Pseudomembranöse Kolitis – Entzündung und Durchfall durch Antibiotika

Dass Antibiotika immer von einem Arzt verschrieben werden müssen, hat durchaus seine Gründe. Denn diese Medikamente bergen die Gefahr von Nebenwirkungen wie einer pseudomembranösen Kolitis mit schweren Durchfällen. Doch was genau ist eine pseudomembranöse Kolitis? Und wie erfolgt die Behandlung der Krankheit beziehungsweise der Symptome, die meist Clostridien (bestimmte Bakterien) auslösen?

Übersicht der wichtigsten Begriffe

  • pseudomembranöse Kolitis: gefährliche Durchfallerkrankung
  • Clostridium difficile-assoziierte Diarrhö: Durchfall, der durch Clostridium difficile-Bakterien verursacht wird (auch Symptom einer pseudomembranösen Kolitis)
  • Clostridium difficile-Infektion (CDI): Infektion, die Clostridium difficile-Bakterien auslösen (wie etwa eine pseudomembranöse Kolitis)

Die pseudomembranöse Kolitis verstehen

Eine Frau hat Magenkrämpfe aufgrund einer pseudomembranösen Kolitis.

Die pseudomembranöse Kolitis ist eine Entzündung am Kolon (Grimmdarm) – dem Hauptbestandteil des Dickdarms. Typisch für die pseudomembranöse Kolitis sind Fibrinbeläge – Eiweißschichten – auf den entzündeten Schleimhäuten des genannten Organs. Ärzte können Sie zum Beispiel bei einer Darmspiegelung erkennen.
Nicht selten steht eine pseudomembranöse Kolitis in Verbindung mit der Einnahme von Antibiotika. Ausgelöst werden die Entzündung und deren Symptome vielfach durch Clostridien (Bakteriengattung). In der Regel spielt dabei der Erreger Clostridium difficile eine Rolle. Bei ihm handelt es sich um eine Clostridien-Unterart, die sich durch eine Behandlung mit Antibiotika leichter im Körper vermehren kann.
Die pseudomembranöse Kolitis ist behandelbar. Betroffene sollten die Entzündung jedoch sehr ernst nehmen. Eine ärztliche Therapie ist unumgänglich. Darüber hinaus verfügt nur ein Mediziner über die Mittel, um eine pseudomembranöse Kolitis zweifelsfrei zu diagnostizieren. Beispielsweise ist die charakteristische Pseudomembran mithilfe einer Darmspiegelung erkennbar.

Pseudomembranöse Kolitis: Diese Symptome bringen Clostridien mit sich

Die pseudomembranöse Kolitis, die meistens durch Clostridien entsteht, äußert sich durch Symptome wie etwa:

– Anzeige –

Innovall CDI Banner

  • Bauchschmerzen
  • Unterbauchkrämpfe
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Fieber
  • wässriger Durchfall
Durchfall ist eines der Hauptsymptome einer pseudomembranösen Kolitis. Die Gefahr dabei ist, dass der Organismus aufgrund des erhöhten Wasserverlustes austrocknet. Dies kann bei einem heftigen Durchfall bis hin zur Ohnmacht führen.

Clostridium difficile-assoziierte Diarrhö

Der Durchfall, den Patienten mit einer pseudomembranösen Kolitis bekommen, wird von Medizinern auch Clostridium difficile-assoziierte Diarrhö genannt. Der Begriff Diarrhö beschreibt fachsprachlich einen Durchfall. Clostridium difficile-assoziiert ist er, weil ihn Clostridium difficile-Bakterien verursachen.

Ursachen einer pseudomembranösen Kolitis

Die pseudomembranöse Kolitis entsteht für gewöhnlich durch die Einnahme von Antibiotika. Bei einer Behandlung mit diesen Medikamenten kann es zu Veränderungen der natürlichen Darmflora kommen. Die Darmflora besteht überwiegend aus Darmbakterien – etwa 300 bis 1.000 unterschiedliche Arten1 – die unseren Organismus vor Erregern beziehungsweise Krankheiten schützen und förderlich für die Verdauung sind.
Antibiotika sind Medikamente, die dazu in der Lage sind, Bakterien abzutöten sowie deren weitere Verbreitung zu hemmen. Das ist einerseits von enormem Nutzen, wenn es darum geht, eine Krankheit wie beispielsweise die Lungenentzündung zu bekämpfen. Andererseits stellt es einen Nachteil für die Bakterien der Darmflora dar. Denn Antibiotika greifen auch diese für den Menschen nützlichen Mikroorganismen an.

