Blinddarmentzündung: Ursachen, Symptome und Therapie

Akute Schmerzen im Unterbauch – viele Betroffene befürchten, dass eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) dahintersteckt. Bei einer solchen ist jedoch genau genommen nicht der Blinddarm entzündet, sondern dessen kleines Anhängsel – der sogenannte Wurmfortsatz (Appendix vermiformis). Jährlich tritt die Blinddarm- beziehungsweise Wurmfortsatzentzündung bei etwa 100 von 100.000 Menschen auf.1 Sie kann sich in jedem Alter bemerkbar machen – am häufigsten wird die Diagnose aber bei Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 15 Jahren gestellt.2 Wie die Appendizitis entsteht, welche Symptome sich zeigen und wann eine Operation nötig ist, lesen Sie nachstehend.

Wegen einer Blinddarmentzündung fasst sich eine Frau an den Bauch.

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Blinddarmentzündung – was sind die Ursachen?

Grafische Darstellung der Blinddarmentzündung.

Entzündet sich der Wurmfortsatz, also das Anhängsel am Anfang des Dickdarms, ist umgangssprachlich von einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) die Rede. Diese entwickelt sich meist, wenn der kurze Verbindungsabschnitt zwischen Blinddarm und Wurmfortsatz blockiert ist. Grund für die Verstopfung sind häufig festhängende Kotstücke oder, eher seltener, Fremdkörper wie Obst- oder Gemüsekerne. Lagern sich dann an der Verstopfung Darmbakterien ab, kommt es zu einer Entzündung des Wurmfortsatzes.

Es gibt aber auch noch andere Ursachen. Dazu gehören:


  • vorangegangene Blinddarmreizung (beispielsweise bedingt durch eine Infektion)
  • Abknicken des Wurmfortsatzes, wenn dieser eine anatomisch ungünstige Lage eingenommen hat
  • Folgereaktion einer anderen Entzündung im Bauchraum (zum Beispiel einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung)
  • Parasitenbefall im Darm (kann im Bereich des Blinddarms eine Entzündung auslösen)
  • Tumor im Darm (eher selten)
Kann ich eine Wurmfortsatzentzündung verhindern?

Wenn Sie wissen, wie eine Blinddarmentzündung entsteht, fragen Sie sich vermutlich, ob Sie dieser vorbeugen können. Leider geht das nicht. Selbst wenn Sie die Aufnahme von beispielsweise Kernen oder Samen vermeiden, mindern Sie das Risiko hierdurch nur in geringer Weise. Eine gesunde Verdauung ist zwar generell förderlich, da sie Verstopfungen entgegenwirkt und die Wahrscheinlichkeit, dass sich harte Stuhlreste im Darm festhängen, verringert, ausschließen lässt sich eine Appendizitis dadurch aber trotzdem nicht.

Verschiedene Formen der Appendizitis

Experten unterscheiden zwei Arten der Blinddarmentzündung:

  • Appendizitis simplex
  • Appendizitis destructiva

Die erste Variante beschreibt die einfache Form der Blinddarmentzündung. Hierbei gibt es die Möglichkeit, dass sich die Entzündung des Wurmfortsatzes noch spontan zurückbildet (wenn sich zum Beispiel ein Fremdkörper löst). Passiert dies nicht und kommt es zur Eiteransammlung durch Krankheitserreger, entwickelt sich eine Appendizitis destructiva (zerstörerische Blinddarmentzündung). Diese Form kann einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen, weshalb der Facharzt den Wurmfortsatz bei einer Operation entfernen muss.

Wurmfortsatz: Funktion beim Menschen

Dem Wurmfortsatz wurde lange nachgesagt, keinerlei Funktion im Körper zu haben. Mittlerweile gehen Experten aber davon aus, dass er einen Beitrag zur Immunabwehr leistet.3 Trotzdem ist der Wurmfortsatz nicht lebenswichtig. Viele Menschen leben gut und ohne Komplikationen nach einer Entfernung des kleinen Anhängsels.

