Häufig gestellte Fragen zur Darmpilz-Infektion


Woher kommen die Pilze im Darm?

Pilze wie Hefen der Gattung Candida albicans kommen bei einem Großteil der Menschen natürlicherweise im Darm vor. Über ihre Nützlichkeit wird noch spekuliert, sie gelten aber auch nicht als gefährlich. Erst wenn sie sich unkontrolliert im Darm ausbreiten (Pilzüberwucherung), beispielsweise aufgrund eines geschwächten Immunsystems, kann es zu unterschiedlichen Beschwerden wie Übelkeit, Blähungen oder Durchfall kommen.

Welche Symptome treten bei einer Darmpilz-Infektion auf?

Die Beschwerden einer Pilzinfektion sind meist sehr unspezifisch und können auch bei anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts auftreten. Zu den möglichen Symptomen einer Pilzinfektion zählen unter anderem Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen, aber auch Juckreiz am Darmausgang. Breiten sich die Pilze über den Darm hinweg aus, können zudem weitere Organe wie die Lunge oder das Herz betroffen sein.

Wie wird eine Darmpilz-Infektion behandelt?

Bei einem krankhaften Befall mit Darmpilzen sieht die Behandlung häufig die Gabe von Antipilzmitteln (Antimykotika) vor. Sie hemmen das Wachstum der Pilze. In der Nachsorge werden Probiotika (Zubereitungen mit gesundheitsfördernden Darmbakterien) verschrieben, die das geschwächte Immunsystem stärken und die intestinale Mikrobiota (Darmflora) wieder aufbauen sollen. Einige Ärzte verschreiben Patienten zudem eine zuckerarme Ernährung, um die zuckerliebenden Pilze „auszuhungern“. Für diese Methode gibt es allerdings bislang keinen wissenschaftlichen Beweis.

Pilze im Darm: Woher kommen sie?


Pilze sind ein- oder mehrzellige Lebewesen, die sich praktisch überall im menschlichen Körper (zum Beispiel im Genitalbereich oder auf der Haut) einnisten können. Aber auch der Verdauungstrakt ist aufgrund seiner Wärme und Feuchtigkeit ein beliebter Rückzugsort für die Parasiten: Bei etwa 70 Prozent aller gesunden Erwachsenen können Pilze im Darm gefunden werden. Dabei handelt es sich vor allem um Hefen der Gattung Candida albicans.1

Schon während der Schwangerschaft beziehungsweise im Säuglingsalter gelangen sie möglicherweise in den Verdauungstrakt.1 Aber auch im weiteren Lebensverlauf können die Hefen durch direkten Körperkontakt (zum Beispiel Küssen oder Geschlechtsverkehr) von Mensch zu Mensch übertragen werden.2

Aha!

Lange gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Darm von ungeborenen Kindern im Mutterleib steril sei und eine Besiedlung mit Mikroorganismen erst beginnt, wenn das Baby bei der Geburt mit Keimen aus der Vagina oder Blase der Mutter in Kontakt kommt. Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass bereits während der Schwangerschaft Teile des mütterlichen Mikrobioms (vor allem Bakterien) über die Plazenta und das Blut auf das Kind übergehen.3

Im Verdauungsorgan leben die Hefen normalerweise friedlich mit Bakterien und anderen Kleinstlebewesen zusammen. Im Gegensatz zu Darmbakterien, die meist gesundheitsförderlich sind und eine Symbiose (eine vorteilhafte Gemeinschaft) mit dem Menschen bilden, haben Darmpilze wahrscheinlich keine nützliche Funktion. Das heißt aber auch nicht, dass sie zwingend schädlich sind und behandelt werden müssen. Gefährlich werden Darmpilze erst, wenn sie sich beispielsweise aufgrund eines geschwächten Immunsystems übermäßig vermehren. Mediziner sprechen dann von einer Candidose oder Mykose — eine Pilzüberwucherung.

Wer ist besonders gefährdet?


Normalerweise halten das Immunsystem und unspezifische Abwehrsysteme (wie die Darmflora, Verdauungsenzyme und andere) die Darmpilze gut in Schach. Vor allem aber bei einer verminderten Immunabwehr, kann die Menge an Candida-Pilzen im Darm stark zunehmen. Zu den Risikofaktoren für Pilzinfektionen zählen unter anderem:

  • Abwehrschwäche durch zunehmendes Alter
  • Behandlungen, die das Immunsystem unterdrücken (zum Beispiel bei Organtransplantation oder Chemotherapie)
  • angeborene und erworbene Immunschwächen (zum Beispiel bei AIDS-Patienten)
  • Stoffwechselerkrankungen (beispielsweise Diabetes mellitus)
  • starke Gewebsschädigungen durch Verletzungen oder bakterielle Erkrankungen

Ebenso kann eine Antibiotika-Therapie die Darmflora aus dem Gleichgewicht (Dysbiose) bringen. Weil die Medikamente neben den krankmachenden auch die gesundheitsförderlichen Bakterien abtöten, Pilze aber nicht, gibt es keine Gegenspieler mehr, die die Hefen daran hindern, sich auszubreiten. Denn Milchsäurebakterien wie Lactobazillen können den Pilz in seinem Wachstum bremsen.4

