Reizdarm (Colitis irritabile):
Alles Wichtige zur RDS-Krankheit

Bei einem Reizdarm, der auch als Reizdarmsyndrom oder Colitis irritabile bezeichnet wird, handelt es sich um eine Funktionsstörung des Darms, bei der Verdauungsvorgänge nicht wie üblich ablaufen und verschiedenste Magen-Darm-Beschwerden bestehen. Diese treten nicht vorübergehend auf, sondern können Betroffene über Monate, Jahre oder sogar ein Leben lang begleiten. Der Leidensdruck der Patienten ist oft sehr hoch, da sie viele Untersuchungen und Arzt-Besuche hinter sich haben, bis letztendlich die richtige Diagnose gestellt wird. Was die Ursachen des Reizdarms sind, welche Beschwerden sich zeigen und wie die Behandlung aussieht, erfahren Sie hier.

Auf Ursachensuche bei Reizdarm

Reizdarm (Colitis irritiable) verursacht Bauchschmerzen bei junger Frau

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind trotz stetiger wissenschaftlicher Studien noch nicht eindeutig erwiesen: Es gibt zahlreiche Faktoren, die als Auslöser infrage kommen. Beispielsweise könnte eine Störung der Darmbewegung die Entstehung der Erkrankung beeinflussen, sodass die Nahrung zu schnell oder zu langsam durch den Darm transportiert wird und Durchfall oder Verstopfung als Symptome im Vordergrund stehen. Weitere mögliche Reizdarm-Ursachen sind

  • eine veränderte Schmerzwahrnehmung im Darm,
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten,
  • Veränderungen der Darmflora im Vergleich zu gesunden Personen,
  • psychische Faktoren wie Stress und nervliche Überbelastung oder
  • vorausgegangene Erkrankungen (vor allem Magen-Darm-Infekte).

Manchmal ist nicht klar ersichtlich, ob es sich bei den genannten Punkten um Ursachen oder die Folgen der RDS-Krankheit handelt.

Häufige Symptome bei Reizdarm erkennen

Die Symptome des Reizdarmsyndroms sind individuell sehr unterschiedlich und können sich bezüglich ihrer Ausprägung verändern. Für gewöhnlich sind die Beschwerden am Tag stärker ausgeprägt als in der Nacht.

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Typische Reizdarm-Symptome sind:

  • Schmerzen und Krämpfe im Bauchraum, die sich nach dem Stuhlgang bessern
  • Darmgeräusche
  • Blähungen, verbunden mit Druck- und Völlegefühl
  • Durchfall oder Verstopfung (häufig auch im Wechsel)
  • allgemeines Krankheitsgefühl

Doch nicht nur typische Magen-Darm-Beschwerden können sich bei der RDS-Krankheit einstellen. Oft haben Betroffene zusätzlich mit Kopf- und Rückenschmerzen, Ängsten, Konzentrations- und Schlafstörungen oder Abgeschlagenheit zu kämpfen.

Diagnose des Reizdarmsyndroms

Am Anfang der Reizdarm-Diagnose steht das Patienten-Arzt-Gespräch. Alle Symptome werden vom Arzt erfragt und zur Kenntnis genommen. Auch wenn Ihnen die Fragen zur Stuhlkonsistenz unangenehm erscheinen, spielen sie eine wichtige Rolle, um der Erkrankung auf die Schliche zu kommen. Eine Skala ermöglicht die Einordnung, wie weich oder fest Ihr Stuhl ist, und ob Durchfall oder Verstopfung vorliegen. Dies bietet einen ersten Anhaltspunkt für die weitere Diagnostik. Nach dem Gespräch erfolgt eine körperliche Untersuchung.

Folgende Methoden können dabei zum Einsatz kommen:

  • Blutbild
  • Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane
  • Darmspiegelung
  • Atemtest, um Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufzuspüren
  • Urin-Test
  • Stuhl-Mikrobiologie (vor allem bei Durchfall, um auf Parasiten oder Krankheitserreger zu prüfen)

Es gibt bisher keinen bestimmten Test, um die Diagnose sicher zu stellen, da der Darm beim Reizdarmsyndrom nicht krankhaft verändert ist. Ärzte können also mit ihren Untersuchungen keine organischen Störungen wie Geschwüre, Zysten oder Tumoren feststellen. Vielmehr handelt es sich beim Reizdarm um eine Ausschlussdiagnose – die Suche nach anderen Erkrankungen, die zu ähnlichen Beschwerden führen, bleibt erfolglos.

Besteht keine organische Ursache, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit der Arzt die Diagnose Reizdarm stellen kann. Das heißt,

  • die Beschwerden sind chronisch, bestehen also dauerhaft und halten länger als drei Monate an (zum Beispiel Bauchschmerzen und Verstopfung).
  • die Symptome müssen von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und oft mit Veränderungen des Stuhls einhergehen.
  • die Beschwerden sind so ausgeprägt, dass dadurch die Lebensqualität relevant beeinträchtigt ist und der Patient deswegen ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt.

Reizdarm behandeln: Welche Optionen gibt es?

Auch wenn Reizdarm noch nicht ursächlich behandelbar ist, gibt es verschiedene Therapiemaßnahmen, um die Lebensqualität der Patienten zu bessern und die Beschwerden zu lindern. Die Einnahme von Medikamenten soll in der Regel zunächst das Hauptsymptom behandeln. Unter anderem sind folgende Arzneimittel beim Reizdarmsyndrom im Einsatz:

  • Spasmolytika (krampflösende Mittel),
  • Laxanzien (Abführmittel),
  • Phytotherapeutika (pflanzliche Wirkstoffe),
  • Entschäumer (gegen übermäßige Gasbildung im Darm),
  • Antidepressiva (können schmerzlindernd wirken),
  • oder Probiotika (Bakterien zum Aufbau der Darmflora).

Doch nicht nur Arzneimittel sind bei der Therapie des Reizdarms von Bedeutung. Wichtig ist zudem, die eigene Ernährung unter die Lupe zu nehmen und zu überprüfen, welche Lebensmittel die Beschwerden verstärken und den Darm zusätzlich reizen können. Auch hier ist die Reaktion auf bestimmte Stoffe in der Nahrung sehr individuell. Reizdarm-Betroffenen empfiehlt sich daher das Führen eines Ernährungstagebuchs, in dem sie notieren können, was sie wann gegessen haben und in welcher Stärke danach Symptome aufgetreten sind.

Außerdem ist es bei Reizdarm ratsam, mögliche Unverträglichkeiten abklären zu lassen (zum Beispiel gegen Laktose, Fruktose oder Sorbitol). Wird beim Arzt eine Intoleranz nachgewiesen, sollten Reizdarm-Patienten die entsprechenden Lebensmittel meiden beziehungsweise den Konsum reduzieren. In vielen Fällen hat sich daneben die Verringerung von Stress dabei bewährt, die Symptome des Reizdarms zu lindern.