So erkennen Sie eine Blinddarmentzündung

Frau liegt gekrümmt im Bett wegen den Symptomen einer Blinddarmentzündung

Typisch für eine Appendizitis ist ein Schmerz im Bauchraum, der seine Position wechselt. Meist tritt er zunächst nur leicht auf Höhe des Bauchnabels auf. Innerhalb der nächsten Stunden wandert er auf die rechte Seite des Unterbauchs (dort liegt der Wurmfortsatz). Häufig wird der Schmerz beim entzündeten Blinddarm verstärkt, wenn der Betroffene läuft, hüpft, hustet oder niest. Viele Menschen nehmen deshalb eine Schonposition (Embryonalstellung) ein und ziehen die Knie an den Bauch, um so den Schmerz zu lindern.

Aha!

Treten die Schmerzen verstärkt auf der linken Bauchseite auf, kann es sich um eine Divertikulitis – eine Entzündung des Dickdarms – handeln. Lesen Sie mehr zur Divertikulitis>>.

Bei einer akuten Appendizitis können sich außerdem folgende Symptome zeigen:

  • angespannte Bauchdecke
  • erhöhte Pulsfrequenz (mehr als 100 Herzschläge pro Minute)4
  • Übelkeit und eventuell Erbrechen
  • Fieber (Körpertemperatur von über 38 Grad Celsius)5
  • verstärktes Schwitzen

In selteneren Fällen kommt es zudem zu Durchfall, Verstopfung und Appetitlosigkeit.

Wann mit Bauchschmerzen zum Arzt?

Halten Bauchschmerzen länger an, sind sie kaum auszuhalten oder treten sie mit Fieber, Übelkeit und Erbrechen auf, sollten Sie schnellstmöglich einen Mediziner aufsuchen, um die genaue Ursache abzuklären.

Blinddarmentzündung – abweichende Symptome bei Kindern

Nicht immer muss ein entzündeter Wurmfortsatz Auslöser für Schmerzen im Bauchraum des Sprösslings sein. Oft sind es einfache Verdauungsstörungen, wie Blähungen oder Magenkrämpfe, die Beschwerden verursachen.

Allerdings ist eine Appendizitis von harmlosen Magen-Darm-Problemen nur schwer abzugrenzen. Dafür bestehen verschiedene Gründe: Zum einen haben viele Kinder Probleme damit, die Intensität des Schmerzes richtig einzuschätzen und ihn zu lokalisieren. Beispielsweise kann es passieren, dass ein kleiner Patient mit Mandelentzündung die Schmerzen dem Bauchraum zuordnet, anstatt dem Rachen. Zum anderen können die Symptome einer Blinddarmentzündung bei den Kleinen tatsächlich variieren. Viele Kinder werden bei einer Appendizitis von starker Übelkeit und weniger von Schmerzen gequält, weswegen Eltern zum Beispiel einen Magen-Darm-Infekt oder eine Magenverstimmung vermuten könnten.

Wenn sich Eltern nicht sicher sind, was die Schmerzen im Bauch des Sprösslings auslöst, ist es deshalb immer ratsam, einen Mediziner aufzusuchen.

Entzündeter Blinddarm: Schmerzen bei Schwangeren und Senioren

Auch bei älteren Menschen und Schwangeren können die Symptome einer Blinddarmentzündung vom typischen Krankheitsbild abweichen. Bei Senioren tritt beispielsweise der charakteristische Bauchschmerz oft abgeschwächt auf. Die Folge davon: Die Appendizitis wird bei älteren Patienten häufig spät erkannt, was das Auftreten von Komplikationen wahrscheinlicher macht.

Bei Schwangeren ist eine Blinddarmentzündung ebenfalls schwerer zu diagnostizieren. Der Grund: Im Laufe der Schwangerschaft nimmt die Gebärmutter an Größe zu, wodurch verschiedene Organe und auch der Wurmfortsatz verschoben werden. Ist dieser nun entzündet, bleiben die klassischen Schmerzen im rechten Unterbauch zum Teil aus. Häufig klagen Schwangere mit Appendizitis stattdessen über Rückenschmerzen oder andere unspezifische Leiden.

Blinddarmdurchbruch und Co.: Mögliche Komplikationen bei einer Wurmfortsatzentzündung

Bleibt eine Wurmfortsatzentzündung unbehandelt, führt das früher oder später zu einem Blinddarmdurchbruch. Dabei platzt der Wurmfortsatz – Eiter und Bakterien gelangen ungehindert in die Bauchhöhle.

