Divertikulitis – die richtige Ernährung für Betroffene

Die Ernährung spielt bei der Vorbeugung, aber auch bei der Behandlung von Divertikulitis eine große Rolle. Beispielsweise gilt ein Mangel an Ballaststoffen als mögliche Ursache für die Entwicklung von Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Divertikel). Doch wie genau steht das Essverhalten in Zusammenhang mit der Erkrankung?

Überblick:

Die richtige Ernährung kann die Divertikulitis positiv beeinflussen.

Hintergrund: Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Divertikulitis?

Eine Divertikulitis kann entstehen, wenn Ausstülpungen im Dickdarm – sogenannte Divertikel – vorhanden sind und sich entzünden, beispielsweise weil sich dort Stuhlreste ansammeln.

Kurz und knapp: Wichtige Begriffe!

  • Divertikulose: Es sind mehrere Darmdivertikel vorhanden, diese verursachen aber keine Symptome.
  • Divertikelkrankheit: Die Aussackungen an der Darmwand verursachen Beschwerden (zum Beispiel Schmerzen beim Stuhlgang).
  • Divertikulitis: Eine spezielle Form der Divertikelkrankheit, bei der sich die Darmausstülpungen entzündet haben.

Wieso sich bei einigen Menschen Divertikel entwickeln, ist noch nicht ausreichend erforscht. Bekannt ist jedoch, dass die Ernährung neben anderen Faktoren wie einer zunehmenden Bindegewebsschwäche im Alter eine entscheidende Rolle spielt. Vor allem rotes Fleisch, ein übermäßig hoher Alkoholkonsum und eine ballaststoffarme Ernährung gelten als Risikofaktoren.1

Neben der Einnahme von Probiotika – lebendigen Mikroorganismen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken können – und regelmäßiger körperlicher Aktivität, wird deshalb generell auch eine ausgewogene und gesunde Ernährung zur Vorbeugung als sinnvoll erachtet. Sie sollten vor allem viel Obst, Gemüse sowie Getreideprodukte essen.2

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Ob die Ernährung einen direkten Einfluss darauf hat, dass sich Darmdivertikel entzünden, wurde bisher nicht ausreichend untersucht. Studien konnten jedoch auch hier einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von nicht-verarbeitetem rotem Fleisch (zum Beispiel Schnitzel oder Steaks) und einem höheren Risiko für eine Divertikulitis feststellen. Vermutet wird, dass Entzündungsparameter wie das C-reaktive Protein ansteigen oder die Darmflora negativ beeinflusst werden könnte.3


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Ballaststoffarme Ernährung bei akuter Divertikulitis

Eine Divertikulitis sollte in jedem Fall immer von einem Arzt therapiert werden. Denn im schlimmsten Fall sind Komplikationen (zum Beispiel Blutungen oder Abszessbildungen) möglich. Die Behandlung richtet sich nach der Ausprägung der Entzündung. Je nach Schweregrad verordnet der Arzt eine Schonkost oder verschreibt unter Umständen Antibiotika. Zudem kann es nötig sein, dass Betroffene einige Tage lang komplett auf feste Nahrung verzichten müssen, um den Darm vorrübergehend zu entlasten. Der Patient erhält die benötigten Nährstoffe dann über Infusionen, wodurch diese direkt in den Blutkreislauf gelangen und der Darm umgangen wird (parenteral). Solch eine Infusionsgabe geschieht unter ärztlicher Aufsicht. In besonders schweren Fällen einer komplizierten Divertikulitis kommen Patienten um eine Operation nicht herum.

Alles Wichtige zur Therapie

Verordnet der Arzt Schonkost, sind sehr deftige oder fettige Mahlzeiten, die das Verdauungsorgan zusätzlich belasten, vom Speiseplan zu streichen. Und auch auf Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie frisches Gemüse und Obst sollten Sie weitestgehend verzichten.4 Stattdessen setzt die Diät auf ballaststoffarme Lebensmittel. Ballaststoffe sind zwar grundsätzlich gut für den Körper, aber nur schwer zu verdauen. Sie können in engen Darmpassagen leicht an Ausstülpungen hängen bleiben.

