Reizdarmsyndrom: Welche Symptome kommen vor?

Das Reizdarmsyndrom kann jeden treffen, unabhängig vom Alter und Geschlecht. Allerdings erkranken Frauen meist häufiger daran, zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr sind es doppelt so viele im Vergleich zu den Männern.1 Die Reizdarmsyndrom-Symptome zeigen sich bei allen Betroffenen über einen längeren Zeitraum, auch wenn sie in Stärke und Häufigkeit variieren. Welche Beschwerden sind das genau? Und müssen Reizdarm-Patienten dauerhaft damit leben?

Reizdarmsyndrom-Symptome äußern sich nicht nur durch Magen-Darm-Beschwerden

Frau mit Reizdarm-Symptomen hält sich den schmerzenden Bauch

Das Reizdarmsyndrom, auch als „irritable bowel syndrome“ (IBS) bekannt, geht mit den unterschiedlichsten Symptomen einher. Im Vordergrund stehen Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen und Veränderungen des Stuhlgangs (Durchfall und/oder Verstopfung). Wie stark die Reizdarmsyndrom-Symptome sind und welche davon überwiegen, ist von Patient zu Patient sehr individuell und häufig auch tagesabhängig.

Typische Reizdarmsyndrom-Symptome sind:

  • Bauchschmerzen, die meist nach dem Stuhlgang nachlassen und als drückend, stechend oder krampfartig erlebt werden
  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • häufiger Stuhldrang
  • Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang (Durchfall oder Verstopfung, auch im Wechsel)
  • Gefühl als würde sich der Darm beim Stuhlgang nicht richtig entleeren

Weitere Beschwerden, die sich nicht auf den Magen-Darm-Trakt beziehen und bei Reizdarm vorkommen, sind:

  • Neigung zu Schmerzen am Kopf (auch Migräne) und Rücken
  • Gelenkbeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Ängste und depressive Verstimmungen

Meist lassen die Beschwerden in der Nacht nach, während sie vor allem am Tag zur Belastung werden. Typisch ist auch, dass sich die Reizdarm-Symptome abwechseln. So kann es vorkommen, dass ein Betroffener nicht nur an Verstopfung oder Durchfall leidet, sondern beides im Wechsel hat.

Wieviel Stuhlgang ist eigentlich normal?

Wenn dauerhaft mehr als drei Stuhlgänge am Tag vorkommen, liegt aller Wahrscheinlichkeit nach Durchfall vor. Hat der Betroffene dagegen weniger als drei Stuhlgänge in der Woche handelt es sich um Verstopfung. Bei Durchfall ist der Stuhl insgesamt zu weich und flüssig. Zusätzlich kann das Gefühl auftreten, dass der Darm nicht vollständig geleert wird. Beobachten Sie Blutbeimengungen oder Schleimauflagerungen, sollten Sie das dem Arzt unbedingt mitteilen, um eine organische Ursache auszuschließen. Bei einem Reizdarm ist der Durchfall oft von Bauchkrämpfen begleitet, die Schmerzen bessern sich meist nach dem Stuhlgang. Liegt eine Verstopfung vor, ist der Stuhl sehr hart und beim Toilettengang muss stark gepresst werden. Auch hier haben Betroffene das Gefühl, dass die Darmentleerung nicht vollständig stattfindet. Die Verstopfung kann von Bauchschmerzen und Blähungen begleitet sein.

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Beim normalen Verdauungsvorgang entstehen große Mengen an Gasen. Diese werden normalerweise vom Darm in den Blutkreislauf abgegeben und über die Lungen abgeatmet. Ein Teil gelangt jedoch auch über den After nach draußen. Blähungen entstehen dann, wenn sich zu viel Gas im Darm befindet oder das Verdauungsorgan überempfindlich auf die Ausdehnung durch das Gas reagiert. Dies ist häufiger bei Reizdarm-Betroffenen zu beobachten und wird sogar als Reizdarm-Ursache diskutiert. 

