Blinddarmentzündung: Was Sie wissen sollten

Akute Schmerzen im Unterbauch – viele Betroffene befürchten da eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) und eine damit verbundene Operation. Doch was ist eine Blinddarmentzündung eigentlich genau? Und welche Funktion hat der Blinddarm beim Menschen überhaupt? Lesen Sie hier mehr dazu.

Blinddarmentzündung – was ist das?

Frau sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht im Bett und fasst sich an den Unterbauch wegen einer Blinddarmentzündung

Genau genommen ist die Bezeichnung Blinddarmentzündung falsch. Denn nicht der Blinddarm selbst entzündet sich, sondern der Wurmfortsatz (Appendix vermiformis), der an den Darm anschließt. Eine Appendizitis kann sich in jedem Alter bemerkbar machen. Besonders häufig tritt eine Entzündung des Blinddarms allerdings bei Kindern auf. Verschiedene Ursachen, zum Beispiel verhärtete Kotreste oder seltener Fremdkörper (zum Beispiel Kirschkerne), sind in der Lage, die Verbindung zwischen Darm und dem etwa zehn Zentimeter langen Wurmfortsatz zu verstopfen. Lagern sich dann an dieser Verstopfung Darmbakterien ab, kommt es zu einer Entzündung des Wurmfortsatzes, umgangssprachlich zu einer Blinddarmentzündung.

Blinddarm-Funktion beim Menschen

Dem Wurmfortsatz wurde lange nachgesagt, keinerlei Funktion im Körper zu haben. Mittlerweile gehen Experten aber davon aus, dass er einen Beitrag zur Immunabwehr leistet. Wichtige, „gesunde“ Bakterien siedeln sich dort, zum Beispiel nach einem Magen-Darm-Infekt, schnell wieder an und tragen zu einer gesunden Darmflora bei. Trotzdem ist der Wurmfortsatz nicht lebenswichtig. Viele Menschen leben gut und ohne Komplikationen nach einer Entfernung des kleinen Darmfortsatzes.

So erkennen Sie eine Blinddarmentzündung

Typisch für eine Appendizitis ist ein Schmerz im Bauchraum, der seine Position wechselt. Meist tritt dieser zunächst nur leicht auf Höhe des Bauchnabels auf. In den nächsten Stunden wandert er auf die rechte Seite des Unterbauchs (dort liegt der Wurmfortsatz) und verstärkt sich. Bei einer akuten Blinddarmentzündung können außerdem die folgenden Symptome auftreten:

  • erhöhte Körpertemperatur
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • angespannte Bauchdecke
  • erhöhter Puls
  • verstärktes Schwitzen

Vor allem bei Kindern kann eine Entzündung des Blinddarms von den üblichen Beschwerden abweichen, was ein Erkennen erschwert. Außerdem haben viele Kinder Probleme damit, Schmerzen richtig einzuschätzen und zu lokalisieren. Bauchschmerzen bei Kindern müssen aber nicht automatisch auf einen entzündeten Blinddarm hinweisen. Häufig sind einfache Verdauungsstörungen der Grund für unangenehme Krämpfe. Wenn sich Eltern nicht sicher sind, was die Schmerzen im Bauch des Sprösslings auslöst, ist es immer ratsam, einen Mediziner aufzusuchen.

Blinddarmentzündung in der Schwangerschaft und bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen treten die Symptome einer Blinddarmentzündung häufig in abgeschwächter Form auf, wodurch diese meist erst spät erkannt wird. In der Schwangerschaft bleibt der bei einer Blinddarmentzündung typische Schmerz im rechten Unterbauch oft aus. Die vergrößerte Gebärmutter schiebt den Wurmfortsatz weiter nach oben, wodurch sich auch der Schmerz verlagert und zum Beispiel bis in den Rücken strahlen kann. Schwangere mit Blinddarmentzündung kommen daher meist mit unspezifischen Beschwerden zum Arzt.

Verschiedene Formen der Appendizitis

Experten unterscheiden zwei Arten der Blinddarmentzündung: die Appendizitis simplex und die Appendizitis destructiva. Die erste Variante beschreibt die einfache Form der Blinddarmentzündung. Hierbei gibt es die Möglichkeit, dass sich die Entzündung des Wurmfortsatzes noch spontan zurückbildet (wenn sich zum Beispiel ein Fremdkörper löst). Passiert dies nicht und kommt es zur Eiteransammlung durch Krankheitserreger, entwickelt sich eine Appendizitis destructiva (zerstörerische Blinddarmentzündung). Bei dieser Form muss der Facharzt den Wurmfortsatz bei einer Operation entfernen.

Die Diagnose

Bei Verdacht auf eine Appendizitis sollten Sie möglichst schnell einen Arzt aufsuchen. Dieser wird den Bauch vorsichtig abtasten und auf spezielle Druckpunkte testen. Für eine Blinddarmentzündung ist es typisch, dass sich der Schmerz verstärkt, wenn der Arzt auf diese Stellen drückt. Außerdem kann eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen weist auf eine Entzündungsreaktion im Körper hin. Bei einer Ultraschalluntersuchung stellt der Experte endgültig fest, ob tatsächlich eine Blinddarmentzündung vorliegt.

Blinddarmentzündung: Behandlung und Verlauf

Hat der Arzt eine zerstörerische Blinddarmentzündung festgestellt, leitet er in der Regel innerhalb kürzester Zeit eine Operation ein. Bei dieser wird der entzündete Wurmfortsatz entfernt. Das geschieht stationär unter Vollnarkose und dauert in der Regel weniger als eine Stunde. Die Risiken dieses Eingriffs sind relativ gering und die Entfernung des Wurmfortsatzes gilt als Routinebehandlung. Viele Patienten können das Krankenhaus bei erfolgreicher Operation nach wenigen Tagen wieder verlassen.

Eine frühzeitig erkannte Blinddarmentzündung lässt sie sich oft gut heilen. Bleibt die Entzündung des Wurmfortsatzes allerdings unbehandelt, besteht die Möglichkeit, dass es zu einem Darmdurchbruch kommt. Bei einem Darmdurchbruch platzt der entzündete Wurmfortsatz – Eiter und Bakterien gelangen in den Bauchraum. Dies kann wiederrum zu einer Bauchfellentzündung führen, was lebensgefährlich ist und sofort ärztlicher Behandlung bedarf. Um solch einem Verlauf vorzubeugen, ist es daher umso wichtiger, dass Sie bei den ersten Anzeichen einer Blinddarmentzündung einen Arzt aufsuchen. Vor allem bei Kindern mit entzündetem Blinddarm reicht bei einer leichten, einfachen Form manchmal auch eine Antibiotikatherapie zur Behandlung aus. Bei Erwachsenen kann Antibiotika zwar zusätzlich verabreicht werden, in der Regel ist eine Entfernung des Wurmfortsatzes aber unumgänglich.