Geeignet bei einer Schonkost sind beispielsweise folgende Lebensmittel:

  • Weißbrot
  • Zwieback
  • Nudeln
  • Reis
  • gekochtes oder gedünstetes Gemüse
  • zartes, faserarmes Fleisch und Fisch
  • weiches Obst (zum Beispiel Bananen)

Wichtig ist zudem, dass Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von etwa 2 bis 3 Litern täglich achten.6 Neben Wasser können Sie auch Kräuter- und Früchtetees sowie Fruchtsaftschorlen trinken.

Achtung!

Während sich die Schonkost bei einer akuten Divertikulitis unter Umständen positiv auf Symptome wie Verstopfung, Durchfall oder Blähungen auswirken kann, ist sie als langfristige Ernährungsform nicht geeignet, da sie zu einseitig ist und auf Dauer ein Mangel an wichtigen Nährstoffen droht.

Ballaststoffreiche Ernährung während der chronischen Phase

Eine chronische Divertikulitis verläuft typischerweise in Schüben. Entzündlichen Krankheitsphasen folgen auch immer wieder Phasen, in denen Betroffene beschwerdefrei sind. Währen diesen ist es ratsam, langsam wieder mehr Ballaststoffe in die Ernährung zu integrieren. Ballaststoffe sind Nährstoffe, die der Organismus kaum zersetzen kann und die quasi unverdaut im Dickdarm ankommen. Sie kurbeln allgemein die Verdauung an und sorgen für einen weichen, geschmeidigen Stuhl.7 Besonders ballaststoffreich sind Gemüse, Obst, Kleie und Vollkornprodukte. Beispielsweise enthalten:

  • 3 Schreiben Vollkornbrot (150 Gramm): 12 Gramm Ballaststoffe
  • 2 Möhren (200 Gramm): 7 Gramm Ballaststoffe
  • 1 Birne (150 Gramm): 5 Gramm Ballaststoffe4

Die empfohlene Tagesmenge an Ballaststoffen für eine gesunde Ernährung liegt bei 30 Gramm.8 Dabei sollte die Ballaststoffmenge am besten schrittweise erhöht werden, damit sich der Darm daran gewöhnen kann. Zudem sollten Sie auch hier reichlich trinken, um einer Verstopfung vorzubeugen.

Sie wissen nicht genau, welche Lebensmittel viele Ballaststoffe enthalten? Dann hilft Ihnen diese Tabelle! Sie zeigt, wie Sie ballaststoffarme Lebensmittel ganz einfach durch Ballaststofflieferanten ersetzen können.

„schlechte“ (ballaststoffarme) Lebensmittel „gute“ (ballaststoffreiche) Lebensmittel
Brötchen, ToastbrotVollkorn-, Leinsamenbrot
Mehl (zum Beispiel Typ 405)Vollkornmehl
TortenKuchen aus Vollkornmehl
Kekse aus WeizenmehlVollkornkekse
NudelnZucchini-Nudel
polierter (weißer) ReisNaturreis, Grünkern
CornflakesHaferflocken oder -kleie
Pudding, EisRote Grütze, Obstsalat

Wenn Sie sich unsicher sind, welche Ballaststoffmenge in Ihrem Krankheitsstadium verträglich ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt Rücksprache halten.

Rezeptidee: Brokkoli-Auflauf

Ballaststoffreich und lecker: Mit diesem Gemüseauflauf für den Mittag tun Sie Ihrem Darm etwas Gutes. Zutaten (für 4 Personen):

Brokkoli-Auflauf
  • 2 frische Brokkoli
  • 300 bis 400 Gramm Kartoffeln
  • 280 Gramm Tomaten
  • 250 Gramm Schafskäse
  • 250 Milliliter fettarme Milch
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 3 Eier
  • 1 Esslöffel Gemüsebrühe
  • Salz und Pfeffer
  • etwas Rapsöl

Zunächst waschen und zerkleinern Sie den Brokkoli. Schälen Sie die Kartoffeln, schneiden sie in mundgroße Stücke und geben sie in kochendes Wasser. Wenn Sie bissfest sind (nach etwa fünf Minuten) gießen Sie sie ab und geben sie in eine gefettete Auflaufform.