Typisch für einen Blinddarmdurchbruch:

  • Die vorherigen Bauchschmerzen lassen kurzzeitig nach, da kein Druck mehr auf dem Darmanhang lastet.
  • Anschließend nehmen sie wieder zu, während sich Bakterien ungehindert im Bauchraum vermehren und eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) auslösen.
  • Diese führt unter Umständen zur Bewusstlosigkeit des Patienten, der Bauch ist gleichzeitig hart wie ein Brett.

Wird jetzt nicht gehandelt, kann die Bauchfellentzündung einen Kreislaufzusammenbruch und tödliches Organversagen verursachen.

Verdacht auf Blinddarmdurchbruch – ein Fall für den Notarzt!

Wenn Sie einen Blinddarmdurchbruch vermuten, sollten Sie unverzüglich den Notarzt rufen. Dieser bringt Sie ins Krankenhaus, wo nach erfolgter Diagnose in der Regel sofort eine Operation eingeleitet wird. Dabei entfernt der Chirurg den geplatzten Anhang des Blinddarms sowie eventuelle Fremdkörper und Eiteransammlungen. Außerdem spült er die Bauchhöhle durch. Nach erfolgreicher OP verabreicht der Arzt dem Patienten Antibiotika, um eine erneute Bakterienvermehrung im Bauch auszuschließen.

Der Blinddarmdurchbruch ist nicht die einzige Komplikation, die bei einer Appendizitis auftreten kann. Weitere mögliche Folgen sind:

  • Darmverschluss (der Darm verstopft vollständig; Stuhl wird nicht abtransportiert)
  • Darmlähmung (Form des Darmverschlusses, bei der ein Darmabschnitt in seiner Bewegung gehemmt ist)

Um die Entstehung solcher Erkrankungen zu vermeiden, sollten Sie frühzeitig auf Anzeichen achten und beim Verdacht auf eine Wurmfortsatzentzündung den Arzt aufsuchen. Wird die Krankheit im Anfangsstadium erkannt, lässt sie sich in der Regel gut behandeln.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Oft sind Patienten unsicher, ob rechts oder links auftretende Schmerzen im Bauchraum auf eine Entzündung des Blinddarms hinweisen. Viele stellen sich daher die Frage, ob es die Möglichkeit gibt, den Verdacht auf Appendizitis durch einen Selbsttest einzugrenzen? Und wie geht eigentlich der Arzt bei der Diagnose vor?

Zur Diagnose einer Blinddarmentzündung untersucht eine Ärztin den Bauch einer Frau.

Selbsttest gibt bei Blinddarmentzündung erste Hinweise

Sind Ihre Bauchschmerzen das Anzeichen einer Appendizitis oder liegt doch nur eine kurzzeitige Magenverstimmung vor? Um den Verdacht auf Blinddarmentzündung zu bestärken, kann ein kurzer Selbsttest helfen.

  • Legen Sie sich dafür auf den Rücken.
  • Ziehen Sie dann das rechte Knie in Richtung Kinn.

Nimmt der Schmerz dabei zu, ist das ein Hinweis auf eine Blinddarmentzündung.

Beim Selbsttest sollten Sie außerdem ein paar Schritte gehen und für einen Moment auf und ab hüpfen. Ein entzündeter Blinddarm reagiert häufig empfindlich bei Erschütterung.

Bitte beachten!

Zwar liefern die Ergebnisse aus dem beschriebenen Selbsttest bei einer Blinddarmentzündung erste Anhaltspunkte, eine gründliche Diagnose durch einen Arzt ersetzen sie jedoch nicht.

Die Diagnose beim Arzt

Am Anfang der Untersuchung steht ein ausführliches Gespräch (Anamnese), bei dem der Arzt den Patienten unter anderem über die Beschwerden ausfragt. Im Anschluss führt er eine körperliche Untersuchung durch, bei der er den Bauch vorsichtig abtastet und dabei spezielle Druckpunkte testet. Diese Stellen sind bei einer Entzündung des Blinddarms besonders empfindlich und können daher Aufschluss über eine Appendizitis geben.

Eine dieser Druckstellen ist der McBurney-Punkt, der sich in der Mitte der Verbindungslinie zwischen dem rechten Hüftknochen und dem Bauchnabel befindet. Damit der Arzt den McBurney-Punkt ertasten kann, legt sich der Patient am besten auf den Rücken, sodass die Hüftknochen möglichst deutlich heraustreten. Das erleichtert dem Mediziner die Vorstellung der Verbindungslinie. Handelt es sich um eine Appendizitis, tritt beim Drücken auf den Punkt typischerweise ein unangenehmer, stechender Schmerz auf.