Gibt es eine Risikogruppe?
Menschen mit einem eingeschränkten Immunsystem sind anfälliger dafür, durch eine Antibiotika-Therapie eine pseudomembranöse Kolitis zu bekommen. Denn zu einer ohnehin schon schwächeren Abwehrkraft kommt mitunter noch eine Schädigung der schützenden Darmflora hinzu. Zu den Risikogruppen zählen zum Beispiel ältere Personen, an Aids Erkrankte, Organtransplantierte, Menschen mit chronischen Krankheiten oder Patienten, die eine Infektion wie die Grippe haben (führt zu einer kurzfristigen Schwächung der Abwehrkraft).

Bei einer gestörten Darmflora besteht die Gefahr, dass sich vor allem Clostridien im Darm vermehren und zu einer pseudomembranösen Kolitis mit deren Symptomen führen. Wissenswert: Vielfach ist es die Clostridien-Unterart Clostridium difficile, welche sich an den Schleimhäuten des Kolons festsetzt und dort eine Entzündung hervorruft.

Interessant: AAD versus CDI
Einen Durchfall nach Antibiotika-Therapie nennen Experten auch Antibiotika-assoziierte Diarrhö (AAD). Um ganz genau zu sein, wird die Bezeichnung erst dann verwendet, wenn andere Ursachen als die Einnahme von Antibiotika ausgeschlossen werden können. Die schwerste Form einer AAD entsteht durch eine Clostridium difficile-Infektion (CDI).

Die Behandlung einer pseudomembranösen Kolitis

In jedem Fall sollten die pseudomembranöse Kolitis und die Symptome, welche durch die Clostridien entstehen, mithilfe eines Arztes behandelt werden. Unter anderem hat sich Folgendes bei der Therapie bewährt:

  • Viel trinken: Um den gesteigerten Flüssigkeitsverlust durch die heftigen, wässrigen Durchfälle bei einer pseudomembranösen Kolitis wieder auszugleichen, ist es wichtig, genug zu trinken. Bewährt haben sich zwei bis drei Liter Wasser über den Tag verteilt.2
  • Beendigung der Antibiotika-Therapie: Nach Diagnosestellung setzen viele Ärzte die Antibiotika, die zur pseudomembranösen Kolitis geführt haben, ab, damit diese die Situation nicht weiter verschlimmern. Nur, wenn es keine Behandlungsalternative gibt, wird die Antibiotikatherapie, sobald es dem Patienten besser geht, fortgesetzt. Hier gilt: Medikamente werden immer dann gegeben, wenn ihr Nutzen größer ist als ihr eventueller Schaden.
  • Clostridien-Bekämpfung: In den meisten Fällen sind es Clostridien, die Schuld an einer pseudomembranösen Kolitis haben. Speziell auf die Clostridien-Bekämpfung ausgerichtete Präparate finden hier Anwendung, beispielsweise Antibiotika aus der Gruppe der sogenannten Nitroimidazole.

Manchmal sind Antibiotika die beste Möglichkeit, um eine durch Bakterien verursachte Erkrankung zu bekämpfen. Um von vornherein die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer pseudomembranösen Kolitis beziehungsweise einer Clostridium difficile-assoziierten Diarrhö zu senken, greifen manche Menschen auch auf Darmflora-stärkende Nahrungsergänzungsmittel wie Microbiotica zurück. Derartige Präparate beinhalten wertvolle, vermehrungsfähige Bakterienkulturen. Ärzte und Apotheker sind zu diesem Thema die besten Ansprechpartner. Solange die Darmflora gesund ist, können Clostridium difficile-Bakterien sich nur schwer vermehren und eine Erkrankung auslösen.




1Deutsche Apotheker Zeitung: Behandlung der Antibiotika-assoziierten Diarrhö. URL: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2008/daz-40-2008/behandlung-der-antibiotika-assoziierten-diarrhoe (13.05.2018).
2Universitätsklinikum Ulm: Tipps bei Durchfall. URL: https://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/default/Zentren/CCCU/Beratungsangebote/Flyer_Durchfall.pdf (15.08.2018).