In der Zwischenzeit hacken Sie Zwiebeln und Knoblauch klein und schwitzen sie in einer Pfanne mit etwas Öl an. Geben Sie dann den Brokkoli und zwei Esslöffel Wasser hinzu und lassen ihn kurz garen.

Währenddessen können Sie den Backofen auf 180 Grad (Umluft) vorheizen und die Tomaten würfeln. Verquirlen Sie Milch, Eier sowie die Gemüsebrühe und würzen Sie die Mischung mit etwas Pfeffer und Salz.

Brokkoli, Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten geben Sie nun ebenfalls in die Auflaufform und gießen die Eiermischung darüber. Nun zerbröseln Sie noch den Schafskäse und streuen ihn darauf. Schieben Sie den Auflauf für etwa 20 Minuten in den Ofen, bis der Käse leicht braun geworden ist.

Weitere Ernährungstipps bei Divertikulitis

Unabhängig von der Krankheitsphase sollten Divertikulitis-Patienten folgende Tipps bei der Ernährung berücksichtigen:

  • Scharfe Gewürze meiden: Obwohl einige Gewürze die Verdauung ankurbeln, sollten Sie diese doch während einer akuten Divertikulitis in Ihrer Ernährung reduzieren. Pfeffer, Chili und Co. reizen die sowieso schon belastete Darmschleimhaut zusätzlich.
  • Mehrere kleine Portionen: Außerdem empfiehlt es sich für Patienten, ihre Nahrung in kleinen Portionen über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Dadurch wird die Verdauung gleichmäßig beansprucht.
  • Viel trinken: Vor allem bei häufigen Durchfällen infolge einer Divertikulitis ist es wichtig, dass Sie in Ihrer Ernährung auf ausreichend Flüssigkeit achten. Denn bei Durchfällen geht diese in großen Mengen verloren. Experten empfehlen eine tägliche Flüssigkeitsaufnahme von mindestens 2 bis 3 Litern.6 Auch über Nahrungsmittel (zum Beispiel Suppen) aufgenommene Flüssigkeit zählt dazu.

Gegen Beschwerden wie leichtere Krämpfe und Blähungen können Kräutertees helfen. Vor allem Pfefferminze und Kamille wird eine beruhigende Wirkung auf die Verdauung nachgesagt. Die Tees gibt es lose oder in Beuteln in Supermärkten, Drogerien und Apotheken zu kaufen.

Linktipp!

Eine mögliche Ernährungsform, die Beschwerden wie Durchfall oder Verstopfung lindern kann, ist die FODMAP-Diät. Erfahren Sie im Experteninterview mehr dazu.



1Leifeld, L. u.a.: S2k-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis. In: Zeitschrift für Gastroenterologie 2014; Nr. 52, S. 663–710.
2Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e.V. Ratgeber Divertikel des Dickdarms. S 7.URL: https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Divertikel_des_Dickdarms-132-06-17.pdf (12.03.2020).
3Ärzteblatt: Studie: Schnitzel und Steaks erhöhen Divertikultitis-Risiko. URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/72396/Studie-Schnitzel-und-Steaks-erhoehen-Divertikulitis-Risiko (16.03.2018).
4Klinikum Westmünsterland: Ernährungsempfehlungen bei Divertikulitis/Divertikulose. URL: https://www.klinikum-westmuensterland.de/borken/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/Ernaehrungsempfehlung-bei-Divertikulitis-Divertikulose.pdf (16.03.2020).
5Klinik für Ernährungsmedizin TU München: Divertikelkrankheit. URL: https://www.mri.tum.de/sites/default/files/seiten/divertikelkrankheit_2018.pdf (16.03.2020).
6Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Referenzwerte Wasser. URL: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/wasser/ (18.03.2020).
7Internisten im Netz: Ballaststoffe bei Divertikulose. URL: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/divertikulose/ballaststoffe-bei-divertikulose.html (16.03.2018).
8Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: DGE Mehr Ballaststoffe bitte! Ballaststoffzufuhr lässt sich im Alltag leicht steigern. URL: https://www.dge.de/presse/pm/mehr-ballaststoffe-bitte/ (16.03.2020).