So stellt der Arzt die Diagnose Zöliakie

Der Begriff Zöliakie beschreibt eine Unverträglichkeit des Körpers gegen das Klebeeiweiß Gluten. Betroffene leiden nach dem Verzehr von glutenhaltiger Nahrung oft unter Durchfällen und Krämpfen. Die einzige Therapie besteht derzeit aus der lebenslangen Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung. Doch bevor es soweit ist und die Diagnose Zöliakie gestellt werden kann, sind verschiedene Untersuchungen nötig.

Diagnostik der Zöliakie mit:

Zöliakie – welche Möglichkeiten gibt es zur Diagnose?

Arzt stellt die Diagnose Zöliakie, aufgrund vorliegender Untersuchungsergebnisse

Bei einer Glutenunverträglichkeit auftretende Symptome können auch auf andere Leiden, wie zum Beispiel einen Reizdarm, hindeuten. Daher gibt es verschiedene Tests, die über eine Zöliakie Aufschluss geben und dabei helfen, sie von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Ansprechpartner beim Verdacht auf Glutenunverträglichkeit ist der Gastroenterologe (Facharzt für Verdauungserkrankungen).

Zöliakie: Test auf Antikörper im Blut

Im ersten Schritt führt der Mediziner beim Verdacht auf Glutenunverträglichkeit ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten (Anamnese). Dabei fragt er unter anderem nach auftretenden Symptomen und familiärer Veranlagung. Sieht er die Vermutung bestätigt, ordnet er eine Blutuntersuchung an. Das medizinische Fachpersonal nimmt dem Betroffenen im Sitzen oder im Liegen eine kleine Menge Blut ab und gibt dieses anschließend an ein Labor.

Besteht eine Zöliakie, bildet der Körper meist spezielle Antikörper (Gewebs-Transglutaminase-Antikörper). Diese können bei einer Analyse der Blutwerte festgestellt werden. Deuten die untersuchten Blutwerte auf eine Zöliakie hin, reicht das allein jedoch nicht aus, um die Diagnose zu bestätigen. Zwar hat ein Großteil aller Patienten mit Glutenunverträglichkeit die Antikörper im Blut, jedoch ist das nicht bei allen der Fall. Weitere Tests sind notwendig, damit der Arzt die Erkrankung Zöliakie zweifelsfrei feststellen kann.

Gewebeuntersuchung zur Diagnose von Zöliakie

Weisen die vorher bestimmten Blutwerte auf eine Zöliakie hin, leitet der Mediziner im nächsten Schritt eine Darmspiegelung (Koloskopie) ein. Dabei führt der Arzt einen dünnen Schlauch durch den After des Patienten ein. Der Betroffene erhält bei dieser Untersuchung in der Regel eine örtliche Betäubung, damit es für ihn nicht unangenehm ist. Am Ende des Schlauches sitzt eine kleine Kamera, über deren Bild der Arzt Veränderungen der Darmschleimhaut erkennen kann. Außerdem hat der Mediziner im Rahmen der Darmspiegelung die Möglichkeit, eine kleine Gewebeprobe des Darms (Biopsie) zu entnehmen. Im Labor prüfen Spezialisten die Probe vor allem auf Veränderungen der Darmfalten (Zotten), wie sie für Zöliakie typisch sind. Biopsie und Darmspiegelung stellen wichtige Untersuchungen für den Arzt dar, um die Diagnose Zöliakie bestätigen zu können.

Glutenunverträglichkeit – Zotten gehen zurück

Bei einer Zöliakie reagiert der Organismus mit einer übertriebenen Immunabwehr auf Gluten, wodurch es zu Beschwerden kommt. Zusätzlich bewirkt die übertriebene Reaktion auch eine Rückbildung der Zotten im Darm und dadurch eine Reduzierung der Darmschleimhautoberfläche. Das hat wiederrum zur Folge, dass die Nährstoffaufnahme erschwert wird, weshalb es bei Zöliakie nicht selten zu Mangelerscheinungen (wie Blutarmut oder erhöhter Knochenbrüchigkeit) kommt.

Test der Zöliakie mit glutenfreier Ernährung

Im letzten Schritt der Diagnose und zum endgültigen Feststellen einer Zöliakie, wird die Ernährung des Patienten umgestellt – auf glutenhaltige Nahrung muss er nun verzichten. Bessern sich die vorangegangenen Symptome, bestätigt das die Diagnose Zöliakie. Wichtig ist, dass die Ernährung tatsächlich erst umgestellt wird, wenn die Untersuchungen bereits durchgeführt wurden und auf die Glutenunverträglichkeit hindeuten.

Außerdem sollte dies immer nur in Absprache mit dem Arzt geschehen. Beginnt der Patient eigenständig damit seine Ernährung zu verändern und führt der Mediziner erst danach Blut- und Gewebeuntersuchungen zur Diagnose der Zöliakie durch, verfälscht dies die Ergebnisse. Daher raten Experten Menschen ohne diagnostizierte Glutenintoleranz dringend von einer glutenfreien Ernährung ab. Die untenstehende Tabelle gibt einen groben Überblick über glutenfreie beziehungsweise glutenhaltige Lebensmittel.

Lebensmittel glutenfrei/glutenhaltig
Fleisch und Fisch (ohne Panade) glutenfrei
Kartoffeln, Reis und Hülsenfrüchte glutenfrei
Marmelade und Honig glutenfrei
Milch, Joghurt, Butter und andere Milchprodukte glutenfrei
Obst und Gemüse glutenfrei
Getreide (Hafer, Weizen, Dinkel und Co.) und Getreideprodukte (Mehl, und Backwaren) glutenhaltig
Pizza und Pasta glutenhaltig
Fertiggerichte und Tiefkühlkost häufig glutenhaltig
industriell hergestellte Wurst- und Käseware häufig glutenhaltig

Sind selbst durchgeführte Tests zur Diagnose von Zöliakie geeignet?

Die Antwort hierauf lautet ganz klar: Nein. Mit den im Handel angebotenen Tests sollen Speichel, Urin und Stuhl auf Antikörper untersucht werden. Diese Tests sind häufig nicht besonders zuverlässig und ersetzen daher nicht die Diagnose einer Zöliakie durch den Arzt. Auch für die Eigenanwendung angebotene Blutuntersuchungen, bei denen der Betroffene sich selbst Blut abnimmt und dieses an ein Labor schickt, sind bedenklich, da es durch mangelnde Hygiene leicht zu Infektionen kommen kann.

Außerdem sind diese Methoden zur Selbstdiagnostik oft mit hohen Kosten für den Betroffenen verbunden. Suchen Sie deshalb am besten Ihren Hausarzt auf, wenn Sie bei sich eine Glutenunverträglichkeit vermuten. Dieser kann dann an einen Gastroenterologen (Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen) verweisen, der gegebenenfalls alle wichtigen Untersuchungen in die Wege leitet.