Zöliakie: Alles über den Verlauf und die Möglichkeit, sie zu heilen

Der Begriff Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit beschreibt eine übertriebene Immunabwehr des Körpers gegen Gluten, wodurch es bei Betroffenen zum Teil zu schweren Beschwerden kommt. In Deutschland leidet etwa 1 von 100 Menschen unter der Intoleranz – was zeigt, wie häufig die Erkrankung vorkommt. Aber lässt sich eine Zöliakie heilen? Was passiert, wenn die Glutenunverträglichkeit unbehandelt bleibt und eine Zottenatrophie entsteht? Alle wichtigen Informationen finden Sie hier.

Können Ärzte Zöliakie heilen?

Mann hält eine Einkaufstüte mit glutenfreien Lebensmitteln in den Händen, da diese den Verlauf von Zöliakie positiv beeinflussen.

Nein, bislang ist es unmöglich, Zöliakie zu heilen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen ist das menschliche Immunsystem sehr komplex, was die Heilung einer Immunkrankheit beziehungsweise -reaktion an für sich schwer macht. Zum anderen sind die genauen Ursachen der Zöliakie noch nicht vollständig geklärt. Experten vermuten, dass verschiedene Aspekte, zum Beispiel Umwelteinflüsse, genetische Veranlagungen und Infektionskrankheiten in der frühen Kindheit, als Auslöser eine Rolle spielen.

Auch wenn es derzeit keinen Weg gibt, die Zöliakie zu heilen, so lässt sich deren Verlauf doch positiv beeinflussen. Eine gezielte Umstellung der Ernährung lindert Symptome wie Durchfälle und Bauchschmerzen und sorgt dafür, dass viele Menschen mit Glutenunverträglichkeit in ihrem Alltag kaum oder sogar überhaupt nicht eingeschränkt sind.

Zöliakie – heilen unmöglich, doch wie den Verlauf positiv beeinflussen?

Das einzige, was Patienten bei einer Zöliakie tun können: ein Leben lang auf Gluten zu verzichten. Glutenfreie Ernährung bedeutet dabei für Betroffene nicht nur der Verzicht auf Getreide wie Weizen oder Gerste, sondern auch das Vermeiden von sämtlichen getreidehaltigen Nahrungsmitteln (zum Beispiel Nudeln oder Brot) und vielen Fertigprodukten wie Pizza, in denen Gluten als Stabilisator enthalten ist.

Zwar wird eine Ernährungsumstellung die Zöliakie nicht heilen, sie kann aber oft die Symptome stark abschwächen. Viele Patienten bemerken schon zwei Wochen nach Einführung der Ernährungsumstellung eine Verbesserung.1 Außerdem erholt sich nach der Anpassung des Essverhaltens meist innerhalb von drei bis zwölf Monaten die zuvor durch eine Zottenatrophie beschädigte Darmschleimhaut.1

Zottenatrophie als Folge von Zöliakie

Im Dünndarm spalten Verdauungsenzyme die Nahrung in ihre Bestandteile auf, sodass diese vom Organismus aufgenommen werden können. Damit dieser Prozess reibungslos funktioniert, muss eine möglichst große Darmoberfläche gegeben sein. Bei einer Zöliakie löst die Reaktion des Immunsystems bei der Aufnahme von Gluten eine Entzündung aus. Durch diese flachen die sich auf der Darmoberfläche befindenden Darmfalten, auch Zotten genannt, ab. Experten bezeichnen das als Zottenatrophie. Die Folge einer Zottenatrophie ist, dass die gesamte Oberfläche der Darmschleimhaut verringert wird. Das führt wiederrum zu einer erschwerten Aufnahme von Nährstoffen, weshalb Menschen mit Glutenunverträglichkeiten häufig Nährstoffdefizite entwickeln.

Besonders wichtig bei der Umstellung auf glutenfreie Nahrungsmittel: Abwechslung. Denn nicht nur eine Zottenatrophie kann einen Nährstoffmangel auslösen, sondern auch eine einseitige Ernährung. Es gibt eine Vielzahl an glutenfreien, gesunden Lebensmitteln, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen sind. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Hülsenfrüchte, Reis und Kartoffeln
  • Pseudogetreide, wie Quinoa und Buchweizen
  • Obst und Gemüse
  • Fleisch und Fisch (ohne Panade)
  • Milch und Milchprodukte
  • Nüsse

Vor allem am Anfang fällt vielen Patienten der komplette Verzicht auf Gluten schwer. Für sie ist es sinnvoll, sich an einen Ernährungsberater zu wenden, der ihnen dabei hilft, die neue Ernährungsform in den Alltag zu integrieren.

Was passiert, wenn die Zöliakie unbehandelt bleibt?

Wird eine Zöliakie nicht behandelt beziehungsweise die Ernährung umgestellt, kann das eine Vielzahl an Komplikationen auslösen. Dazu gehören:

  • Mangelerscheinungen durch verringerte Nährstoffaufnahme
  • Wachstumsverzögerungen bei Kindern
  • Entwicklung weiterer Immunerkrankungen (zum Beispiel Diabetes Typ 1 oder eine Schilddrüsenüberfunktion)
  • Entstehung einer weiteren Unverträglichkeit (häufig Laktoseintoleranz)

Die bei einer Glutenintoleranz vorliegende Entzündung schädigt die Darmschleimhaut. Das führt dazu, dass bestimmte Enzyme, die für den Nahrungstransport zuständig sind, in geringen Mengen produziert werden. Das Enzym Laktase (zuständig für die Zersetzung von Laktose) ist für Fehlproduktionen besonders anfällig. Bleibt das Enzym aus, kann der Körper in Milchprodukten enthaltene Laktose nicht verdauen, wodurch eine Laktoseunverträglichkeit entsteht.

Auch wenn es keine Möglichkeit gibt, Zöliakie zu heilen, so sollten Sie doch beim Verdacht auf eine Glutenunverträglichkeit möglichst bald den Arzt aufsuchen. Er kann Sie bezüglich einer glutenfreien Ernährung beraten, sodass ein positiver Verlauf der Erkrankung wahrscheinlich ist. So ist ein weitestgehend unbeschwertes Leben mit Zöliakie möglich.

Gut zu wissen: Krebsvorsorge bei Zöliakie

Grundsätzlich haben Menschen mit Zöliakie ein leicht erhöhtes Risiko für die Entstehung von Darmkrebs. Sie sollten deshalb regelmäßig Vorsorgetermine beim Arzt wahrnehmen. Halten sich Patienten aber strikt an eine glutenfreie Ernährung, bleiben dadurch das Krebsrisiko und die Lebenserwartung unbeeinflusst.