Durchfall nach Antibiotika – ein häufiges Problem

Infektionen, Lebensmittelunverträglichkeiten, Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts oder die Einnahme von Medikamenten – es gibt viele Ursachen, die sich auf die Konsistenz des Stuhls auswirken. Ein besonders häufiges Problem ist der Durchfall nach Antibiotika-Therapien. Erfahren Sie, warum die Arzneimittel zur Bekämpfung von Bakterien diese Auswirkung auf den Darm haben.

Was genau ist eigentlich ein Antibiotikum?

Eine Frau hält sich den Bauch, da sie nach Antibiotika-Einnahme an Durchfall leidet

Um zu verstehen, aus welchen Gründen es zu Durchfall nach Antibiotika kommen kann, ist es wichtig, die Eigenschaften dieser Medikamente zu kennen. Hauptsächlich finden sie bei der Bekämpfung von bakteriellen Erregern Einsatz. Sie gehören zu den wichtigsten existierenden Arzneimitteln und sind in der Lage, Mikroorganismen abzutöten (bakterizide Antibiotika) oder in ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung zu hemmen (bakteriostatische Antibiotika). Unterschieden werden Schmalspektrumantibiotika, die überwiegend gegen eine bestimmte Gruppe Bakterien wirken, und Breitspektrumantibiotika, die alle Arten von Bakterien bekämpfen.
Die ersten existierenden Antibiotika waren die Stoffwechselprodukte verschiedener Bakterien und Pilze (zum Beispiel Penicillin). Heutzutage werden die Medikamente jedoch auch synthetisch oder gentechnisch hergestellt (Chemotherapeutika). Bei durch Viren hervorgerufenen Erkrankungen sind Antibiotika wirkungslos, da sie im Gegensatz zu Bakterien keinen eigenen Stoffwechsel besitzen, in den das Medikament eingreifen kann.

So lösen Antibiotika Durchfall aus

Unter der sogenannten „Antibiotika-assoziierten Diarrhö“ (AAD) verstehen Mediziner den Durchfall nach oder während einer Antibiotika-Therapie. Sie gehört damit zur akuten Form der Diarrhö und ist eine besonders häufige Nebenwirkung. Die Antibiotika-assoziierte Diarrhö kann vor allem durch die negative Beeinflussung der Darmflora entstehen.

Der Durchfall: Bei einer Diarrhö kommt es zu mehr als drei dünnflüssigen Stühlen mit über 200 Gramm Gewicht pro Tag.1 Die chronische Diarrhö hält für gewöhnlich länger als vier Wochen an und wird in den meisten Fällen durch eine Entzündung im Bereich des Magen-Darm-Trakts verursacht. Die akute Diarrhö tritt sehr spontan auf, beispielsweise nach der Einnahme von Medikamenten oder bei Lebensmittelvergiftungen.2

Als Darmflora wird die natürliche Besiedelung des Dickdarms mit etwa 300 bis 1.000 verschiedenen Bakterienarten bezeichnet.3 Die Aufgaben der Darmflora sind:

  • Den Körper bei der Verdauung und der optimalen Aufnahme der Nährstoffe zu unterstützen.
  • Das Ansiedeln von Fremdkeimen im Darm zu verhindern und den Körper so vor Infektionen zu schützen.

Wird die Darmflora während der Antibiotika-Gabe beeinträchtigt, kann Durchfall auf zwei verschiedene Arten entstehen.

1. Verdauungsstörungen führen zu Durchfall nach Antibiotika

Da Antibiotika keinen Unterschied zwischen nützlichen und schädlichen Bakterien machen, besteht die Gefahr, dass die positiven Mikroorganismen unserer Darmflora in Mitleidenschaft gezogen oder sogar abgetötet werden. Unverdauliche Kohlenhydrate, für deren Verstoffwechselung für gewöhnlich die Darmbakterien verantwortlich sind, gelangen unverarbeitet in den Stuhl. Die Kohlenhydrate haben eine osmotische (wasserziehende) Wirkung und sorgen dafür, dass mehr Flüssigkeit in den Stuhl übertritt – es kommt zum Durchfall durch Antibiotika.

2.Durchfall nach Antibiotika durch Vermehrung antibiotikaresistenter Keime

Werden die nützlichen Bakterien der Darmflora durch das Antibiotikum beeinträchtigt, können sie ihrer Schutzfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen. Resistente Keime erhalten die Chance, sich zu vermehren und den Darm zu besiedeln. Etwa 15 bis 20 Prozent der Durchfall-Erkrankungen durch Antibiotika werden vom Bakterium Clostridium difficile verursacht.4 Dieser Keim ist für besonders schwere Verläufe der Antibiotika-assoziierten Diarrhö verantwortlich – vor allem bei Senioren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Achtung, Resistenz!
Ein besonders großes Thema der heutigen Zeit ist die Antibiotika-Resistenz. Hierbei bleibt das Medikament gegenüber einem bestimmten Bakterium wirkungslos. Ein häufiger Grund ist der vorzeitige Abbruch einer Antibiotika-Therapie oder eine fehlerhafte Anwendung, durch die das Bakterium Abwehrmechanismen gegen das Medikament entwickeln kann. Besonders gefährlich sind multiresistente Keime, also Bakterien, die gegen verschiedene Arten von Wirkstoffen immun sind. Sie entstehen bevorzugt in Krankenhäusern und sind schwer therapierbar.

Was tun bei Durchfall während oder nach der Antibiotika-Therapie?

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Kommt es im Verlauf einer Therapie zu Durchfall aufgrund von Antibiotika, sollte das Medikament auf keinen Fall selbstständig abgesetzt werden. Der erste Ansprechpartner ist der behandelnde Arzt. Er kann entscheiden, ob die Umstellung auf ein anderes Antibiotikum sinnvoll ist. Bei nur leichten Symptomen ist es möglich, den Darm durch eine kohlenhydratarme Ernährung zu entlasten. Auch die Zufuhr von Probiotika (lebensfähige Mikroorganismen in beispielsweise Joghurt oder Nahrungsergänzungsmitteln) kann die Darmflora unterstützen und für eine schnellere Regeneration sorgen. In den meisten Fällen ist der Durchfall nach Antibiotika-Therapien selbstlimitierend. Das bedeutet, er bildet sich von selbst zurück. Gerade bei Kindern, Senioren und immungeschwächten Menschen ist jedoch äußerste Vorsicht geboten. Schnell kann hier Durchfall zu einer Austrocknung des Körpers führen – ein Besuch beim Arzt ist daher in jedem Fall angeraten.


1 Pschyrembel. Berlin: Walter de Gruyter 261 2007. S.424.
2 Möller, Henning: Antibiotika assoziierte Diarrhoe. München: GRIN Verlag 2011. S.4.
3 Deutsche Apotheker Zeitung: Behandlung der Antibiotika-assoziierten Diarrhö. URL: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2008/daz-40-2008/behandlung-der-antibiotika-assoziierten-diarrhoe (13.05.2018).