb von Familien eine erbliche Veranlagung vorliegen. Ist zum Beispiel ein Elternteil von der Erkrankung betroffen, steigt für die Kinder die Wahrscheinlichkeit um 10 Prozent, ebenfalls an Morbus Crohn zu erkranken.2

Liegt in der Darmschleimhaut eine Störung der Barrierefunktion vor, ist dies auch als mögliche Ursache der Krankheit zu nennen. Bakterien können sich dann besonders leicht an der Darmwand ansiedeln. Das führt letztendlich zu einer verstärkten Immunreaktion und damit eingehend zu Entzündungen, die chronisch werden.

Eine weitere Ursache für den Wiederausbruch von Morbus Crohn-Symptomen ist in der Psyche zu sehen. Betroffene berichten immer wieder, dass vor allem in stressigen Lebensphasen ein neuer Schub kam. Dass psychische Faktoren wie Angst, Stress und Depressionen die Darmerkrankung erst hervorbringen, gilt hingegen als unwahrscheinlich.

1Hartmann, Lieselotte: Beratungskompetenz Magen und Darm in der Apotheke. Heidelberg: Springer-Verlag 2012. S.44.
2 Hütterer, Elisabeth u. Gasche, Christoph: Ernährung bei Morbus Crohn. Wien: maudrich Verlag 2017. S. 14.