Welches Reizdarm-Symptom überwiegt? Einteilung in verschiedene Reizdarm-Typen

Das Symptom, welches beim jeweiligen Reizdarm-Erkrankten im Vordergrund steht, wird als Hauptsymptom oder Leitsymptom bezeichnet. Anhand dessen kann eine genauere Einteilung in vier verschiedene Reizdarm-Typen vorgenommen werden:

  • Typ I – Diarrhoetyp: Durchfall ist das Hauptsymptom.
  • Typ II – Verstopfungstyp: Verstopfung ist das Hauptsymptom.
  • Typ III – Mischtyp: Durchfall und Verstopfung kommen im Wechsel vor.
  • Typ IV – Bläh- und Schmerztyp: Blähungen mit Abgang von Darmgasen und Schmerzen sind die Hauptbeschwerden bei diesem Reizdarm-Typ.

Eine solche Zuordnung ist vor allem für die Behandlung nützlich, die sich immer auch am Hauptsymptom orientiert und dieses als erstes therapiert. Bei Durchfall werden zum Beispiel andere Medikamente benötigt als bei einer Verstopfung oder bei Blähungen. Die Therapie von Mischtypen muss häufiger angepasst werden, je nachdem welches der Symptome des Reizdarmsyndroms sich am stärksten zeigt.

Nur Befindlichkeitsstörungen oder echte Reizdarmsyndrom-Symptome?

Fast jeder hat schon einmal die typischen Beschwerden für Reizdarm gehabt. Doch wann weisen Bauchschmerzen, Blähungen und andere Verdauungsstörungen tatsächlich auf ein Reizdarmsyndrom hin? In den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) sowie der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) ist die Definition der Erkrankung genauer festgehalten. Demnach müssen alle der drei folgenden Kriterien für die Diagnose erfüllt sein:2

  • Die Beschwerden (zum Beispiel Bauchschmerzen, Blähungen) müssen chronisch sein, also mindestens über drei Monate bestehen und vom Arzt sowie vom Patienten auf den Darm bezogen werden. Die Reizdarmsyndrom-Symptome können mit einer Veränderung des Stuhlgangs (Durchfall und/oder Verstopfung) einhergehen, dies ist jedoch nicht zwingend der Fall.
  • Die Symptome sind deutlich spürbar, sodass sie die Lebensqualität einschränken. Sogenannte Befindlichkeitsstörungen sind nur leicht ausgeprägt und treten zeitweise, vor allem in bestimmten Situationen (bei Stress oder durch falsche Ernährung) auf und haben nichts mit einem Reizdarm zu tun.
  • Es dürfen keine anderen Krankheiten vorliegen, welche ähnliche Beschwerden hervorrufen.

Sollten Sie den Verdacht auf Reizdarmsyndrom haben, weil Sie regelmäßig Symptome verspüren, dann sprechen Sie Ihren Arzt darauf an. Er wird Sie genau untersuchen, andere Erkrankungen ausschließen und Sie zum weiteren Vorgehen beraten.

Bleiben die Reizdarmsyndrom-Symptome dauerhaft bestehen?

Wie lange das Reizdarmsyndrom anhält und ob Betroffene damit ein Leben lang auskommen müssen, lässt sich schlecht voraussagen. Bei einem Teil der Patienten bessern sich die Symptome spontan, bei anderen bleibt das Reizdarmsyndrom dauerhaft bestehen. Untersuchungen haben ergeben, dass nach sieben Jahren etwa über die Hälfte der Patienten weiterhin Beschwerden hat. 13 Prozent sind dagegen beschwerdefrei und bei 21 Prozent konnte eine Symptomlinderung festgestellt werden.3 Auch wenn die Reizdarmsyndrom-Symptome bestehen bleiben und eine vollständige Heilung derzeit nicht möglich ist, sollten sich Betroffene aber dennoch nicht entmutigen lassen. Es gibt vielversprechende Behandlungsmöglichkeiten – und die Erkrankung hat keinerlei Einfluss auf die Lebenserwartung.

 

1 Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGVS). URL: https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/Leitlinie_Reizdarmsyndrom.pdf. S.243 (15.02.2018)
2 Ebd S.242
3 Ebd S.243