Mögliche Krankheitssymptome bei einer Pilzinfektion im Darm


Die Anzeichen einer Pilzinfektion des Darms sind meist sehr unspezifisch. Im Vordergrund stehen Symptome wie:

  • Blähbauch (vor allem nach dem Verzehr von süßen Speisen)
  • Völlegefühl
  • Durchfall und Verstopfung (oft abwechselnd)
  • Schmerzen im Darmbereich
  • Heißhungerattacken
  • Juckreiz am Darmausgang (bei Entzündungen im Enddarm oder Scheidenbereich)

Bei einem besonders geschwächten Immunsystem können sich die Pilze zudem stark vermehren, über die Schleimhaut in den Blutkreislauf gelangen und weitere innere Organe wie die Lunge, das Herz oder Gehirn besiedeln. Eine solch schwere Form ist sehr selten, im schlimmsten Fall ist jedoch eine Sepsis (Blutvergiftung) möglich, die unverzüglich behandelt werden muss.5

Zudem machen einige Heilpraktiker und Naturheilärzte Candida-Besiedlungen für weitere Beschwerden verantwortlich, da diese eine Reihe schädlicher Stoffe produzieren sollen. Diskutiert werden beispielsweise Hautprobleme, ständige Müdigkeit, Migräne, Gelenkbeschwerden oder ein Reizdarm. Ebenso werden manchmal Depressionen, Hautveränderungen und Lebererkrankungen als Folge von Darmpilzinfektionen genannt. Bisher konnten diese Zusammenhänge jedoch nicht belegt werden.

Gegenmittel für Candida albicans auf der Spur?

Forscher fanden heraus, dass Hefen der Gattung Candida albicans ein Gift (Candidalysin) freisetzen, das eine krankmachende Wirkung besitzt.9 Gleichzeitig lockt das Gift aber auch Immunzellen an, wodurch es sich selbst boykottiert. Die Wissenschaftler hatten gehofft, sich diese Erkenntnis zunutze machen zu können, um zukünftig einen Wirkstoff gegen die Pilze zu entwickeln. Allerdings ist es nicht so einfach. Denn wird das Pilzgift neutralisiert, könnte das gefährlich werden, weil so die Immunantwort verhindert wird.

Diagnose: Wie kann man Pilze im Darm feststellen?


Da die Symptome einer Mykose wenig spezifisch sind und auch andere Ursachen (zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder ein Reizdarm) haben können, ist eine Infektion mit dem Darmpilz Candida albicans nur schwer diagnostizierbar.

Häufig veranlasst der Arzt für die Diagnosestellung eine Stuhluntersuchung. Bei Vorliegen von Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall gelten mehr als 1.000.000 Pilze pro Gramm Stuhl als verdächtig.6

Ärztin betrachtet Reagenzglas zur Diagnose von Darmpilz.

Tipp:

Trinken Sie einige Tage vor der Stuhlprobe dreimal täglich ein Schnapsglas Apfelessig mit Wasser verdünnt (Verhältnis 1:1), da sich die Hefen durch die Säure leichter von der Darmwand lösen und so die Nachweiswahrscheinlichkeit erhöht werden kann.8

Doch selbst eine Stuhlprobe in einem Speziallabor kann keinen sicheren Befund liefern. Denn die Hefepilze sind nicht gleichmäßig im Darminhalt verteilt, sie bilden oftmals Nester, die daher nicht in allen Proben enthalten sein müssen. Selbst ein positiver Befund bedeutet nicht, dass Hefepilze für bestimmte Beschwerden verantwortlich sind, da Candida albicans auch bei gesunden Menschen im Stuhl nachgewiesen werden kann.

Speichelproben, die beispielsweise im Internet als Selbsttest angeboten werden, liefern ebenfalls keine eindeutigen Ergebnisse und sind daher nicht empfehlenswert.7

Stattdessen veranlassen Ärzte manchmal eine Antikörperbestimmung, bei der der Körper auf durch Pilze verursachte Entzündungsanzeichen untersucht wird. Dafür ist eine Blutprobe notwendig. Erhöhte Antikörper deuten auf eine chronische Pilzentzündung hin.8

Gut zu wissen!

Mediziner forschen noch immer an verlässlichen Biomarkern (messbare Parameter), die zwischen einer harmlosen Besiedlung von Candida albicans und einem krankhaften Befall unterscheiden lassen.1

Wie wird eine Pilzinfektion behandelt?


Der bloße Nachweis von Hefen im Darm ist zunächst einmal noch kein Grund, eine Anti-Pilz-Therapie zu beginnen. Es gibt zwar grobe Grenzwerte, ab denen ein Pilzbefall als krankhaft eingestuft wird, diese sind aber mit erheblichen Fehlerquellen behaftet. So können sich "kaum nachweisbare" Mengen beispielsweise innerhalb eines Tages zu einem "massenhaften" Befall entwickeln und es gibt Unterschiede hinsichtlich der Aggressivität von Pilzen.