Der Blumberg-Punkt oder das Blumberg-Zeichen wird von Medizinern verwendet, wenn sie den sogenannten Loslass-Schmerz provozieren möchten. Dabei legen sie die flachen Hände auf den linken Unterbauch und üben dann für einige Sekunden einen für den Betroffenen erträglichen Druck aus. Nimmt der Arzt die Hände weg, verspürt der Patient im Fall einer Appendizitis auf der gegenüberliegenden, rechten Seite einen starken Schmerz. Grund dafür ist, dass der Darm bei der geänderten Druckausübung seine Lage verändert, was zu einer Reizung des entzündeten Wurmfortsatzes führt. Tritt beim Loslassen kein Schmerz auf, kann eine Blinddarmentzündung deswegen aber noch nicht ausgeschlossen werden.

Weitere Druckpunkte sind:

  • Lanz-Punkt: schmerzempfindliche Stelle im rechten Drittel der Verbindungslinie zwischen beiden Hüftknochen
  • Douglas-Zeichen: bei Blinddarmentzündung auslösbarer Schmerz während einer digital-rektalen Untersuchung (das Rektum wird mit dem Finger abgetastet)
  • Rovsing-Zeichen: Schmerz im rechten Unterbauch, der bei einer Massage gegen den Uhrzeigersinn im Bereich des Dickdarms entsteht
  • Psoas-Zeichen: auftretender Schmerz bei einer Blinddarmentzündung, wenn das rechte Bein bei Beugung Widerstand beziehungsweise Kraft ausüben muss

Neben dem Abtasten kann der Mediziner auch eine Blutuntersuchung anordnen. Dabei wird die Anzahl der weißen Blutkörperchen betrachtet. Ist diese erhöht, weist das auf eine Entzündungsreaktion im Körper hin.

Zudem können bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) bei der Beurteilung der Entzündung unterstützen. Ausschlaggebend für die weitere Behandlung ist jedoch meist ein Ultraschallbild, auf dem der Wurmfortsatz abgebildet wird.

Differentialdiagnose bei Blinddarmentzündung

Übelkeit, Verstopfung und auftretende Schmerzen im Bauchraum können neben einer Entzündung des Blinddarms auch auf viele andere Krankheiten hindeuten. Um eine eindeutige Diagnose zu stellen, gilt es daher, unter anderem folgende Erkrankungen auszuschließen:

  • Morbus Crohn (chronische Entzündung des Darms)
  • Magen-Darm-Entzündung (umgangssprachlich Magen-Darm-Grippe)
  • Divertikulitis (Entzündung kleiner Ausstülpungen im Darm)
  • Harnwegsinfektion

Vor allem bei Frauen kommt es oft zu Fehldiagnosen, da die Symptome einer Blinddarmentzündung auch auf viele gynäkologische Auslöser (zum Beispiel Eileiterentzündung oder Eileiterschwangerschaft) hinweisen können. Bei weiblichen Patienten wird deshalb häufig noch eine Untersuchung beim Frauenarzt angeordnet.

Blinddarmentzündung: Die Behandlung

Arzt kümmert sich um die Nachsorge einer Blinddarm OP

Lange Zeit rieten Mediziner bereits bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung zu einer Operation. Mittlerweile findet dahingehend ein Umdenken statt: Laut einer amerikanischen Studie kann eine unkomplizierte Appendizitis, bei der kein erhöhtes Risiko auf Komplikationen besteht, zunächst mit Antibiotika behandelt werden. Allerdings muss der weitere Verlauf der Erkrankung beobachtet werden, da dieser sich relativ schnell ändern kann und gegebenenfalls doch noch operiert werden muss. So benötigte fast jeder vierte Patient der Studie innerhalb eines Jahres noch eine Blinddarm-OP.6

Bei einem Großteil der Fälle ist ein operativer Eingriff angezeigt. Bei diesem wird der entzündete Wurmfortsatz entweder mithilfe der offenen Appendektomie oder per Laparoskopie entfernt. Das geschieht stationär unter Vollnarkose. Die Risiken sind dabei relativ gering. Die Entfernung des Wurmfortsatzes gilt als Routinebehandlung. Viele Patienten können das Krankenhaus bei erfolgreicher Operation nach etwa 2 bis 5 Tagen wieder verlassen.7

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Offene Appendektomie

Bei einer offenen Appendektomie setzt der Operateur einen etwa sechs Zentimeter langen Schnitt auf der rechten Seite am Unterbauch, um diesen zu öffnen.8 Dabei muss er mehrere Muskel- und Gewebeschichten durchtrennen. Den entzündeten Wurmfortsatz entfernt der Mediziner direkt am Übergang zum Dickdarm. Übrig bleibt dann nur noch ein kleiner Rest des Wurmfortsatzes, der mit einem Faden abgebunden wird. Zum Schluss des Eingriffes näht der Facharzt die Bauchdecke wieder zusammen.

Interessant:

Ist es bereits zu einem Durchbruch des Wurmfortsatzes (Perforation) gekommen, muss der Arzt zusätzlich den Bauchraum ausspülen. Auf diese Weise entfernt er Stuhl, Eiter und Bakterien. Im Anschluss legt der Arzt dann Schläuche (Drainagen), um die Entzündungsflüssigkeit nach der Operation nach außen abfließen zu lassen.

Minimal-invasiver Eingriff: Blinddarm-Laparoskopie

Bei einer Laparoskopie des Blinddarms öffnet der Operateur die Bauchdecke nicht direkt. Er setzt lediglich drei kleine Schnitte am Nabel und am Unterbauch.9 Durch diese führt der Mediziner dann eine kleine Kamera (Laparoskop) und die Operationsinstrumente ein. Über das Kamerabild erhält der Arzt einen direkten Blick auf den entzündeten Wurmfortsatz. Diesen entfernt er bei einer Blinddarm-Laparoskopie entweder mithilfe eines Klammernahtgerätes oder einer speziellen Schlinge.

Die Laparoskopie des Blinddarms hat größtenteils die offene Appendektomie abgelöst, da sie ihr gegenüber verschiedene Vorteile mit sich bringt. Dazu gehören:

  • geringe Wahrscheinlichkeit der Wundinfektion
  • weniger Schmerzen nach Entfernen des Blinddarms
  • kaum sichtbare Narbenbildung
  • häufig kürzerer Krankenhausaufenthalt
  • unkompliziertere Nachsorge

Der Vorteil einer laparoskopischen Appendektomie liegt außerdem darin, dass der Arzt den gesamten Bauchraum beurteilen kann. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn sich herausstellt, dass der Appendix doch nicht der Auslöser für die Beschwerden ist.

Obwohl diese Punkte für eine Laparoskopie des Blinddarms sprechen, muss der Mediziner immer im Einzelfall entscheiden, welche Methode der Blinddarm-OP sich für den Patienten am besten eignet.

Ist eine Blinddarm-OP ambulant möglich?

Vor allem in Amerika werden Blinddarm-OPs oft ambulant durchgeführt. Der Vorteil für den Patienten dabei: Er darf schon wenige Stunden nach dem Eingriff das Krankenhaus verlassen und sich zuhause erholen. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile in manchen Kliniken die Möglichkeit, den entzündeten Wurmfortsatz bei einer Blinddarm-OP ambulant entfernen zu lassen. Diese Art der Behandlung ist ausschließlich für gesundheitlich stabile Patienten geeignet, bei denen keine Komplikation vorliegen und für die eine Laparoskopie als OP-Methode gewählt wurde.

Risiken einer Blinddarm-OP

Eine Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes gilt in Deutschland als Routineeingriff mit geringem Risiko für den Patienten. Wie bei jeder Operation im Bauchraum kann es jedoch in seltenen Fällen zur Beschädigung von anderen Organen kommen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass folgende Komplikationen auftreten:

  • Blutungen
  • Infektionen der Wunde
  • Vernarbungen des Gewebes (die eventuell den Stuhl blockieren und zu einem Darmverschluss führen können)
  • Abszessbildungen (Eiteransammlungen) im Bauch

In seltenen Fällen kann zudem eine Nahtinsuffizienz bestehen. Dabei handelt es sich um eine sehr ernste Komplikation, bei der die Naht am abgetrennten Wurmfortsatz wieder aufgeht und sich infolgedessen der Darminhalt in den Bauchraum entleeren kann. Hier muss sofort erneut operiert und der Bauchraum ausgespült werden.