Zudem ist es weder möglich noch sinnvoll, den Darm komplett von den Mikroorganismen zu befreien. Viele Behandlungsangebote, die auf das Aushungern beziehungsweise Ausspülen von Pilzen im Darm abzielen, wie Darmspülungen, Einläufe oder Eigenurintherapien, müssen daher kritisch hinterfragt werden.7 Ebenso sollte berücksichtigt werden, dass einige solch alternativer Behandlungsmethoden mit negativen Folgen einhergehen können.

Bei Beschwerden, die auf eine Pilzerkrankung hinweisen, sollte dennoch ein Hausarzt oder Gastroenterologe aufgesucht werden, der eine geeignete Behandlung einleiten kann.

Eine Therapie besteht in der Regel aus:

Medikamentöse Therapie bei einem krankhaften Pilzbefall

Bei einem starken Verdacht oder der Diagnose einer Darmpilzinfektion verschreibt der Arzt in der Regel ein Antipilzmittel (Antimykotikum) zur Bekämpfung der unliebsamen Mitbewohner im Darm. Sie werden dem Patienten in Form von Tabletten oder über die Vene als Infusion (intravenös) verabreicht.

Der Erfolg der medikamentösen Therapie richtet sich vor allem nach der Therapietreue der Patienten. Häufigkeit und Dauer der Einnahme müssen streng nach den Vorgaben des Arztes eingehalten werden.

Nachsorge mit Probiotika

Nach einer medikamentösen Therapie kann es hilfreich sein, das geschwächte Immunsystem zu stärken und die Darmflora wiederaufzubauen beziehungsweise zu unterstützen. Hierfür erhält der Patient über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten probiotische Präparate, die gesundheitsfördernde Darmbakterien (meist Coli-, Milchsäure- und Bifidobakterien) enthalten.3 Aber auch einige probiotische Lebensmittel wie Joghurt oder Kefir können die Besiedlung einer gesunden Bakterienvielfalt im Darm begünstigen.

Bei besonders gefährdeten Patientengruppen ist es unter Umständen bereits vorbeugend sinnvoll, die Darmflora und damit das Immunsystem mit Probiotika oder probiotischen Lebensmitteln zu stärken. Menschen, die bereits häufiger eine Pilzinfektion hatten oder an einer Abwehrschwäche leiden, können sich von ihrem Arzt dazu beraten lassen.

Welche Ernährung ist bei einer Pilzerkrankung sinnvoll?

Lange verordneten Ärzte bei einem Befall mit Candida albicans eine streng zuckerfreie Diät. Der Gedanke dahinter: Durch den Verzicht auf Zucker (Kohlenhydrate) könne der Pilz "ausgehungert" werden. Dieser Annahme konnte bisher jedoch nicht wissenschaftlich belegt werden.

Aber auch wenn ein konkreter Nachweis für die Wirksamkeit einer Anti-Pilz-Diät fehlt, raten viele Naturheilmediziner dazu, etwa vier bis sechs Wochen nach einer medikamentösen Behandlung mit Pilzmitteln den Zucker zu reduzieren, damit die Besiedelung mit gesundheitsfördernden Darmbakterien und damit die Abwehrkräfte unterstützt werden.7

Gemieden werden sollten in dieser Zeit unter anderem:

  • Süßigkeiten und süßes Gebäck
  • Limonade
  • sehr süßes Obst (zum Beispiel Ananas, Bananen oder Erdbeeren)
  • Weißmehlprodukte
  • Alkohol

Zudem versteckt sich in Fertigprodukten oftmals viel Zucker, weshalb hier genau auf die Inhaltsangaben geachtet werden sollte.

Stattdessen empfiehlt es sich, dauerhaft auf eine vollwertige Ernährung mit viel Salat, Gemüse und Vollkornprodukten zu setzen. Diese sind reich an Ballaststoffen, die die Darmflora stärken können. Zudem haben Ballaststoffe durch ihre faserige Struktur möglicherweise einen gewissen Putzeffekt, da sie aufquellen und zu voluminösen Stühlen führen, wodurch Pilznester mit entsorgt werden.6

Ebenso besitzen bestimmte Pflanzenstoffe abwehrstärkende Eigenschaften. Dazu zählen:

  • Flavonoide: blaue, violette und rote Obst- und Gemüsesorten wie Äpfel, Trauben, Beerenobst, Auberginen, Soja sowie schwarzer und grüner Tee
  • Carotinoide: Karotten, Tomaten, Paprika, aber auch grünes Gemüse wie Spinat und Grünkohl
  • Phytoöstrogene: Leinsamen, Hülsenfrüchte, Getreide
  • Glucosinolate: Kohl, Radieschen, Rettich, Senf, Kresse
  • Saponine (besitzen zusätzlich antimikrobielle Wirkung): Hülsenfrüchte, Hafer, Spargel
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Miriam Müller Aufgewachsen in einer Familie aus Krankenschwestern und Journalisten, interessierte sich Miriam Müller bereits sehr früh für die Themen Medizin und Medien. Nach verschiedenen Praktika im journalistischen Bereich – unter anderem bei der Deutschen Welle in Washington D.C. – absolvierte sie erfolgreich ihr Masterstudium Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Miriam Müller Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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