Blinddarm-OP: Nachsorge und Krankschreibung

Die Aufnahme von flüssigen Nahrungsmitteln (zum Beispiel Suppen oder Tee) ist schon kurze Zeit nachdem der Blinddarm entfernt wurde möglich. In den Folgetagen können Betroffene langsam wieder normale Kost zu sich nehmen.

Experten empfehlen darüber hinaus, nach einer offenen Appendektomie die ersten vier Wochen und bei einer Laparoskopie des Blinddarms die ersten zwei Wochen keine schweren Lasten mit einem Gewicht von über 10 Kilogramm zu heben.7 Beim Tragen spannt der Betroffene die Bauchdecke stark an, wodurch die Wunden aufreißen könnten.

Gut zu wissen:

Die Schmerzen, ausgelöst durch das Entfernen des Blinddarms, sollten spätestens nach drei Wochen vollständig abgeklungen sein.10 Geschieht das nicht, ist es ratsam, den Arzt aufzusuchen. Gleiches gilt, wenn es zu Rötungen, Schwellungen im Wundbereich sowie starken Schmerzen kommt.

Auch was sportliche Betätigung angeht, müssen Betroffene etwas Geduld haben. Leichtere Sportarten (wie Wandern oder Walken) können bei einer Blinddarm-Laparoskopie ab zwei Wochen und bei einer offenen Appendektomie ab drei Wochen nach der Operation ausgeführt werden.7 Wann Sie als Patient wieder voll körperlich belastbar sind, entscheidet der behandelnde Arzt.

Blinddarm-OP – die Krankschreibung

Abhängig vom Grad der Entzündung und der OP-Methode bleiben Patienten nach dem Eingriff in der Regel für 2 bis 5 Tage im Krankenhaus.4 Die gesamte Dauer der Krankschreibung variiert stark, da der Verlauf und die körperliche Anstrengung, welcher der Patient im Beruf ausgesetzt ist, häufig sehr unterschiedlich sind. So kann es zum Beispiel nach einer klassischen, offenen Blinddarm-OP passieren, dass ein Patient eine Krankschreibung von insgesamt vier Wochen erhält, wenn seine Arbeit körperliche Belastbarkeit voraussetzt.5



1Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung e.V.: Blinddarm und Blinddarmentzündung. URL: https://www.gastro-liga.de/download/blinddarm-0907-web.pdf (21.11.2019).
2Kinder- und Jugendärzte im Netz: Blinddarmentzündung. URL: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/blinddarmentzuendung/ (25.11.2019).
3Bommas-Ebert, Ulrike / Teubner, Philipp / Voß, Rainer: Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie. Stuttgart: Thieme 22006. S. 319.
4Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.: Kennen Sie Ihren Puls. URL: https://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/sites/default/files/dateien/seiten/puls_check_karte.pdf (21.11.2019).
5Internisten im Netz: Fieber: Temperatur-Regulation im Körper. URL: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/fieber/temperatur-regulation-im-koerper.html (21.11.2019).
6Salminen, Paulina: Antibiotic Therapy vs Appendectomy for Treatment of Uncomplicated Acute Appendicitis. The APPAC Randomized Clinical Trial. JAMA. 2015;313(23):2340-2348. URL: https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2320315 (25.11.2019).
7Klinik Hallerwiese: Die Blinddarm-OP bei Blinddarmentzündung (Appendizitis). URL: https://www.klinik-hallerwiese.de/de/klinik-hallerwiese/allgemein-und-viszeralchirurgie/operationsspektrum/blinddarm-op.html#!Aufenthaltsdauer (21.11.2019).
8Chirurgie Portal: Wie lange beträgt die Heilungsdauer bei einer Blinddarm-OP mittels Bauchspiegelung? URL: https://www.chirurgie-portal.de/allgemeinchirurgie/untersuchung-bauchorgane/heilungsdauer-blinddarm-op-bauchspiegelung.html (21.11.2019).
9Landesärztekammer Hessen: Akute Appendizitis: Moderne Diagnostik und Therapie. URL: target=“_blank“>https://www.laekh.de/images/Hessisches_Aerzteblatt/2016/01_2016/CME_Beitrag_Akute_Appendizitis_01_2016.pdf (21.11.2019). 10Krankenhaus Martha-Maria Nürnberg: Merkblatt Blinddarm. URL: https://www.martha-maria.de/fileadmin/MP_KH_NUE_Chirurgie/PDF/Merkblatt_Blinddarm.pdf (21.11.2019).